Suche

Anzeige

Sheryl Sandberg wirbt bei der DLD um Vertrauen in Facebook: „Wir wollen kein Internet, das außer Kontrolle gerät“

© DLD 2019/Andreas Gebert/picture alliance

Sheryl Sandberg, die mächtige Frau hinter Facebook-CEO Mark Zuckerberg, ist auf Stippvisite in Deutschland – in mehreren Auftritten versucht die COO des Netzwerks Vertrauen in den in die Krise geratenen Social-Media-Konzern zurückzugewinnen. Beim DLD und im Vorfeld dessen gab sich die verantwortliche Managerin demütig. Die Skepsis gegenüber Facebook räumte sie damit allein aber nicht aus dem Weg.

Anzeige

Es war der mit größtem Interesse erwartete Auftritt beim diesjährigen DLD in München. Bereits eine halbe Stunde vor der Keynote von Sheryl Sandberg war nahezu jeder Stuhl in Conference Hall besetzt. Währenddessen wurde das Programm auf der zweiten Bühne im Deutschen Museum Verkehrszentrum unterbrochen, um die Rede der Facebook-COO zu streamen. Sheryl Sandberg, Co-Geschäftsführerin bei Facebook, ist auf Stippvisite in Deutschland, ihre Mission: Vertrauen in den in die Krise geratenen Konzern zurückgewinnen.

Verstärkt durch die Affäre rund um Cambridge Analytica hat das Ansehen Zuckerbergs und seiner für’s operative Geschäft zuständigen Kollegin in den vergangenen Monaten extrem gelitten – Fake News, Wahlbeeinflussung über das Werbegeschäft, allgemeiner Vertrauensverlust machen Facebook zu schaffen. Um ein Drittel ist der Aktienkurs des einflussreichen Konzerns in den vergangenen Monaten gefallen, die Regulierung der weltweit aktiven Internetkonzerne gilt als „unausweichlich“, wie Zuckerberg bereits bei seiner Anhörung vor dem US-Kongress eingestand.

Facebook will ein „ein besseres Internet”

Am heutigen Sonntag sprach seine Vize beim DLD in München zur Fragestellung „What Kind of internet do we want?“. „Menschen sagen uns, sie wollen ein Internet, in dem jeder seine Stimme erheben und frei sprechen kann“, betonte Sandberg. „Und sie wollen eines, in dem kein Hass verbreitet wird.“ Jeder Mensch weltweit sollte Zugang zum World Wide Web mit all seinen Vorteilen haben.

Facebook arbeite ernsthafter denn je daran, „ein besseres Internet“ zu ermöglichen, in dem jeder die vorhandenen und entstehenden Technologien für Gutes nutzen könne. Mehrfach betonte die COO, dies gemeinsam mit „jedem“ ermöglichen zu wollen. Und sie wiederholte das Mantra der vergangenen Monate:

Wir haben verstanden und wir wollen besser werden

 

 

 

Diese Form der Demut der Facebook-Managerin ist keineswegs kein neuer Ton. Seit Monaten versucht der Konzern „expactation management“ zu betreiben, Missbrauch des sozialen Netzwerk vorzubeugen. Beim DLD wiederholte Sandberg in großen Teilen, was sie am Sonntag zuvor in Interviews mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) und der ARD erklärte, betonte Maßnahmen und Richtlinien, die das Unternehmen zuletzt erlassen hat.

Skepsis bleibt

Und auch das Verständnis für Regulierung thematisierte Sandberg erneut. „Ich denke, wir wollen kein Internet, das außer Kontrolle gerät. Wir wollen aber auch kein Internet, das zu streng kontrolliert wird.“ Sie betonte die Interessen mancher Staaten, ihre Bevölkerung zu kontrollieren und der Meinung seien, dass niemand eine eigene Stimme haben dürfte. „Wir wissen, dass wir nicht alle Entscheidungen alleine treffe können, und manche von der Gesellschaft getroffen werden müssen.“ Regierungen hätten das Recht wie auch die Pflicht, Regeln und Grenzen aufzuzeigen. „Wir unterstützen das und arbeiten mit vielen Regierungen weltweit zusammen.“ Zugleich warnte Sandberg vor Regulierungen, die Innovationen unterdrückten.

Die Frage, die sich auch Teilnehmer der Konferenz stellten, lautete jedoch, wie groß die Demut der Facebook-Verantwortlichen tatsächlich ist. Mit Skepsis wurde deshalb die Nachricht aufgenommen, dass Sandberg nicht nur mit Appeasements-Bekundungen nach Deutschland gereist ist, sondern auch mit rund 6,5 Millionen Euro im Gepäck. Damit will Facebook über die kommenden fünf Jahre einen Lehrstuhl für KI-Ethik an der TU München finanzieren. Auch wenn die Unterstützung der Wissenschaft aus der Privatwirtschaft längst nichts Ungewöhnliches mehr ist, und trotz der vergleichsweise geringen Summe, befeuert Facebook von selbst den Eindruck, man wolle das Vertrauensproblem auch mit finanziellen Mitteln lösen. Immerhin: Der Konzern macht sein Lobby-Engagement transparent.

Mit dem Geld werde das Institut für Ethik in künstlicher Intelligenz, dessen Unabhängigkeit Facebook betonte, diverse Aspekte künstlicher Intelligenz wie Fairness, Transparenz und Sicherheit untersuchen. Die Ergebnisse sollen mit Gesellschaft, Wirtschaft und Regierungen geteilt werden. Facebook werde die Anschubfinanzierung leisten, werde aber nicht der einzige Geldgeber bleiben, hieß es am Rande der DLD.

Gibt es bei Facebook ein neues Verantwortungsbewusstsein?

Das Engagement für die Erforschung künstlicher Intelligenz ist Facebook auch ein Anliegen, weil das Netzwerk die neuen Technologien im Kampf gegen Missbrauch bereits anwendet. So spüre künstliche Intelligenz bereits terroristische Inhalte wie auch Hassrede auf, beteuerte Sandberg. Zudem gelinge es, monatlich Fake Accounts in Millionenhöhe zu blocken.

Mit Blick auf das Geschäftsmodell betonte Sandberg, auch hier ein neues Verantwortungsbewusstsein. Sie sehe, dass viele Menschen besorgt darauf schauten, wie Facebook Geld verdiene und erklärte, den Zugriff auf Daten durch Drittanbieter stark eingeschränkt zu haben. Zugleich beteuerte sie, die über Nutzer gesammelten Informationen weiterhin „datenschutzgerecht“ fürs Werbegeschäft zu nutzen. Facebook habe aber niemals mit Datenhandel sein Geld verdient.

Das Geschäftsmodell nutze Sandberg, um die Bedeutung Facebooks deutlich zu machen. Das Social Web ermögliche vor allem kleinen Geschäften, die keine teuren Werbe- oder Außenwerbung-Kampagnen finanzieren könnten, Werbung zu betreiben und sie genauso mit Menschen zu vernetzen, wie jeden einzelnen Nutzer. Auch seien durch das Social Web im Allgemeinen und Facebook im Speziellen Millionen Jobs weltweit entstanden. Gegenüber der FAS hatte sie bekräftigt, am Geschäftsmodell festzuhalten und einem gebührenpflichtigem Facebook zwischen den Zeilen und mit Blick auf die Freiheit des einzelnen eine Absage – genauso wie den Gedanken, aus den begangenen Fehlern insoweit zu lernen, als dass sie oder auch Mark Zuckerberg von ihren Ämtern zurücktreten. „Mark und ich haben dieses Unternehmen gemeinsam aufgebaut, und wir fühlen eine tiefe Verantwortung, unsere Herausforderungen gemeinsam energisch anzugehen.“

Wen will sie überzeugen?

Trotz der Bekundungen und Vorstellung ihrer Maßnahmen betonte Sandberg, dass auf Worte weitere Taten folgen müssten. Damit schätzte die Managerin die Stimmung genau richtig ein, die ihr Auftritt beim DLD-Publikum hervorgerufen hatte.

Insgesamt blieb nach dem Vortrag Sandbergs, die DLD-Gründerin Steffi Czerny betont als „meine gute und vertrauensvolle Freundin“ ankündigte, eine gewisse Skepsis zurück.

Eine erneute Möglichkeit, Facebooks Eingeständnisse authentischer und glaubwürdiger zu formulieren, wird Sandberg bereits in der kommenden Woche haben. Im Rahmen ihrer Europa-Tour sind nach dpa-Informationen Treffen mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Justizministerin Katarina Barley geplant – auch die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer soll Sandberg treffen.

Anzeige

Kommunikation

Instagram

Instagram, Podcasts, Vertrauensfrage: So konsumiert Deutschland digitale News

Nachrichten über das Weltgeschehen erreichen junge Menschen in Deutschland inzwischen häufig über soziale Netzwerke wie Instagram. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese auch vertrauenswürdiger als klassische Medien sind. Eine aktuelle Studie gibt Einblicke in die digitale Mediennutzung. mehr…

Absatzwirtschaft Newsletter

absatzwirtschaft Newsletter schon abonniert?

Newsticker

Unter Druck von Amazon, Otto & Co: Zalando will zum Marktplatz werden

Weil der Onlinehändler im Direktkundengeschäft nicht mehr die Wachstumsraten der Vorjahre erreicht, will…

Kauflaune der Bundesbürger sinkt zum zweiten Mal in Folge

Während der Konjunkturoptimismus der Verbraucher anhält, werden sie beim Geldausgeben vorsichtiger. Noch stabilisiert…

Warum investiert die Marke Tchibo in E-Sports?

Tchibo testet im Marketing eine neue Plattform, um junge Zielgruppen anzusprechen: E-Sports. Im…

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige