Sprachen lernen leicht gemacht

Das Angebot an Sprachlern-Apps ist riesig und alle versprechen das Gleiche: erfolgreich und flexibel eine Sprache per App zu lernen. Doch wie erfolgreich ist das digitale Lernen wirklich? Und was für Geschäftsmodelle und Marketingstrategien stecken hinter diesen Apps?
Ob schulischer Erfolg, Reisen oder einfach nur die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten: Sprachlern-Apps können dabei helfen. ©Babbel

Heutzutage wollen immer mehr Menschen eine Sprache per App lernen. Ein Grund dafür ist, dass die Menschen ihre Zeit sinnvoll nutzen möchten und jeder, der gerne ins Ausland reist, weiß, wie praktisch und spannend es ist, dort in der Landessprache kommunizieren zu können. Flexibilität und Bequemlichkeit überzeugen bei der mobilen Lernmethode. So können beispielsweise Zugfahrten oder Wartezeiten mit spielerischem Sprachenlernen überbrückt werden.

Vielleicht wurde auch während den pandemiebedingten Einschränkungen ein bisschen Reisemelancholie beim mobilen Lernen gelindert, denn die Sprachlern-Apps erfuhren einen regelrechten Boom. In Deutschland meldeten sich zum Beispiel dreimal so viele neue Nutzer*innen bei Babbel an wie im letzten Vor-Corona-Jahr und auch Duolingo meldet aktuell Rekordbuchungen, die im Vergleich zum Vorjahresquartal um 55 Prozent angestiegen sind.

Funktioniert das Sprachenlernen per App?

Studien zur Effektivität von Sprachlern-Apps, teils von den Anbietern selbst in Auftrag gegeben, teils von unabhängigen Institutionen durchgeführt, kommen alle zu dem Ergebnis: Sowohl die Motivation zum Sprachenlernen als auch die Sprachfähigkeiten werden durch Sprachlern-Apps gestärkt und Erfolge sind eindeutig messbar.

Die Wissenschaftlerin Almut Ketzer-Nöltge, die im Bereich des computergestützten Lernens selbst forscht und lehrt, stimmt diesen Forschungsergebnissen zu, weist aber auch auf die Grenzen des Sprachenlernens per App hin. Die Apps seien sehr hilfreich für den Einstieg in eine Sprache, jedoch nicht ausreichend, um komplexe Zusammenhänge zu trainieren wie spontanes, freies Sprechen und Schreiben.

Der Markt um die Sprachlern-Apps

Inzwischen ist die Anzahl an Sprachlern-Apps beinahe unüberschaubar groß und es stellen sich die Fragen, inwieweit Marktpotenziale noch vorhanden sind, welche Geschäftsmodelle funktionieren und welche Positionierung erfolgsversprechend ist. Dafür nehmen wir drei der größten Anbieter Duolingo, Babbel und Rosetta Stone unter die Lupe.  

Im Jahr 2019 umfasste der weltweite E-Learning-Markt, zu dem das mobile Sprachenlernen gehört, noch 200 Milliarden US-Dollar. Bis 2026 wird ein Wachstum auf fast 400 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Den größten Marktanteil bei Sprachlern-Apps besitzt der US-amerikanische Anbieter Duolingo mit inzwischen über 500 Millionen Downloads. Er ging im Jahr 2012 an den Markt und bietet eine kostenlose App mit Option auf In-App-Käufe und eine kostenpflichtige „Plus“-Version. Doch schon das kostenlose Angebot ist bereits sehr umfangreich, sodass man die App mit etwas Geduld für Werbeanzeigen effektiv nutzen kann.

Babbel hingegen, ein deutsches Start-up, das seit 2008 auf dem Markt ist, kann nach einer zeitlich beschränkten Testversion nur im Abonnement genutzt werden. Ähnlich ist es bei Rosetta Stone, ein Unternehmen für digitales Sprachenlernen, das bereits 1992 in den USA gegründet wurde. Hier wird heute neben Abonnements auch die Möglichkeit angeboten, mit einer einmaligen Zahlung einen Lifetime-Zugang zu erwerben.

Drei unterschiedliche Ansätze des Lernens

Neben dem Geschäftsmodell unterscheiden sich die Apps auch hinsichtlich der Kommunikation und Lernstrategien. So steht bei Duolingo der Gamification-Aspekt im Mittelpunkt. Levels, Experience Points, Belohnungen und ein Punktevergleich mit anderen Nutzer*innen sollen dazu motivieren, immer mehr Lektionen abzuschließen. Duolingo ist inzwischen auch schon auf der Online-Spieleplattform Roblox vertreten, was ein erster Schritt für Werbung via Metaverse ist.

Beim Lösen der Aufgaben von Duolingo wird die deutsche Übersetzung eingeblendet, Grammatikübungen oder -erklärungen gibt es jedoch nicht. Und während Duolingo Push-Benachrichtigungen wie „Du bist in die Abstiegszone gerutscht – Nur die Top 10 kommen weiter zur nächsten Liga, also bleib dran“ schickt, meldet Babbel lieber „Starte gut in den Tag – Eine kurze Lektion gibt dir die nötige Energie“.

Babbel ist neben Duolingo eine der erfolgreichsten Sprachlern-Apps, vor allem auf dem deutschen Markt. Die App bietet verschiedene Kurse und Lektionen zu unterschiedlichen Schwerpunkten an. In diesen Einheiten wird das Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben vielfältig integriert, die Grammatik erklärt und mit einem Vokabeltrainer wiederholt.

Die Rosetta-Stone-App bietet ebenfalls verschiedene themenspezifische Einheiten mit diversen Lernlektionen. Das Verstehen und das Lernen werden hier über den Kontext vermittelt, sodass es bei Rosetta Stone weder Informationen bezüglich Grammatik noch Übersetzungen gibt, sondern implizit ein Gefühl für die Sprache entstehen soll.

Die Zielgruppe ist divers

Die Sprachlern-Apps dieser drei Anbieter richten sich aber nicht nur an Privatkund*innen. Duolingo erweitert sein Angebot zum Beispiel mit „Duolingo for schools“ spezifisch für Lehrkräfte und deren Schüler*innen. Auch Babbel entwickelt sein Angebot stetig weiter: Es gibt Podcasts, Babbel Live für virtuelle Klassenräume und einen wachsenden B2B-Bereich. Rosetta Stone spricht ebenfalls Unternehmen und Bildungseinrichtungen an.

Alle Apps basieren auf etwas unterschiedlichen Lehrstrategien. Jede*r Nutzer*in muss selbst entscheiden, ob der Fokus auf Gamification, Grammatik oder Kontext gesetzt werden soll. Und auch wenn das Sprachenlernen per App ein Angebot an die Digital Natives darstellt, möchten die Apps auch die Digital Immigrants erreichen. So bestätigt auch Babbel, dass sich die Zielgruppe hinsichtlich Alter, Herkunft, Geschlecht und Bildung stark unterscheide. Angesichts dieser Vielfalt wird auch auf vielfältige Medienkanäle gesetzt, die von Social- und Influencer-Marketing-Kampagnen auf Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube bis hin zu Werbung im TV, Radio und bei Google reichen.   

Dabei greifen die Apps Duolingo und Babbel auch das Thema Diversity und Inklusion auf. Babbel machte zum Beispiel zur Fußball-WM in Russland 2018 eine Kampagne, die einerseits zum Russischlernen motivieren sollte, und die sich andererseits für LGBTQIA+-Rechte stark machte. Dafür wurden queere Paare zusammen mit Statements wie „Ich bin mit einem Mann/Frau verheiratet“ abgebildet, was Sätze sind, die im Russischen nicht vorkommen, da diese Sprache sehr gegendert ist. Und auch Duolingo achtet auf inklusive Sprache und setzt auf Diversity bei den eigenen Inhalten

Erfolg muss gesichert werden

Für die Sprachexpertin Ketzer-Nöltge sind die Unterschiede zwischen den Apps aus didaktischer Sicht nicht wirklich groß. Alle Apps würden schlussendlich ein Angebot für Anfänger*innen darstellen, wobei aber auch alle an einer Verbesserung in der Sprach- und Fehlererkennung sowie an besseren Feedbackschleifen arbeiten. Um den Erfolg der jeweiligen Sprachlern-App auszubauen, geht es zukünftig neben Verbesserungen und Erweiterungen von Lehrformaten vor allem auch um die Entwicklung von KI-basierten intelligenten Tutoren. Ketzer-Nöltge erklärt, es müsse auf individuelle Bedürfnisse und Interessen der Lernenden eingegangen werden, Schwächen identifiziert und Fehlerursachen erkannt werden. Und da kann eine KI, kombiniert mit guter Spracherkennung, in Zukunft die Qualität von Sprachlern-Apps noch um einiges optimieren. Zudem wird die Personalisierung in Zukunft auch noch wichtiger werden, sodass ein auf das Individuum zugeschnittenes Lernen möglich sein wird.

Schlussendlich wird deutlich, wie wichtig eine gute und effektive Vermarktung der verschiedenen Anbieter, mit doch recht ähnlichem Angebot, in den nächsten Jahren sein wird. Nur wer in der Lage ist, sein Angebot mit umfangreichen Investitionen auszubauen und mit neuesten Technologien zu verbessern, wird seine Position auf diesem umkämpften Markt sichern können.

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