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Was denkt eigentlich … Lydia Krüger?

Lydia Krüger wünscht sich, dass "Scheitern in unserer Gesellschaft normaler wird". © Frauke Bönsch

Die Ex-Kommunikationschefin der Deutschen BKK hat im Job einen Riesenbock geschossen – und darüber auf einer Fuckup Night öffentlich ausgepackt. Heute spricht sie von einer "fast therapeutischen Erfahrung".

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Frau Krüger, sogenannte Fuckup Nights, bei denen gestandene Managerinnen und Manager von ihren größten beruflichen Niederlagen berichten, sind gerade mega-in. Auch Sie sind 2018 dort ­aufgetreten. Warum ist Scheitern plötzlich so sexy?

Scheitern ist überhaupt nicht sexy. Ich habe den Begriff noch mal nachgeschlagen: Er kommt ursprünglich aus der Schifffahrt und wurde früher verwendet, wenn von einem Schiff nur noch ein paar Holzscheite übrig waren.

Und dennoch haben Sie vor rund 1500 Menschen vom eigenen Scheitern ­berichtet. Warum?

Ich glaube und hoffe, dass sich durch solche Veranstaltungen etwas verändert und dass Scheitern in unserer Gesellschaft normaler wird. Aber als ich angefragt wurde, hatte auch ich zunächst den Impuls abzusagen. Heute kann ich sagen: Es ist eine fast schon therapeutische Erfahrung, öffentlich über das eigene Scheitern auszupacken.

Dabei ging es nicht gerade um eine Kleinigkeit. Als Leiterin Unternehmenskommunikation der ­Deutschen BKK hatten Sie einem Journalisten schon vor einer Pressekonferenz eine noch streng geheime Information über geplante Zusatz­beiträge verraten. Das Medienecho war gigantisch. Ihr Ruf war ruiniert.

Zumindest angeschlagen. Letztlich bin ich da in eine Falle getappt. Schlimm war, dass viele Kunden nun vom Zusatzbeitrag aus der Presse erfahren hatten, so morgens im Radio. Die waren sauer, es gab Kündigungen. Es war ein echter Schaden entstanden.

Sie bekannten damals: “Ich schämte mich und fühlte mich wie eine Vollidiotin. Dann kamen Schuldgefühle und Selbsthass. Ich kam nicht mehr klar.” Wie lange hat es gebraucht, bis Sie wieder “die Alte” waren?

Ich hatte sehr lange daran zu knabbern. Beruflich war bis dahin alles glattgelaufen. Ich mache auch keinen Sport, bin es also überhaupt nicht gewohnt zu verlieren. Irgendwann habe ich dann einfach einen Deckel auf die ganze Geschichte gemacht und mich erst bei der Vorbe­reitung zur Fuckup Night wieder damit ­beschäftigt. Inzwischen habe ich ­gelernt: Auch ich mache Fehler. Mitten in der Krise glaubt man ja: Ich bin der ­Nabel der Welt. Dann hilft es sehr, sich das Ganze mal aus der Vogelperspektive anzuschauen. Vieles relativiert sich dann schnell.

Am Abend Ihres Fuckup Night-Auftritts war auch Ex-Arcandor-Manager Thomas Middelhoff einer der “gescheiterten Redner”. Als verurteilter Steuerhinterzieher ist er noch mal ein ganz anderes Kaliber als Sie – macht so was das eigene Scheitern gleich viel erträglicher?

Ach, wissen Sie: Alle machen Fehler. Und andere machen vielleicht besonders große. Aber jeder muss auf seine Weise dafür bezahlen.

Sie hatten lange eine erfolgreiche Kommunikationskarriere. Doch vier Jahre nach dem Fauxpas bei der Deutschen BKK haben Sie hingeschmissen und arbeiten seither als Bloggerin, freie Journalistin und Rednerin. Wie kam es denn dazu?

Ich habe tatsächlich noch vier Jahre weitergemacht. Aber der Zweifel, ob der Job der richtige für mich ist, blieb. ­Lange Zeit habe ich mich einfach nicht getraut aufzuhören. Die Konditionen waren ziemlich gut. Doch irgendwann ging es nicht mehr. Ich arbeite total ­gerne, aber nach dem zweiten Burn-out war klar: Ich muss etwas ändern. Jetzt schreibe ich gerade mein erstes Buch, das auf meinem Blog Büronymus ­aufbaut.

Wie lautet der Titel des Buchs?

“Das Leben ist zu kurz für den falschen Job”. Es wird noch in diesem Jahr erscheinen.


Und sonst so?

Es nervt mich, dass … Deutschland sich beim Klimaschutz nicht an die Weltspitze setzt.

Ich freue mich auf eine … neue Arbeitswelt, die auf Selbstbestimmung und Kooperation basiert.

Die nächste Sau im Dorf heißt vermutlich … Greenwashing.

Nicht mehr hören kann ich … die überwiegend männlichen ­Sichtweisen in Medien, Politik und Wirtschaft.


absatzwirtschaft+

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