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Was denkt eigentlich … Sebastian Fiala?

Fiala
Basti Fiala: "Streaming und IRL sind derzeit die hippste Art, zu werben und Zielgruppen anzusprechen, die man sonst nicht mehr erreicht." © privat

Sebastian Fiala, genannt Basti und in der Szene als „Lost“ bekannt, ist einer der erfolgreichsten Gamer und Streamer in Deutschland. Er sagt: "Man verkopft beim Streaming schnell."

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Du bist gelernter Heilerziehungspfleger, verdienst Dein Geld aber seit 2015 als professioneller Content Creator beziehungsweise Streamer. Was genau macht ein Streamer?

SEBASTIAN FIALA: Vereinfacht gesagt, bin ich eine Art Alleinunterhalter. Ich mache eine “Ein-Mann-Fernsehshow”, allerdings nicht im Fernsehen, sondern im Internet.

Die wichtigste Plattform für Dich ist der Streamingdienst Twitch, wo Du Dir gewissermaßen beim Gaming über die Schulter schauen lässt. Was ist das Härteste an Deinem Job?

Durchhaltevermögen, Kontinuität und den Job vom richtigen Leben abzugrenzen. Vor allem Letzteres muss man lernen. Mittlerweile streame ich nur noch fünf Tage pro Woche jeweils rund sechs Stunden live. Zwei Tage pro Woche, montags und dienstags, bin ich offline. Dann versuche ich, in die Natur zu gehen und Sport zu treiben. Man verkopft beim Streaming schnell, weil es eine reine Zahlenwelt ist. Immer geht es um Reichweiten, Follower, Watchtime und so weiter.

Was denkt ein Streamer eigentlich bei der Arbeit?

Mein Ansporn ist, den Leuten nicht nur im Spiel möglichst viel zu bieten, sondern auch möglichst viel mit ihnen zu interagieren. Ich chatte ständig mit den Leuten, reagiere auf ihr Feedback. Das ist mir extrem wichtig und sicher Teil meines Erfolges.

Wie reich wird man mit diesem Geschäftsmodell?

Die Spanne ist extrem groß. Viele Streamer verdienen 500 Euro im Monat. Ein paar wenige, die internationalen Szene-Stars, verdienen Millionen. Ich selbst verdiene auf jeden Fall deutlich mehr als als Heilerziehungspfleger. Und genug, dass auch meine Lebensgefährtin Jeannine inzwischen in mein Unternehmen einsteigen konnte.

Sind Esports-Events kein Thema für Dich – darin steckt dank weltweiter Sponsoren gerade sehr viel Geld?

Mit meinen 33 Jahren bin ich für diese Szene schon zu alt. Mein Schwerpunkt sind ja Shooter. Da braucht es eine enorm schnelle Reaktionszeit und permanentes Training, um in der Top-Liga mitspielen zu können. Als Streamer hat man viel mehr Freiheiten und kann sich wesentlich besser eine langfristige Existenz aufbauen.

Seit einem Jahr lässt Du Dich von der Agentur All IN vermarkten. Was ist der Plan?

Unser Ziel ist es, gemeinsam auch branchenfremde Werbepartner auf Twitch und Gaming aufmerksam zu machen. Im Juni starten wir einen neuen Streamingkanal für den Foodbereich, weil Koch-Streaming gerade ein riesen Thema auf Twitch ist. Content Creator wird dann meine Freundin sein. Auch IRL, also “In Real Life”-Streaming, wird immer größer. Dabei lässt man sich nicht beim Spielen zuschauen, sondern beispielsweise beim Joggen im Park oder beim Besuch eines Hotels – immer in direkter Interaktion mit den Zuschauern, mit unmittelbarem Feedback. Auf Twitch hat IRL 2020 bislang das stärkste Wachstum. Hierfür erarbeite ich gerade neue Konzepte, etwa für die Reisebranche.

Was macht Streaming so besonders?

Streaming und IRL sind derzeit einfach die hippste Art, zu werben und Zielgruppen anzusprechen, die man sonst nicht mehr erreicht. Beides ist extrem authentisch und deshalb eine sehr gute Möglichkeit, Produkte intensiver und aktiver zu bewerben. Das wissen die meisten Unternehmen nur leider noch nicht, und es ist unser Job, ihnen das zu vermitteln.

Als Du 2015 professionell in das Geschäft eingestiegen bist, hattest Du neben E-Games einen zweiten Content Schwerpunkt angekündigt: den Fitness-Lost. Was ist aus ihm geworden?

Mein innerer Schweinehund hat daraus leider eine On-Off-Geschichte gemacht. Aber es kann gut sein, dass das Thema dank IRL bald wieder Fahrt aufnimmt. Ich arbeite daran.


Und sonst so?

Es nervt mich, dass … ich die Sache mit dem Fitness-Lost bislang nicht hinbekommen habe.

Ich freue mich auf … hoffentlich viele weitere spannende Jahr als Content Creator.

Die nächste Sau im Dorf heißt vermutlich … IRL.

Nicht mehr hören kann ich … das Wort Influencer. Ich bin viel lieber Entertainer, als Beeinflusser.


Das Interview erschien zuerst in der Juli/August-Printausgabe der absatzwirtschaft.

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