Leipzig wird Standort der neuen Agentur für Innovationen

Leipzig ist einer der wenige Leuchttürme in den neuen Bundesländern. Nun wird die Stadt und die Region zusätzlich aufgewertet. Eine neue Bundesagentur soll Innovationen "Made in Germany" von dort aus zum internationalen Durchbruch verhelfen. Dafür investiert die Bundesregierung eine Milliarde Euro in den kommenden zehn Jahren.
Blick auf Leipzig (© Kiwihug / Unsplash)

Leipzig wird Standort einer neuen „Agentur für Sprunginnovationen“. Das bestätigten Forschungsministerin Anja Karliczek und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) am Mittwoch in Berlin. Altmaier sagte, Leipzig sei heute bereits ein „innovationspolitischer Leuchtturm“ mit einer starken Wissenschaftsorientierung und einer guten Verkehrsanbindung. „Wir haben uns bewusst für einen Standort in einem ostdeutschen Bundesland entschieden – ohne Abstriche bei den anderen Kriterien zu machen: Urbanität, unternehmerische Innovationskraft, Wissenschaftsorientierung und ausgezeichnete Verkehrsanbindungen waren entscheidend. Wir sind überzeugt, dass Leipzig ein attraktiver und leistungsstarker Sitz für die Agentur ist“, so der Minister.

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Sprunginnovationen sind solche Innovationen, die insbesondere auf radikalen technologischen Neuerungen, aber auch auf völlig neuen Geschäftsmodellen und sozialen Veränderungen beruhen. Sie können völlig neue Märkte schaffen und bestehende disruptiv verändern. Sie gehen oft einher mit einer deutlich sichtbaren Veränderung des Nutzer- und Kundenverhaltens. Deshalb werden sie auch als disruptive oder radikale Innovationen bezeichnet. Ein Beispiel für eine technologische Sprunginnovation ist die Einführung des in Deutschland entwickelten mp3-Standards zur Speicherung und Übertragung von Musikdaten, welcher traditionelle Tonträger wie Schallplatten, Kassetten und CDs weitgehend vom Markt verdrängt hat.

Sprunginnovationen besitzen ein enormes wirtschaftliches Potenzial, wie man zum Beispiel in den USA sehen kann. Um sie hervorzubringen braucht man exzellente Wissenschaft und innovative Unternehmen. In beiden Feldern nimmt Deutschland weltweit eine Spitzenposition ein. Um die großen Potenziale aber zu heben und zum wirtschaftlichen Erfolg zu führen, braucht es mehr: Ein Gespür für neue Trends in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, kreatives unternehmerisches Denken und Handeln, die Fähigkeit zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, Mut zum Risiko und keine Angst vorm Scheitern. Dafür steht die neue Agentur für Sprunginnovationen. (Aus einem Papier von BMBF und BMWi)


Gründungsdirektor will Aufbruchstimmung nutzen

Im Rennen für den Sitz der Agentur waren in der Endauswahl auch Potsdam und Karlsruhe. Altmaier sagte, es habe ein „leichtes Übergewicht“ der Argumente für Leipzig gegeben. Der Gründungsdirektor der neuen Agentur, der Software-Unternehmer Rafael Laguna de la Vera (55), hatte Leipzig als Standort empfohlen. „Diese Empfehlung von Herrn Laguna ist überzeugend begründet. Leipzig steht für Zukunft und beweist, dass die ostdeutschen Länder Orte der Innovation sind“, sagte Bundesministerin Karliczek. „Mit der Agentur für Sprunginnovationen gehen wir in der Bundesrepublik Deutschland einen völlig neuen Weg in der Innovationspolitik.“

Rafael Laguna de la Vera und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek © BMBF / Hans-Joachim Rickel

„Diese Entscheidung, 30 Jahre nach der friedlichen Revolution, ist auch ein politisches Signal. Für mich persönlich schließt sich hier ein Kreis, 45 Jahre nachdem ich die damalige DDR verlassen habe, kann ich nun mithelfen, die enorme Aufbruchsstimmung in Leipzig zu nutzen und zu verstärken.“
Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor

Die Deutsche Presse-Agentur hatte bereits am Dienstagabend unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass Leipzig der Standort für die neue „Agentur für Sprunginnovationen“ werden soll. Sie soll bahnbrechenden Innovationen „Made in Germany“ zum Durchbruch verhelfen. Ziel ist es, dass aus Ideen viel mehr als bisher auch erfolgreiche Produkte entstehen – zum Beispiel bei Zukunftstechnologien wie der künstlichen Intelligenz (KI) sowie bei Klimaschutz oder Gesundheit.

Entscheidung mit strukturpolitischem Hintergrund

Die Agentur soll „zeitnah“ ihre Arbeit aufnehmen mit rund 35 bis 50 Mitarbeitern in der Leipziger Zentrale. Zudem sollen „Scouts“ unterwegs sein auf der Suche nach Ideen. Daraus sollen Firmen entstehen, die Produkte auf den Markt bringen, die das Zeug haben, Branchen zu verändern. Der Agentur sollen früheren Angaben zufolge in den kommenden zehn Jahren Mittel von rund einer Milliarde Euro zur Verfügung stehen.

Altmaier sagte, bei der Entscheidung für Leipzig hätten auch strukturpolitische Aspekte eine Rolle gespielt. Die Stadt sei nahe am Mitteldeutschen Braunkohlerevier, das vom Strukturwandel im Zuge des geplanten Kohleausstiegs betroffen sei.

tht/dpa