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Taiwan setzt auf Fake-Reisen als Marketingtrick

Auch wenn sie am Ende nicht abheben werden, stehen die Passagiere am Flughafen von Taipeh Schlange, um wenigstens das Gefühl von Fliegen wieder zu erleben. © Songshan Airport

Corona hat den internationalen Tourismus zeitweise nahezu zum Erliegen gebracht - zum Ärger vieler Reisehungriger. Manchem reicht in der Krise allein das Gefühl von Reisen: Das hat sich der Flughafen von Taipeh in Taiwan zunutze gemacht und Fake-Flüge angeboten. Ein gelungener Marketing-Coup.

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Tausende sollen sich beworben haben, um am Songshan Airport von Taipeh die Sicherheitskontrollen zu passieren und anschließend in einen Airbus A330 einzusteigen, um ihn dann gleich wieder zu verlassen. Denn: Dieser Flug sollte niemals abheben. Die Fluggäste waren dennoch zufrieden. Allein das Gefühl, wieder reisen zu können und Flughafenluft zu schnuppern, reichte den Reisehungrigen.

Wie viele andere Flughäfen hat der Songshan Airport den Corona-Shutdown genutzt, um Renovierungsmaßnahmen durchzuführen. Um deren Funktionalität zu testen, ist das Unternehmen auf die Idee gekommen, Fake-Flüge anzubieten. Der Flughafenbetreiber rief öffentlichkeitswirksam dazu auf, dass Touristen die Prozedur von der Ankunft im Terminal bis zum Betreten des Flugzeugs durchspielen können.

7000 haben sich beworben

Rund 7000 Personen bewarben sich um die Teilnahme, die 60 Gewinner wurden zufällig ausgewählt. Diese erhielten Bordkarten und hatten die Möglichkeit, einzuchecken, die Pass- und Sicherheitskontrollen zu durchlaufen und schließlich an Bord des Airbus von China Airlines, der größten Fluggesellschaft in Taiwan, zu gehen – bevor sie wieder ausstiegen. Statt des Abhebens endete die Reise mit einem gemeinsamen Essen in der Flughafenkantine. Weitere “Flugerlebnisse” dieser Art werden in den kommenden Wochen stattfinden.

Für den Flughafen lohnte sich dieser erste Fake-Flug aus Marketingsicht enorm. Der Airport wollte ursprünglich dieses Jahr sein siebzigjähriges Jubiläum groß feiern. Daraus wurde nichts. Kaum eine andere Branche hat weltweit so massiv unter der Pandemie gelitten wie die gesamte Luftfahrtbranche. Die Coronakrise hatte die Tourismusströme weltweit nahezu komplett zum Erliegen gebracht.

Flughafen international im Gespräch

Durch seine Scheinreisen brachte sich Taiwans Flughafen national wie international ins Gespräch und machte als Destination auf sich aufmerksam. Songshan hat in der Regel Flüge nach Tokio, Seoul und mehrere chinesische Festlandstädte und ist auch ein wichtiges Inlandsdrehkreuz. Taiwan ist dank früher und wirksamer Präventionsmaßnahmen relativ unbeschadet aus der Pandemie hervorgegangen, hat aber seine Grenzen seit Mitte März weitgehend geschlossen.

Die Regierung hat den Bürgern von Auslandsreisen abgeraten, es sei denn, diese seien absolut notwendig. Mit weniger Flügen sind die Passagierzahlen in den ersten fünf Monaten im laufenden Jahr um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, so die Regierung. Das Reisen innerhalb Taiwans nimmt aktuell allerdings beträchtlich zu – auch dank der Werbemaßnahmen des Flughafenbetreibers. Die beiden wichtigsten inländischen Fluggesellschaften Taiwans – die China Airlines-Einheit Mandarin Airlines und Eva Airs Uni Air – haben ihre Kapazitäten erweitert, um taiwanesische Inseln und die zerklüftete Ostküste im Sommer anzufliegen.

absatzwirtschaft+

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