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Warum das fliegende Auto die New Mobility ausbremst

Auch Politiker wie Verkehrsminister Andreas Scheuer und Digital-Staatsministerin Dorothee Bär beschreiben gerne mobile Zukunftsvisionen. Doch sind Flugtaxis wie dieser viersitzige "City Airbus" tatsächlich bald alltagstauglich? © Picture Alliance

Entscheider in der Automobilbranche stecken sich gerne hohe Ziele, die oftmals über die aktuelle Realität hinaus gehen und weit in die Zukunft blicken. Diese Strategie birgt aber nicht nur Vorteile, sondern kann zu Enttäuschung bei den Kunden führen. Ein Kommentar.

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Innovative Technologien und Lösungen sind oftmals komplex. Da es an Vergleichsgrößen mangelt, nutzen Verantwortliche gerne bekannte Filme oder Romane, um sie für Menschen greifbar zu machen und um Anknüpfungspunkte zu finden: Blockbuster wie “2001: Odyssee im Weltraum” oder “I, Robot” dienen als Referenz für Künstliche Intelligenz. Für die Zukunft der Mobilität muss regelmäßig “Zurück in die Zukunft” herhalten. Bleiben wir beim Beispiel Mobilität. Hier lösen Bilder von fliegenden Autos bei potenziellen Kunden Erwartungen für die (nahe) Zukunft aus. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn neue Fahrzeugtypen hinter den versprochenen Möglichkeiten zurückbleiben.

Dieses Dilemma zeigt sich aktuell bei Elektroautos und das obwohl sie – im Vergleich zu fliegenden Autos – schon auf dem Markt sind. So waren beispielsweise kürzlich zahlreiche Käufer des Model 3 von Tesla etwa wegen der mangelhaften Verarbeitung und des schlechten Services bei der Neuwagen-Übergabe verärgert.

Produkte an den Bedürfnissen der Kunden vorbei geplant

Für den Teil der Gesellschaft, der aus verschiedensten Gründen nicht einmal daran zu denken wagt, ein Elektroauto zu kaufen, sind die Folgen vielleicht sogar noch dramatischer: Sie sehen Produkte und Zukunftsvisionen, die vollkommen an ihren Bedürfnissen vorbei gehen. So entsteht die Meinung, dass Unternehmen keine Lösungen für den Alltag entwickeln, sondern einem reinen Selbstzweck dienen.

Die Hersteller selbst tun sich mit dieser Kommunikationsstrategie auch keinen Gefallen. Das Beispiel der fliegenden Autos macht das deutlich: Sie sind zwar teils technisch umsetzbar, aber ihr Einsatz ist mit heutigen Technologien (noch) nicht praktikabel. Eine aktuelle Studie der University of Michigan und des Autobauers Ford zeigt, dass fliegende Elektroautos gerade bei Strecken unter 35 Kilometern – was die meisten Pendler betrifft – aufgrund der hohen Kosten sowie der Umweltbelastung bei der Energiegewinnung keine sinnvolle Alternative zu straßengebundenen Fahrzeugen wären.

Trotzdem streben viele Unternehmen danach, mit ihren Modellen die Lüfte zu erobern und vernachlässigen dabei andere Themenfelder. Beispielsweise bietet das Connected Car immer noch großes Wachstumspotenzial; besser noch, ein erreichbares Ziel: das vollautomatisierte, vernetzte Fahrzeug. Die Voraussetzung dafür ist allerdings eine effektive und kontinuierliche Datenkommunikation zwischen sämtlichen Verkehrsteilnehmern, die aber wohl erst in fünf bis zehn Jahren Realität sein wird. Für Hersteller eröffnet sich dadurch die Chance, diese Zeit zu nutzen, um ihr Kerngeschäft effizient aufzusetzen und genügend Cash-Flow zu generieren. Dann können sie in die Mobilität der Zukunft investieren und diesen neuen Markt mitgestalten.

Vernetztes Auto wächst mit dem Smartphone zusammen

Die Automotive-Branche verändert sich in absehbarer Zukunft gravierend. So werden etwa gemeinschaftlich genutzte, automatisierte Fahrzeugflotten den Besitz eines eigenen Pkws früher oder später höchstwahrscheinlich ablösen. Diese neuen Mobilitätskonzepte machen völlig neue Entwicklungs- und Produktionsprozesse notwendig. Auch die Vielzahl an möglichen Kooperations- und Integrationspartnern geht weit über das heute typische Netzwerk eines traditionellen Autobauers hinaus.

Künftig wird ein völlig neues Ökosystem um Services und Anbieter herum entstehen. Das vernetzte Auto selbst wächst dann untrennbar mit dem Smartphone der Nutzer zusammen. Alle Dienstleistungen rund um Mobilität sind dann via App völlig individuell steuer- und planbar. Das bedeutet eine wahre Revolution von Verkehr und Mobilität.

Dass sich etwas ändern muss, wenn Autobauer in dieser Zukunft bestehen wollen, ist allen Akteuren bekannt. Die digitale Transformation der Branche ist daher unabdingbar. Dennoch sind viele nicht für das digitale Zeitalter aufgestellt. Es ist an der Zeit für Unternehmen, agile Entscheidungsprozesse und ein Start-up-Mindset zu entwickeln und Produkte und Services auf Basis von Daten und Kundenwünschen anzubieten. Hersteller sollten faktenbasiert und kundenorientiert handeln, anstatt sich von fliegenden Autos inspirieren zu lassen. Nur so gestalten sie die Mobilität der Zukunft sinnvoll.

Alle Kolumnen von Wolf Ingomar Faecks lesen.

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