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Virtual Reality bei QVC: “Jeder Schritt ist learning by doing”

Silvia el Sheikh
QVC-Managerin el Sheikh über VR-Einsatz: "Wir wollen unsere realen Fernsehsets nicht abschaffen." © QVC

Auf der TV-Verkaufsplattform des Omnichannel-Retailers QVC werden seit Kurzem Teile des Programms mithilfe von virtuellen Sets produziert. Silvia el Sheikh, Director Broadcasting bei QVC Deutschland, schildert Vorteile und Herausforderungen von Virtual Reality im Verkaufsfernsehen.

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Frau el Sheikh, Sie haben bei QVC das Pilotprojekt “Virtual Sets” gestartet. Welches Potenzial sehen Sie für Virtual Reality bei QVC?

SILVIA EL SHEIKH: Wir schlagen mit dem Projekt “Virtual Sets” ein neues Kapitel im Distanzhandel auf und wollen damit auf die Bedürfnisse von Kundengenerationen reagieren, die in einer digitalisierten Welt aufwachsen. Mit den “Virtual Sets” bieten wir den Zuschauern eine ganz besondere Live-Experience. Per Mausklick können wir verschiedene Umgebungen simulieren, den Zuschauer in andere Welten mitnehmen und das Produkt bestmöglich in Szene setzen. Der Einsatz von virtuellen Sets ermöglicht uns außerdem, flexibler und effizienter zu arbeiten, Zeit und Platz einzusparen und schneller mit neuen Looks auf Trends zu reagieren.

Welche Umgebungen simulieren Sie bereits?

Aktuell haben wir drei zur Auswahl: Kosmetikartikel inszenieren wir im virtuellen Spa, Schmuck in der digitalen Juwelier-Boutique. Eine Reihe weiterer Produktkategorien werden im computergenerierten Wohn-Loft vorgeführt.

Worauf kommt es bei diesen virtuellen Umgebungen an?

Uns ist nicht nur daran gelegen, eine Umgebung zu schaffen, in der sich ein Produkt möglichst gut präsentieren lässt. Wir wollen auch eine entsprechende Stimmung transportieren – wie das Gefühl von Wellness und Entspannung, auf das wir bei unserem Spa-Set besonderen Wert gelegt haben.

Bedeutet das nicht einen hohen Programmieraufwand?

Das schon, aber anders als bei realen Sets, können wir in der virtuellen Variante Belichtung, Farben, Motive und Möbel nach Belieben verändern. Dadurch entstehen praktische Vorteile für unsere tägliche Arbeit: Wir minimieren den logistischen Aufwand, es gibt weder Rüst- und Umbauzeiten noch Auf- und Abbauarbeiten per Hand – und wir benötigen keine Lagerkapazitäten für die Studiorequisiten.

Klingt so, als könnte Virtual Reality die realen Studiosets bei QVC schon bald überflüssig machen.

Derzeit befinden wir uns noch in der Testphase und senden im Schnitt eine Stunde am Tag live aus dem virtuellen Studio. Geplant sind täglich bis zu vier Stunden. Unser Ziel ist es, virtuelle Sets bei QVC Deutschland zu etablieren, sie zu einem festen Bestandteil der Set-Planung zu machen. Das bedeutet aber nicht, dass wir unsere realen Fernsehsets abschaffen wollen. Das könnten wir auch gar nicht.

Warum nicht?

Nicht alle unsere Shows lassen sich in einem Virtual-Reality-Studio umsetzen. Sendungen aus der Küche können beispielsweise nur am realen Set stattfinden, weil dafür echte Geräte und Anschlüsse benötigt werden. Auch Mode-Shows mit vielen Models kommen wegen der erforderlichen Größe nicht ohne einen echten Laufsteg aus. Wir begreifen die virtuellen Sets eher als Ergänzung, die unseren Kunden Abwechslung bieten und ihnen noch mehr Freude am Einkaufen bereiten sollen.

QVC ist der erste Teleshopping-Sender in Europa, der Virtual Reality live im Fernsehen nutzt. Bei der Umsetzung hatten Sie also keine Erfahrungswerte, auf die Sie sich hätten stützen können. Wo lagen und liegen die größten Herausforderungen?

Jeder Schritt war und ist dabei learning by doing. Virtual Reality ist ein komplexes Thema und gerade der Live-Betrieb stellt uns vor besondere Herausforderungen. Die Corona-Situation hat die Umstellung auf Virtual Reality nicht einfacher gemacht. Die Dienstleister, mit denen wir zusammenarbeiten, kommen aus verschiedenen Ländern. Weil Reisen lange nicht möglich waren, musste nahezu das gesamte Training virtuell stattfinden. Während die Sendungen laufen, sind Änderungen nicht ad hoc möglich, Unberechenbarkeiten müssen entsprechend schon im Vorfeld mitbedacht werden.

Welche zum Beispiel?

Unser Anspruch ist es, Produkte originalgetreu zu zeigen. Artikel in und mit grüner Farbe, durchsichtige oder glänzende Produkte sind beispielsweise aber problematisch, weil sie vor dem Greenscreen nur schwer sichtbar gemacht werden können.

Wir haben rund ein Jahr lang an einer Simulation gearbeitet, die die Produkte originalgetreu präsentieren kann. Dafür wurde eines der Düsseldorfer QVC-Studios zu einem Virtual-Reality-Studio umgebaut. Vor dem Greenscreen agieren die Moderatoren und Produktexperten jetzt live mit realen Produkten in wechselnden virtuellen Kulissen. Die Umgebung muss dabei makellos sein, weil jede Unebenheit sofort zu sehen wäre. Und auch die Moderatoren und Experten müssen sich an neue Bewegungen und Laufwege gewöhnen, weil die Abmessungen des virtuellen Sets im Vergleich zum realen deutlich kleiner sind: Das Virtual-Reality-Studio wurde auf circa 50 Quadratmetern eingerichtet, die anderen Studios sind 200 und 800 Quadratmeter groß.

Wollen Sie das VR-Studio auch in anderen Ländern ausrollen?

Das ist unser Ziel! Die Pilotphase war bewusst für Deutschland vorgesehen, das gesamte Projekt ist aber international ausgelegt. In den kommenden zwei Jahren soll die neue Technik auch in den QVC-Märkten Italien und Großbritannien eingesetzt werden. Wir haben dafür schon als international aufgestelltes Team gearbeitet, als wir die virtuellen Sets entwickelt haben. Auf diese Weise konnten wir bereits bei der technischen Planung individuelle Anforderungen berücksichtigen, die für länderspezifische Umsetzungen erforderlich sind.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema “Livestream-Shopping – der nächste große Handelstrend aus Asien” lesen Sie in der aktuellen November-Printausgabe der absatzwirtschaft, die Sie hier bestellen können.

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