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Welect baut Online-Werbung ohne Nerv-Faktor

Olaf Peters-Kim und Philipp Dommers © Montage: absatzwirtschaft

Durch das Internet können sich Medien entfalten wie nie zuvor. Das gilt für etablierte Marken ebenso wie für ganz neue Anbieter. Die zentrale Frage für sie alle lautet, wie sich aus Ideen ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen lässt. Die absatzwirtschaft hat sich mit Publishern und Unternehmern getroffen. Der dritte Teil einer siebenteiligen Serie.

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Eine passendere Adresse kann es für eine junge Firma kaum geben: Welect residiert in Düsseldorf nicht irgendwo, sondern am Platz der Ideen 1. Ein Fake? „Nein“, versichert Philipp Dommers (34), „wir arbeiten wirklich hier.“ Er und Olaf Peters-Kim (47) haben Welect im März 2016 gegründet, zuvor arbeiteten beide jahrelang in leitender Funktion für die Agentur Mediacom.

Glaube an den mündigen Konsumenten

Dort haben sie hautnah erlebt, wie sich Technologie und Media rasend weiterentwickeln. Doch ein Problem blieb ungelöst: dass Werbung oft als störend empfunden wird und Menschen nervt. Die Zahl der Werbeverweigerer nimmt zu, ob am Briefkasten oder im Internet, wo sich immer mehr Adblocker tummeln. Das Gründerduo Dommers/Peters-Kim und seine inzwischen acht Mitarbeiter drehen den Spieß um. Nicht Ad-Server und Algorithmen steuern, welcher Spot ausgespielt wird, sondern Nutzer selbst sollen entscheiden, ob und welche Werbung sie sehen wollen.

„Wir glauben an den mündigen Konsumenten“, sagt Dommers. Angebote wie Netflix, Spotify und Audible seien dafür beste Belege. Menschen agieren autark. Sie bestimmen, welche Medien sie wann und wo nutzen. Dieses Prinzip überträgt Welect auf Werbung. Dafür hat das Start-up die Software Welect Publish entwickelt. Sie ermöglicht beispielsweise Nutzern von Medienseiten, sonst übliche Barrieren wie „Abo abschließen“, „Artikel bezahlen“ oder „Adblocker deaktivieren“ zu umgehen. Die Alternative besteht darin, dass sie aus mehreren Werbevideos eines auswählen und anschauen – und dann können sie weiterlesen. „Werbung wird mit größerer Aufmerksamkeit verfolgt und wirkt besser“, beschreibt Dommers den Effekt daraus.

Ansehnliche Referenzliste nach drei Jahren

Eine Kampagne von Nissan zum Beispiel habe eine Click-Through-Rate von 5,6 Prozent erzielt, Barmer kam jüngst gar auf gut acht Prozent, also auf deutlich mehr als bei Werbung ohne Nutzerzentrierung. Hier liegen die Werte in der Regel zwischen einem und zwei Prozent. Zudem sei Welect einer der wenigen Werbeanbieter, die von Adblockern geduldet werden. Die oft hohen Absprungraten auf Medienseiten durch Bezahl- und Adblocker-Schranken sinken dank Welect um bis zu 40 Prozent, behaupten die Geschäftsführer und verweisen auf Erfahrungen mit bisherigen Projekten.

Für werbende Kunden ist der Welect-Ansatz wegen des „Cost per Want“-Angebots attraktiv: Sie zahlen nur, wenn ihr Werbevideo bis zum Ende angeschaut wird, bei Abbruch bleibt es gratis. In die Technologie hat Welect kräftig investiert, da dürfte locker ein sechsstelliger Betrag zusammenkommen.

Drei Jahre nach dem Start ist die Liste der Referenzen ansehnlich. Unter den Kunden sind renommierte Medienmarken wie „Focus Online“, „Fit for Fun“, „Chip“, „Rheinische Post“, zahlreiche Werbetreibende von Audi bis Vodafone sowie etliche Mediaagenturen. Welect bewegt sich mit seinem Geschäftsmodell im Dreieck von Medien, Marken und Agenturen.

„Wer mit uns ins Gespräch kommt und sich auf das Konzept einlässt, ist meist davon angetan“, sagt Dommers. Das Media-Ökosystem sei gewaltig im Umbruch, „da ist der Markt für neue Ideen wie Welect sehr offen“.

 

Weitere Artikel und Interviews gibt es in der aktuellen Ausgabe der absatzwirtschaft, die Sie hier bestellen können

Die anderen Teile der Serie:

Teil 1: Ab geht die „Post“: Wie ein Chatbot den Online-Journalismus voranbringen soll

Teil 2: Vom „unbeschriebenen Blatt“ zur größten Arbeitgeber-Bewertungsplattform: Was Kununu so erfolgreich macht

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