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OMR-Festival-Chef Westermeyer: „Ohne den Mittelstand wäre weiteres Wachstum nicht möglich“

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Welche Rolle spielt der Mittelstand für OMR und das Festival?
Wo sollen denn unsere ganzen Besucher herkommen, wenn nicht aus dem Mittelstand? So viele Agenturen und Großkonzerne gibt es gar nicht, dass die uns 40.000 Leute schicken können. Ohne den Mittelstand wäre weiteres Wachstum nicht möglich. Uns gelingt es über die ganze Art, wie wir als Medienmarke auftreten, die das ganze Jahr über präsent ist, die man im Podcast hören und lesen kann, Menschen in kleineren Städten oder da, wo in Deutschland der Mittelstand sitzt, anzusprechen. Das sind ja tolle Firmen in Aschaffenburg, Würzburg, Braunschweig, Essen oder Dresden. Und diese Leute, die fragen sich: „Warum soll ich mir jetzt mir ein Bahnticket oder ein Flugticket holen, ein Hotel buchen und nach Hamburg kommen?“ Als Veranstalter muss man was Besonderes bieten und das ganze Jahr lang überzeugen. Und das schaffen wir, denke ich, sehr gut. Das funktioniert nicht, wenn man nur einmal im Jahr ein paar Banner schalten würde und sagt: „Jetzt ist es wieder soweit, komm mal rum!“ Da muss man eine wirklich sehr lebendige Medienmarke sein, glauben wir.

Nun sind die Verlags- und Medienhäuser auch eine wichtige Zielgruppe. Sie kommen selbst aus einem Medienhaus. Welche Beobachtungen machen Sie für diese Branche?
Generell ist es natürlich nicht einfach für Medien in der heutigen Zeit. Die kommen teilweise von einem superhohen Niveau, gerade was Profitabilität, Reichweite und Relevanz anbelangt. Jetzt rutschen sie auf ein „normales Niveau“ und werden dafür schon sehr abgestraft. Vermutlich wird es ein paar Medien geben, die den Wandel nicht so gut managen und die dann am Ende vielleicht ihre Rolle ganz verlieren. Gleichzeitig gibt es andere, die es sehr gut machen. Ich bin da jetzt nicht total defätistisch und negativ. Dass es aber viele Medien geben wird, die das Profitabilitäts-Niveau, das der Spiegel oder der Stern früher hatten, übertreffen, ist zugegeben selten.

Viel ist zuletzt über Facebook diskutiert worden. In der Außendarstellung hat das Unternehmen nun wirklich keinen Lauf. Ist es dennoch verfrüht, Facebook als große Werbeplattform abzuschreiben?
Definitiv, man sieht ja schon, was das Netzwerk bewegen kann und wie viele Menschen darin täglich aktiv sind. Facebook, der Konzern, hat bekanntlich weitere Marken wie WhatsApp und Instagram. Ich war allerdings schon überrascht, dass sie jetzt auf einmal einen Messenger Service für Kinder gestartet haben. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt gemacht. Am Ende ist es mehr ein Inside-Baseball. Wir diskutieren darüber, doch die Masse der Menschen, die Milliarden, die das Netzwerk nutzen, denen ist das völlig egal. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Art Gegenbewegung startet, solange es nicht eine Plattform gibt, die die jungen Leute wegzieht. Das ist die einzig wirkliche Gefahr.

Es gibt aber Studien, die sagen, dass ganz junge Leute mit Facebook eigentlich gar nichts mehr zu tun haben. Entspricht das nicht Ihrer Wahrnehmung?
Das zu schätzen, ist total schwierig, weil man dann bei Größen wie n gleich eins, n gleich fünfhundert oder n gleich tausend ist. Im Vergleich zu den Facebook-Zahlen ist das nichts. Insofern ist die Relevanz auf einige Jahre gesichert, zumal sich neue Anbieter angesichts der Markt- und Eintrittsbarrieren, die Facebook aufgebaut hat, schwer tun. Können sie technologisch so viel Traffic bedienen? Haben sie ein tiefes Produkt, auch aus Werbesicht? Das ist für neue Anbieter nicht mal eben so zu bewerkstelligen. Um Facebook mache ich mir wenig Sorgen.

Vor allem mit der Digitalisierung tun sich viele Medienhäuser schwer. Verlage, die es früher geschafft haben, ohne Probleme große Leserschaften an sich zu binden, haben es nun schwer, Abomodelle für ihre digitalen Angebote durchzusetzen. Haben Sie ein Rezept?
Das Rezept ist es, dranzubleiben und weiter zu probieren. Klar, alle nennen die New York Times, aber es gibt darüber hinaus wirklich tolle Medienmarken aus Deutschland. Highsnobiety beispielsweise sind auch bei uns auf dem Festival. Der Gründer David Fischer macht das wirklich clever. Selbst in Deutschland finde ich Vieles gut gemacht, zum Beispiel Bild.de. Aber das leuchtende Vorbild gibt es nicht. Der Grund aus meiner Sicht: Für die verschiedenen Mediengattungen sind die Lösungen jeweils andere. Wissenschaftliche Publikationen sollten sich sehr genau angucken, was im Spendenbereich passiert. Im Businessbereich könnten Abos ein Thema sein. Und so muss jeder überlegen, was zu den jeweiligen Medien passt.

“Leute kaufen nicht plötzlich einen selbstbestellenden Kühlschrank für ein paar tausend Euro”

Influencer haben in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Lauf hingelegt. Im Grund hat es sie aber schon immer gegeben. Wie sehen Sie deren Entwicklung?
Es bewegt sich alles in Richtung Influencer. Gerade im Fashion- und im Sportbereich. Wenn ich mir angucke, wie ich Sport konsumiere, dann zum großen Teil über Sportler selber, also Influencer. Der Bereich wird eher noch größer werden und weitere Veränderungen mit sich bringen. Darunter verstehe ich zum Beispiel, dass Influencer Redakteure anstellen, um ihre Marke zu prägen.

Nochmal zurück zur OMR. Verraten Sie unseren Lesern doch mal, wie OMR Geld verdient? Wie ist das Verhältnis zwischen Festival, Web-Plattform und Podcasts?
Es ist mittlerweile ungefähr ausgewogen zwischen dem Festival, also den beiden Tagen und allen anderen Bereichen, die wir bedienen. Vom Umsatz ist das Festival sogar noch ein bisschen größer als der Rest. Deshalb kann man natürlich schon sagen, dass es sehr, sehr wichtig ist. Aber es gäbe uns auch ohne das Festival. Wir arbeiten daran, unsere Erlösströme zu diversifizieren. Da haben wir genau dieselben Themen, die viele Medien haben. Während wir früher nur zwei Erlösströme managen mussten, beispielsweise Abogebühren und Werbung, müssen wir jetzt fünf, sechs verschiedene Erlösströme bearbeiten und verbessern. Angefangen bei den Anzeigen, hin zum Jobbereich über Seminare bis Events und die Vermarktung.

Alles rund um Audio ist seit geraumer Zeit ein Hype. Sie haben am Anfang angesprochen, dass aus dem Bereich immer mehr Inhalte beim OMR Festival dazukommen. Basierend auf Ihren persönlichen Podcast-Erfahrungen und dem, was jetzt auf dem Markt ist, angefangen bei Alexa über Siri hin zu Google Home: Wie wird sich der Bereich entwickeln?
Beim Thema Voice erlebe ich in meinem Umfeld, wie das jetzt losgeht. Dass man über WhatsApp nur noch Sprachnachrichten verschickt statt zu tippen. Wie man tatsächlich im Auto mit dem Navigationsgerät spricht. Und auch, wie die Leute Podcasts hören. Da greifen verschiedene Audioelemente ins Leben ein. Einerseits das und andererseits kann man die ganzen Anstrengungen von Amazon und den anderen großen Firmen beobachten, die das pushen und Technologie dafür liefern. Wie die Technik rund um Voice dann im Marketing genutzt wird oder in Media-Budgets fließt, erkennt man allerdings noch nicht.

OMR ist in der Branche als Avantgarde bekannt. Sie als Gründer und Macher, welche Trends erachten Sie als im Moment noch überschätzt?
Also Blockchain wird natürlich ein Thema, da bin ich mir ganz sicher. Aber im operativen Marketing sehe ich es in den nächsten zwei Jahren nicht. Was ja derzeit so einfach diskutiert wird, dass man mit Blockchain die Traffic-Qualität sichert. Das hat alles in der Theorie Sinn, aber bis es zum Praxis-Alltag gehört, wird es noch eine Weile dauern. Ich würde als Marketing-Chef nicht sagen: „Ab morgen geht es hier um Blockchain.“ Da kann man getrost noch ein paar Urlaube machen, bis das soweit ist.

Aber warten wir nicht alle noch auf den selbstbestellenden Kühlschrank?
Am Ende sind die Anpassungszyklen in der Masse der Gesellschaft doch länger, als man glaubt. Man muss auch sagen, die Sachen, die sich jetzt sehr schnell entwickelt haben, waren alle kostenlos. Facebook damals oder auch YouTube kosten bis heute nichts. Wenn man jetzt in den Hardwarebereich reingeht, dann glaube ich, dauert es einfach länger, weil die Menschen nicht bereit sind, Geld auszugeben. Man sieht nach wie vor, wie viele Leute mit ihren Prepaid-Verträgen unterwegs sind oder wie viele eben kein iPhone haben und normale Mobiltelefone besitzen. In der Masse der Gesellschaft denken die Leute sehr genau darüber nach, wofür sie Geld ausgeben und kaufen nicht plötzlich einen selbstbestellenden Kühlschrank für ein paar tausend Euro.

Wenn man bedenkt, wann diese Technik auf der CeBIT vorgestellt wurde. Damals sagten Experten, derartige Kühlschränke seien demnächst in den Haushalten. Hätte man darauf gesetzt, wäre man jetzt pleite.
Man sieht ja, wie lange es dauert, irgendwelche Flughäfen zu eröffnen oder das ganze Gerede von Elon Musk und seiner „Mission to Mars“. Ist alles PR. Da werden Claims abgesteckt, wer was als erstes sagte, gesehen hat, geglaubt hat. Ehrlicherweise glaube ich, dass meine Mutter den selbstbestellenden Kühlschrank in ihrer Wohnung nicht mehr erleben wird. Und die ist noch nicht so alt.

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