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Wirecard-Chef Braun tritt nach Bilanzskandal zurück

Markus Braun war seit 2002 Vorstandschef des Zahlungsabwicklers. © Wirecard

Aktionärsvertreter fordern schon länger den Abgang von Wirecard-Chef Markus Braun. Jetzt wirft der Österreicher, der das IT-Start-up zu einem Dax-Konzern aufgebaut hat und selbst Großaktionär ist, das Handtuch. Anleger hoffen auf rasche Aufklärung.

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Wirecard-Vorstandschef Markus Braun tritt im Zuge des Bilanzskandals bei dem Dax-Konzern mit sofortiger Wirkung zurück. Interims-Chef wird der erst am Vorabend in den Vorstand berufene US-Manager James Freis, wie Wirecard am Freitag in München mitteilte. Zudem hatte der Aufsichtsrat des bedrängten Unternehmens am Donnerstagabend noch Vorstandsmitglied Jan Marsalek vorerst suspendiert, der als Vertrauter Brauns galt. Marsalek war für das Tagesgeschäft verantwortlich.

Vorstandschef Braun, der seit 2002 bei Wirecard war, hat den Konzern nach seinen Worten aus eigenem Antrieb verlassen. Wirecard habe ein exzellentes Geschäftsmodell, herausragende Technologie und ausreichende Ressourcen für eine große Zukunft, schrieb er am Freitag in einer persönlichen Erklärung an Mitarbeiter und Aktionäre. “Ich will diese Zukunft nicht belasten.” Er habe den Vorsitzenden des Aufsichtsrats am Vormittag über seine Entscheidung informiert. “Mit meiner Entscheidung respektiere ich die Tatsache, dass die Verantwortung für alle geschäftlichen Transaktionen beim Vorstandschef liegt.”

Der Zahlungsabwickler bereits ist seit über einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner “Financial Times” dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf.

Zweifel an der Existenz von 1,9 Milliarden Euro

Am Donnerstag hatte Wirecard schließlich offenbart, dass die Bilanzprüfer Zweifel an der Existenz von 1,9 Milliarden Euro haben, die auf Treuhandkonten in Asien verbucht wurden. Es gebe Hinweise auf falsche Angaben zu Täuschungszwecken. Daher hatte Wirecard die Vorlage der Jahresbilanz erneut verschoben. Wirecard selbst fürchtet einen “gigantischen” Milliardenbetrug und will Strafanzeige erstatten.

“Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard AG in einem Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist”, sagte Braun in der Nacht zum Freitag in einer Videobotschaft des Vorstands. Unabhängig davon haben die Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft angekündigt, den Fall unter die Lupe nehmen zu wollen.

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab, sowohl an Ladenkassen als auch online. Aktionärsvertreter hatten den Rücktritt Brauns mehrfach gefordert, um rasch für Aufklärung zu sorgen. Auch droht eine Klagewelle. Zudem droht Wirecard der Verlust von Milliardenkrediten. Wenn das Unternehmen bis zum heutigen Freitag keinen von Wirtschaftsprüfern testierten Jahres- und Konzernabschluss vorlege, könnten Kredite von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, hatte Wirecard am Donnerstag bekannt gegeben.

Aktie verliert innerhalb von zwei Tagen 80 Prozent

Unterdessen verdichten sich die Indizien für einen Betrugsfall von großem Ausmaß um den Dax-Konzern. Die philippinische Bank BDO Unibank, bei der angeblich eines von zwei suspekten Treuhandkonten für Wirecard geführt wurde, erklärte am Freitag, dass das deutsche Unternehmen kein Kunde sei: “Das Dokument, in dem die Existenz eines Wirecard-Kontos bei BDO behauptet wird, ist ein manipuliertes Dokument, das gefälschte Unterschriften von Bankangestellten trägt”, hieß es in der Stellungnahme des in der Stadt Makati ansässigen südostasiatischen Geldhauses. “Der Fall ist an die Zentralbank der Philippinen berichtet worden.” Zuvor hatte die US-Nachrichtenagentur Bloomberg über die Stellungnahme berichtet.

Getrieben von Pleiteängsten setzte sich der rasante Verfall der Wirecard-Aktie an der Frankfurter Börse fort. Die Papiere verloren am Freitagvormittag erneut fast die Hälfte ihres Werts und notierten nur noch bei circa 20 Euro – am Mittwochabend war eine Wirecard-Aktie noch über 100 Euro wert gewesen.

tht/dpa

absatzwirtschaft+

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