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Vater der modernen Künstlichen Intelligenz Prof. Schmidhuber: „Es wird Maschinen geben, die man erziehen kann wie die eigenen Kinder“

Er hat einst in München die „tiefen Netze“ entwickelt, die heute in jedem Smartphone stecken, und gilt weltweit als einer der besten Experten für Künstliche Intelligenz. Im Interview mit absatzwirtschaft spricht Prof. Jürgen Schmidhuber über die neue Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine und die Emotionswelt von KI. Schmidhuber leitet heute das Schweizer KI- Forschungsinstitut IDSIA in Lugano und ist Mitgründer der Firma Nnaisense.

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Wir erleben bereits Künstliche Intelligenz im Marketing – smarte Sprachassistenten, algorithmische Bilderkennung, automatisierte Mediaplanung… Gibt es eigentlich Aufgaben, die Maschinen nicht übernehmen können?

Im Moment sind noch alle Anwendungen schwierig, die mit eigenen Impulsen zu tun haben und die Umwelt aktiv gestalten. Die heutige KI auf den Smartphones, die vorhersagt, welche Werbung Sie anklicken werden, ist passiv, eine reine Mustererkennung. Sobald Maschinen aber interagieren und durch ihre Handlungen ihre Umwelt verändern, wie ein Pflegeroboter oder ein Auto, ist der Prozess hochkomplex, denn dabei werden die Eingaben, die die Maschine von außen erhält, durch ihre eigenen Handlungen beeinflusst.

Wann wird auch das möglich sein?

Schwer zu sagen. Im Moment ist es noch viel billiger, Menschen in Entwicklungsländern damit zu beschäftigen, Smartphones zusammenzubauen, als das von einem Roboter erledigen zu lassen. Aber in Zukunft werden Roboter solche Aufgaben lernen, indem sie zuschauen. Dann wird sich ein großer Teil der Weltwirtschaft verändern.

Sie entwickeln mit Ihrer Firma Nnaisense so genannte Allzweck-KI. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Künstliche Intelligenz, die eine Sache nach der anderen lernt und sich dabei auf dem abstützt, was sie vorher gelernt hat. Sie braucht keinen Lehrer. Es gibt für sie keine Schranken außer der Rechenbarkeit und der Physik.

Kann sie fühlen?

Viele glauben, dass man einer KI nicht beibringen könnte, Emotionen zu haben. Dass das logisch-perfekte Wesen seien, die alles immer richtig machen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Wir haben längst emotionale Künstliche Intelligenz. Einer lernfähigen Maschine geben wir Schmerzsensoren, die negative Signale senden, wenn sie zum Beispiel mit einem Hindernis zusammenstößt. Wir geben ihr positive Signale als Belohnung dafür, dass sie bei niedrigem Batteriestand ihr Ladegerät findet – wie ein Mensch, der seinen Hunger stillt. Das Prinzip lautet: Wie kann ich meine Belohnung maximieren und meine Schmerzen minimieren?

Das klingt nach einem sehr rationalen Prozess.

Das ist superrational. Alle Emotionen sind in Wirklichkeit eine Konsequenz von rationalen Beweggründen. Wenn jemand zur Tür reinkommt und dem Roboter eine reinhaut, dann schmerzt ihn das und er versucht, seine Verbindungen im Gehirn so zu adjustieren, dass er, wenn dieser Mensch das nächste Mal reinkommt, hinter dem Vorhang verschwindet, damit der böse Mann ihn nicht sieht. Von außen sieht das so aus, als hätte er Angst. Wie beurteilen wir, ob jemand eine solche Emotion hat? Wir schauen, wie er sich verhält.

Ihre Allzweck-KI kann also Gefühle abbilden. Wird sie auch denken können?

Ja, denn Denken besteht darin, den Lösungsraum von neuronalen Netzwerken zu durchforsten, bis man etwas gefunden hat, das das gegenwärtige Problem löst. Alles Leben ist Problemlösen, hat der Philosoph Karl Popper gesagt. Genau das versuchen unsere KIs. Die Grundlage ist das Scheitern. Wenn man hundertmal gescheitert ist, funktioniert irgendwas besser, und das ist dann die Ausgangsbasis für weiteres Probieren. Das gilt für Menschen genauso wie für Künstliche Intelligenz.

Was bleibt als USP des Menschen?

Darauf habe ich keine gute Antwort. Natürlich erhält man mit einem menschlichen Körper andere Lebenserfahrungen und Schmerzsignale als ein Roboter. Eine KI, die im Weltraum im Vakuum zugange ist, hat eine ganz andere Lebenserfahrung als ein Mensch, der in der Biosphäre tätig ist. Aber das Prinzip, aus sensorischen Eingaben und Erfolgen zu lernen, das ist genau dasselbe.

Wie können Manager am Trend zu KI teilhaben? Viele sind nicht sonderlich datenaffin, müssen den Bereich aber trotzdem in ihre Arbeit integrieren.

Es wird ähnlich sein wie zum Beispiel bei Autos. Die meisten Leute wissen nicht, wie ihr Wagen funktioniert, aber können ihn trotzdem benutzen. Genau so wird es mit KI sein. Es wird Maschinen geben, mit denen man reden kann, die man erziehen kann wie die eigenen Kinder… Sie verstehen ja auch nicht, wie ihr Kind funktioniert, und können ihm trotzdem alles Mögliche beibringen.

Über welchen Zeithorizont sprechen wir?

Einige Jahrzehnte, würde ich sagen. Dann werden wir menschenähnliche KI haben. Schon lange vorher werden sie übermenschlich gute Fähigkeiten in Teildomänen haben.

Für viele Menschen sind das beunruhigende Aussichten. Nicht für Sie?

Alles, was nicht genau vorhersagbar ist, erzeugt Unruhe. Aber auch unsere menschliche Gesellschaft ist nicht vorhersehbar. Wer weiß, was welcher Politiker morgen anstellt? Was für Erfindungen gemacht werden, die alles ändern? Wenn man Schönheit und Erhabenheit darin sehen kann, dass wir kleine Helfer sind auf dem Weg des Universums zu höherer Komplexität – dann kann man sich für diese Entwicklung total begeistern.

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Kommentare

  1. Ich gebe Ihm nur teilweise Recht. Wir arbeiten an einem Projekt das Teilweise KI einsetzt.
    Z.b. versuchen wir über eine KI die Farbe des Gegenstandes auf dem Foto herauszufinden und diese dann in der DB richtig zu flecken, um die Filtereinstellung im Frontend richtig auszuspielen.
    Leider geht es nur so gut, wie gut die zur Verfügung gestellten Bilder sind.

    Insofern glaube ich eher das die Qualität der vorhandenen DB wichtiger ist als die KI selbst.

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