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CES 2019 (Teil 2): Was lernt das Marketing aus der CES 2019? Drei große Lektionen

Ein freihändig funktionierender Vibrator oder Ubers Flugtaxi Bell Nexus - auch im zweiten Teil geht es um die heißesten Trends der CES 2019 und die drei großen Lektionen, die sich Marketer zu Herzen nehmen sollten.

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Die CES als Bananenschale

Aber wie dünn der Grat zwischen relevanter Innovation und alberner Showcase ist, musste ausgerechnet Audi erleben. Und zwar ebenfalls mit einer VR-Anwendung. Zwar war die Testfahrt im VR-Audi extrem gefragt und es bildeten sich lange Schlangen. Aber viele Kommentatoren machten sich hinterher über die Absurdität lustig. CNet-Redakteur Iyat Akhtar nannte es gar eine „schlimme Idee“.

Audis VR-System übernimmt Fahrzeugbewegungen in ein Video oder ein Spiel. Die Idee ist gut, passt aber nicht zum Alltag. Kindern auf den Rücksitzen wird von VR allein schon schlecht. Außerdem ist die Abschottung der einzelnen Fahrgäste in individuelle VR-Szenarien kaum etwas, was Eltern begeistern dürfte.

Weibliche Tester ergänzten auch Sicherheitsbedenken. „Ich fühle mich schon verwundbar, wenn ich Kopfhörer trage“, sagte die Gründerin eines Erotik-Startups. „Die Idee, sich die Augen zu verbinden und einem Uber-Fahrer anzuvertrauen, klingt eher nach Horrorfilm“, fährt sie fort.

Die hohe öffentliche Wahrnehmung auf der CES, sorgt dafür, dass das Parket ganz schön glatt geworden ist. Die US-Tech-Presse geht sehr kritisch mit dem Gezeigten um. Die smarte Toilette ist ein Big-Brother-Supergau. Bell Nexus – das Flugtaxi von Uber – kommt vermutlich eh nie, weil die Regulierungsbehörden das nicht handhaben können. Und richtig schlimm wurde es für AT&T. Deren CEO John Donovan verteidigte öffentlich die Entscheidung, ein LTE-Produkt als 5G zu vermarkten. „Alles redet von 5G, dabei gab es kaum Produkte und die Branche ist sich nicht mal einig darüber, was 5G ist“, lästert CNet-Redakteur Roger Cheng.

Ubers Flugtaxi Bell Nexus wurde viel bestaunt, aber zumeist auch kritisch kommentiert: Wo sollen die Dinger fliegen?

Auch der Veranstalter kam nicht ungeschoren davon. Offensichtlich als Folge der ganzen Metoo-Debatte tat man sich schwer mit neuen Zulassungen zum Erotik-Segment im Eureka-Park, der Startup-Etage der CES. Zwei Startup-Gründerinnen berichteten bei CNN vor laufender Kamera davon, dass sie kurzfristig ausgeladen wurden, trotz teurer Vorbereitungen. Während Altaussteller mit eindeutig zweideutigem Angebot ihren Stand behalten durften.


Hier geht es zum ersten Teil des Artikels: „CES 2019 (Teil 1): Ob albern oder sinnvoll – diese Highlights aus Las Vegas bringen Schwung ins Marketing


Das Ergebnis war die Umkehrung der gewünschten Compliance. „Ist die CTA ein prüder und frauenfeindlicher Altherren-Club“ lautete einer der Kommentar. Auch der österreichische Standard spricht von „Sexismus-Vorwürfen“. Ein Vibrator von Laura DiCarlo hatte es sogar in die begehrte Best-of-show-Liste geschafft, aber eben nur kurzfristig. Eine Stunde später wurde dem Erotik-Startup der Award wieder entzogen.

Der Vibrator von Laura di Carlo funktioniert freihändig und war der CES-Leitung kurzfristig sogar einen Award wert

Das Duell der Giganten

Und Apple? Traditionell bleibt die Apfel-Company der CES fern. Dieses Jahr war man insofern präsent, dass man eines der Strip-Hotels umfassend plakatierte. Thema des Plakats: Datenschutz.

Durchschaubar ist das Manöver der überraschenden Öffnung von Airplay 2 für Drittgeräte. „Apple muss aufholen, was den eigenen Streamingdienst angeht“, kommentiert CNet–Redakteurin Ashley Esqueda. „Im Bereich der Hardware sieht das so aus, als habe man das Rennen aufgegeben“.

Ja, die Musik machen andere auf der CES. Zum Beispiel Amazon mit der Ankündigung eines eigenen Gaming-Streaming-Service à la Steam. Alexa und der Google Assistant sind überall drin und die beiden Giganten liefern sich eine wahre Produktschlacht. Aktuell scheint Google die Nase etwas vorn zu haben. Die Plakatierung des Haupteingangs und der Aufbau eines Mini-Roller-Coasters, mit dem der geneigte Gast die Customer Journey nachfahren konnte, ließen der Bezos Company wenig Platz zur Entfaltung. Google hat die CES-Ausgaben mal schlicht verdoppelt.

In einer Geisterbahn fuhr Google die CES-Besucher durch einen Tag in der Small World und zeigte, wie toll man da den Google Assistant einsetzen kann

Zudem zeigte Google einige Einzelprodukte, die viel positive Resonanz erhielten: Ein dezidiertes Übersetzer-Tablet soll die Tourismusbranche mit Google Translate unterstützen. Und zwar in Echtzeit. Und das neue Pixelbook – das allerdings schon im Oktober veröffentlicht wurde – scheint ein guter Wettbewerber für Microsoft Surface zu sein.

Amazon war unterdessen hinter den Kulissen enorm aktiv. Die Kooperation mit TV-Gigant Samsung in Sachen Alexa-Integration lässt Google alt aussehen, wenn es um das smarte Wohnzimmer geht.

Überhaupt zeichnete sich die CES durch Gigantenduelle aus. Samsung und LG versuchten sich in Standgröße und Produktvielfalt zu überbieten. Beide setzen verstärkt auf Robotics. Und die Grafik-Giganten NVidia und AMD beschimpften sich gegenseitig in aller Öffentlichkeit.

Herrlich. Die CES 2019 hat wieder richtig Spaß gemacht, vor allem, wenn man genau hinschaute. Fürs Marketing gab es drei große Lektionen:

1. Die CES ist weiterhin der Hingucker für das Thema connected. Die CeBit hat diese Chance verpasst, die IFA ist deutlich unterhaltungslastiger. Immer mehr Tech-ferne Aussteller kommen nach Las Vegas, zum Beispiel Impossible Burger mit dem fleischlosen Tartar.

2. Ingenieurs-getriebene Technikpräsentationen funktionieren nicht. Wer keinen klaren Kundennutzen formulieren kann, erntet Häme und Spott.

3. Big Brother Angst und Datenschutzbedenken sind in den USA angekommen. Wer dort eine Plattform oder einen vernetzten Service anbieten möchte, tut gut daran, die Themen frontal zu adressieren.

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