Niedriger Rhein hat schmerzlichen Effekt auf Wirtschaft

Das Niedrigwasser am Rhein beeinflusst nicht nur unmittelbar die Binnenschifffahrt. Auch die Industrieproduktion könnte leiden, warnen Konjunkturexperten.
Aufgrund zu niedriger Wasserpegel muss der Schiffsverkehr auf dem Rhein teilweise eingestellt werden. ©Christoph Reichwein/dpa

Nachdem es im vergangenen Jahr in großen Teilen Deutschlands zu Hochwasser und Überschwemmungen gekommen war, herrschen auch jetzt stehende Hitze und anhaltende Dürre. Neben großflächigen Waldbränden in Brandenburg zeigen sich nun auch andere erschreckende Bilder ausgetrockneter Wasserläufe – auch am Rhein.

jener ist einer der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt und kommt jetzt an seine Grenzen. In den vergangenen Tagen gerieten immer mehr Bilder an die Öffentlichkeit, die liegengebliebene Schiffe und plötzlich auftauchende Wrackteile zeigten.

Rhein: Verheerende wirtschaftliche Folgen

Die wirtschaftlichen Folgen des Rhein-Niedrigwassers sind nach Einschätzung des Ökonomen Prof. Stefan Kooths vom Kiel Institut für Weltwirtschaft schmerzhaft. „Berechnungen zu den Folgen des Niedrigwasser 2018 im Rhein zeigen, dass die Industrieproduktion um etwa 1 Prozent abnimmt, wenn die Pegelstände an der Messstelle Kaub die kritische Marke von 78 Zentimetern für einen Zeitraum von 30 Tagen unterschritten haben“, erläuterte Kooths.

In der Spitze sei die Industrieproduktion 2018 um etwa 1,5 Prozent gedrückt worden, so Kooths weiter. Auf Jahressicht dürfte das Niedrigwasser etwa 0,4 Prozent an Wirtschaftsleistung gekostet haben. „Allerdings ist die damalige Situation nicht eins zu eins auf heute übertragbar“, erklärte der Wissenschaftler. So sei die „Fallhöhe“ für die deutsche Industrieproduktion damals viel größer gewesen.

Deutlich schlimmer für die Industrie seien aber weiter die negativen Auswirkungen der Lieferengpässe: „Bis zuletzt blieb die Industrieproduktion aufgrund der Lieferengpässe um 7 Prozent hinter dem Niveau zurück, das angesichts der Auftragseingänge zu erwarten wäre“, sagte der Vizepräsident und Konjunkturchef des Kieler Instituts.

Lieferengpässe in Zeiten der Inflation

„Gegenwärtig kommt allerdings verschärfend hinzu, dass die Behinderungen durch das Niedrigwasser auf ohnehin schon sehr angespannte Lieferketten treffen“, hieß es weiter. Zudem sei die Binnenschifffahrt ein wichtiges Transportmittel für Energierohstoffe. Die Unternehmen dürften aber durch die Erfahrungen aus 2018 besser auf Ausfälle bei der Binnenschifffahrt vorbereitet sein, etwa durch den Einsatz anderer Schiffstypen.

Jeder weitere Belastungsfaktor drücke aber die wirtschaftliche Dynamik. Und jede zusätzliche Produktionsbehinderung wirke preistreibend, da die Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot größer wird. „Aus Inflationsgesichtspunkten geht es somit nicht allein um die Folgen steigender Transportkosten“, erklärte Kooths.

Den Angaben nach wird in Deutschland nur ein kleiner Anteil der beförderten Güter per Binnenschiff transportiert: 2017 seien es 6 Prozent gewesen. Aber für einzelne Gütergruppen wie Kohle, rohes Erdöl und Erdgas, Kokerei- und Mineralölerzeugnisse sowie chemische Produkte entfielen auf die Binnenschifffahrt 10 bis 30 Prozent der Beförderungsmenge. „Diese Güter stehen am Anfang vieler Produktionsketten, so dass Ausfälle bei deren Transport zu Produktionsbehinderungen in nachgelagerten Produktionsstufen führen können.“

nh/dpa

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