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Muslime fühlen sich von deutschen Medien kaum repräsentiert

Für das Projekt „Muslime in der europäischen Medienlandschaft“ untersuchten Wissenschaftler aus Deutschland und Großbritannien, wie Muslime Medien nutzen und produzieren. Fast 90 Prozent der befragten Muslime fühlen sich von den etablierten Medien in Deutschland und Großbritannien nicht repräsentiert. Sie beklagen eine stereotype Darstellung der Muslime und ein respektloses mediales Bild des Islam. Rund 60 Prozent der Befragten in Deutschland fühlen sich durch Berichte über Islamfeindlichkeit bedroht. Mehrheitlich erscheinen Muslime mit Migrationsgeschichte als kritische Mediennutzer, die bei Bedarf die Berichterstattung deutschsprachiger Medien mit der von anderssprachigen Medien vergleichen, um sich ihre eigene Meinung zu bilden. Somit gibt es nach Angaben von Prof. Dr. Andreas Zick keine Belege für eine parallele Mediengesellschaft in Deutschland.

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Die Gesellschaften in Europa werden kulturell vielfältiger und die europäische Medienlandschaft verändert sich. Vor diesem Hintergrund untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld sowie der Keele University in Großbritannien, wie Medienproduktion und Mediennutzung sowie die Beziehungen gesellschaftlicher Gruppen zusammenhängen. Die Forscher führten dafür Interviews mit deutschen und britischen Journalisten. Neben einer nicht repräsentativen Online-Befragung in beiden Ländern wurden sogenannte Fokusgruppen mit muslimischen und nicht-muslimischen Mediennutzern gebildet. Die Studie wurde von dem Institut für Strategischen Dialog (London) koordiniert und durch die Förderung der Vodafone Stiftung Deutschland und des British Council ermöglicht.

In dem Forschungsprojekt ging es unter anderem darum, ob sich aktuell parallele oder getrennte Mediengesellschaften entwickeln – und dies besonders mit Blick auf muslimische Gemeinschaften. „Wir haben daher erforscht, wie sich die Mediennutzung von Muslimen von der Nutzung von Nicht-Muslimen unterscheidet“, sagt Professor Dr. Andreas Zick vom IKG. Ein Ergebnis: Ein Großteil der in Fokusgruppen befragten Personen muslimischen Glaubens nutzen sowohl deutsch- als auch anderssprachige Medien. Sie beschreiben die Nutzung von Medien aus verschiedenen Kulturen als Bereicherung, weil sie so etwa verschiedene Sichtweisen auf ein Thema erhalten. „Es gibt in unserer Studie damit keinen Befund für eine parallele oder abgeschottete Mediengesellschaft von Muslimen in Deutschland”, sagt Zick.

Dennoch bleiben Mainstream-Medien, also Sender, Zeitungen und Internetangebote, die sich an die breite Masse wenden, für die Mehrheit der Muslime und Nicht-Muslime in Deutschland und Großbritannien die wichtigste Nachrichtenquelle. Das erscheint den Forschern verwunderlich – denn fast keiner der muslimischen Befragten in Deutschland fühle sich von etablierten Medien repräsentiert (87,6 Prozent). In Großbritannien sei dies mit 85,7 Prozent ähnlich. Vielmehr hätten die Mehrheiten der muslimischen Befragten in beiden Ländern den Eindruck, dass Muslime in den Mainstream-Medien stereotyp dargestellt werden (89,7 Prozent in Deutschland, 95,3 Prozent in Großbritannien). Zick folgert: „Medien sind bedrohlich für Muslime, wenn Journalisten über sie schreiben, sie filmen oder mit ihnen reden.“ Das bestätigt auch die Online-Erhebung. Fast 60 Prozent der muslimischen Befragten in Deutschland fühlen sich „durch Berichte über Islamophobie“ bedroht und 77,3 Prozent von ihnen meinen, die Medien behandeln den Islam respektlos.

Wie die Studienergebnisse zeigen, glauben muslimische Mediennutzer an die Macht der dominanten Mainstream-Medien. Mehr als 70 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Mainstream-Berichterstattung die Beziehungen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen positiv beeinflussen kann. Die Interviews mit Journalistinnen und Journalisten wiederum zeigen, dass sich Medienvertreter schon jetzt bemühen, Klischees, Stereotypen und Vorverurteilungen zu vermeiden. „Die interviewten Journalisten machen deutlich, dass sie selbst auf eine differenzierte Darstellung achten“, so der Bielefelder Wissenschaftler Jörg Heeren. Dennoch mahnen sie selbst an, dass Menschen mit muslimischem Hintergrund in der Berichterstattung nuancierter dargestellt werden müssen. So bedauern sie, dass in Berichten oft die religiöse Zugehörigkeit von Personen in den Vordergrund gestellt werde – obwohl in vielen Fällen die nationale Herkunft oder die soziale Schicht bedeutsamer wären. „Handlungen von Personen mit muslimischer Zugehörigkeit werden demnach oft ungerechtfertigt mit ihrer Religion verknüpft“, sagt Heeren.

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