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Was auf Paypal beim Eintritt in den chinesischen Markt zukommt

Will sich Paypal in China gegen die lokale Konkurrenz durchsetzen, sollte das Unternehmen auf die Aspekte Sicherheit und Services für Ausländer setzen. © Imago

Durch die Übernahme von GoPay ist PayPal das erste ausländische Zahlungsunternehmen, das eine inländische Zahlungslizenz in China besitzt. Der Schritt auf den Markt ist mutig. Die Konkurrenz ist groß, die Spielregeln und das Konsumentenverhalten sind sich ganz anders als in den USA.

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Ende des vergangenen Jahres hat Paypal den chinesischen Bezahldienst GoPay übernommen. Damit ist Paypal das erste ausländische Zahlungsunternehmen, das die inländische Zahlungslizenz besitzt. Zwei Welten treffen aufeinander. Der US-amerikanische und der chinesische Markt für Zahlungsdienste unterscheiden sich signifikant.

Der US-amerikanische Zahlungsmarkt ist ein Markt für Privatkunden und die Amerikaner sind eine bargeldlose Gesellschaft. Die Nutzung sowie die Akzeptanz von Kreditkarten sind auffallend hoch. Der starke Kreditkartenmarkt hat Visa nach Marktkapitalisierung zu einem der zehn größten Unternehmen der Welt gemacht. Selbst heute noch sind alle innovativen Fintech-Unternehmen wie Paypal oder Tech-Giganten wie Apple und Google von der Ausgabe von Kreditkarten begeistert.

Zwei unterschiedliche Zahlungskulturen

Diese Kultur stellt ein Hindernis für die Entstehung des digitalen Zahlungsverkehrs der nächsten Generation, beispielsweise des mobilen Zahlungsverkehrs, dar. Neben Kreditkarten sind Schecks nach wie vor sehr beliebt in den USA, obwohl sie in vielen europäischen und asiatischen Ländern nicht mehr verwendet werden. Mobile Payment steckt trotz großer Wachstumschancen in den USA noch in den Kinderschuhen. Forrester prognostiziert allerdings eine jährliche Wachstumsrate von rund 17 Prozent für mobile Zahlungen in den USA zwischen 2018 und 2023.

Chinas Zahlungsmarkt für Privatkunden unterscheidet sich davon signifikant: Der mobile Zahlungsmarkt in China ist skaliert, die Gewinnspanne für Dienstleister ist aber extrem gering. Die Hauptgewinnquelle von Bezahldiensten sind nicht die Transaktionsgebühren, sondern die Monetarisierung des Kundenverkehrs und der gesammelten Daten sowie das Anbieten unterschiedlicher Kreditprodukte.

Die erfolgreichsten Zahlungsunternehmen in China sind alle mit den E-Commerce-Riesen verknüpft. Alipay wird von Alibabas riesigen Ökosystemen in den Bereichen E-Commerce, Einzelhandel und Technologien unterstützt. WeChat Pay wird von den Social-Media-, Gaming- und Technologie-Kanälen von Tencent getragen. Ein eigenständiges Zahlungsunternehmen ohne derartiges Ökosystem hat in China keine Überlebenschancen, sind sich Branchenexperten einig.

Digitales Bezahlen in allen Altergruppen akzeptiert

China ist führend bei der Entwicklung zukünftiger Zahlungsarten. Die Volksrepublik setzt beispielsweise auf die Zahlung durch Gesichtserkennung. Alipay, WeChat Pay und Union Pay haben diese Form bereits an Zehntausende von Geschäften verkauft, indem sie die winzigen und billigen POS-Terminals für die Gesichtserkennung bereitgestellt und Händler, die früh eingestiegen sind, monetär belohnt haben. Das digitale Bezahlen hat längst auch die ältere Generation überzeugt. In China ist die Akzeptanzrate des digitalen Zahlungsverkehrs in allen Altersgruppen auffallend hoch. Anfang November 2019 ermöglichten Alipay und WeChat Pay zudem ausländischen Besuchern, mobile Zahlungen in China genauso zu tätigen wie die Chinesen.

Paypal steht angesichts der Markt- und Kulturunterscheide vor hohen Investitionen in China. Als Neueinsteiger ist es nicht möglich, gleich zu Beginn direkt mit lokalen Zahlungsunternehmen zu konkurrieren. Alipay und WeChat Pay haben ihren Kunden bereits äußerst einfache, schnelle, kostengünstige und zuverlässige Zahlungserfahrungen geliefert. Paypal hat in diesem Bereich wenig Raum. Die Amerikaner haben aber Chancen, wenn sie auf das Thema Sicherheit und auf den Nischenmarkt für Ausländer setzt. Beide Aspekte werden von der heimischen Konkurrenz vernachlässigt, gewinnen aber an Bedeutung.

Sicherheit hat zwei verschiedene Bedeutungen: Zum einen geht es um Konto- und Geldsicherheit. Die aufkommende Gesichtserkennungszahlung weist immer noch große Probleme auf. Wenn Paypal eine sicherere, aber bequeme Zahlungsmethode bieten kann, wird dies Kunden anziehen. Die andere Bedeutung betrifft die Datensicherheit. Die DSGVO hat den Datenschutzmechanismus weltweit beschleunigt. Chinesen fordern stärkeren Schutz und sind enttäuscht davon, dass die heimischen Internetgiganten lange Zeit Kundendaten monetarisiert haben.

Markt für Ausländer bietet große Chance für Paypal

Paypal wird es dennoch schwer haben, ausreichend chinesische Kunden davon zu überzeugen, ihre Zahlungsgewohnheiten zu ändern. Eine der effektivsten Möglichkeiten für ein Zahlungssystem besteht darin, eine “Must-Have”-Transaktion exklusiv anzubieten. Der Kunde kann also nur bei diesem einen Anbieter eine bestimmte Ware erhalten. Dies sind oft Tickets für Verkehrsmittel oder ähnliches. In China ist es einem ausländischen Zahlungsunternehmen jedoch unmöglich, Zugang zu den sensiblen Zahlungsfinanzdaten der Massenbevölkerung zu erhalten.

Ein stark wachsender Nischenmarkt ist allerdings noch nahezu unbesetzt, der Markt für Ausländer. Dieser steht zwar allen offen, Paypal hat hier aber besonders große Chancen. Viele der ausländischen Besucher sind bereits Paypal-Kunden in einem anderen Land. Wenn Paypal für diese Kunden ein One-Stop-Zahlungskonto einrichten kann, kann das Unternehmen unter gleichen Bedingungen mit Alipay und WeChat konkurrieren.

Paypal-Gewinn bricht in der Corona-Krise ein

Ein Update aus der Corona-Krise: Wie Paypal jüngst in dieser Woche bekannt gab, erlitt der Online-Bezahldienst aufgrund der Pandemie-Folgen einen Gewinneinbruch. Im ersten Quartal betrug der Überschuss lediglich 84 Millionen Dollar (78 Millionen Euro). Das entspricht einem Rückgang um 87 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.

Paypal erhöhte die Rückstellungen für Kreditausfälle um 237 Millionen Dollar, was die Bilanz stark belastete. Die Aktie geriet nachbörslich deutlich ins Minus. Dabei steigerte Paypal die Erlöse im jüngsten Quartal um deutliche 12 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar und stellte ein noch stärkeres Wachstum für das laufende Vierteljahr in Aussicht.

absatzwirtschaft+

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