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Klimagipfel lenkt Blick auf Nachhaltigkeitsfonds

Klimafonds ermöglichen auch Kleinanlegern den Einstieg in Wind- oder Solarprojekte. © Imago

Nachhaltige Finanzprodukte schießen wie Pilze aus dem Boden und sind immer beliebter. Umstritten ist jedoch, inwieweit Anleger einen konkreten Beitrag zur Erreichung des Klimaziels leisten können. Ist überall, wo grün draufsteht, auch grün drin?

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Die kommenden Tage stehen ganz im Zeichen der UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow. Auf Einladung der Vereinten Nationen debattieren rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die Erderhitzung auf ein noch erträgliches Maß eingedämmt werden kann. Das Thema bewegt auch immer mehr Anleger an den Aktienbörsen, die ihren Beitrag leisten oder schlicht vom Trend hin zu Öko-Investments profitieren wollen. Nachhaltige Finanzprodukte schießen wie Pilze aus dem Boden, gleichzeitig mehren sich aber auch die kritischen Stimmen.

„Es gibt einen Mangel an Konsistenz und Transparenz im gesamten Nachhaltigkeitssektor bei der Ausrichtung von Klimafonds auf globale Klimaziele“, heißt es in einer aktuellen Studie der Denkfabrik Influencemap.

Gleichwohl ist der Markt für nachhaltige Investmentfonds in den vergangenen Jahren sprunghaft gewachsen. Während zum Beispiel in Deutschland 2005 Produkte mit einem mehr oder weniger großen Fokus auf Umwelt, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung (sogenannte ESG-Kriterien) lediglich fünf Milliarden Euro eingesammelt hatten, waren es 2015 schon 69 Milliarden. 2020 waren es dann schon 248 Milliarden Euro, wie die jüngste Statistik des Fachverbandes für Nachhaltige Geldanlagen zeigt. Uns selbst das ist nur ein winziger Teil des hiesigen Fondsmarktes.

Nachhaltige Fonds trotzen Corona

Empirische Untersuchungen liefern zwar keinen Beleg, dass nachhaltige Fonds höhere Renditen erwirtschaften als herkömmliche Finanzprodukte. Aber gerade in Krisenzeiten können sie Studien zufolge durchaus Vorteile wie zum Beispiel ein günstigeres Risikoprofil ausspielen. So sind nachhaltig orientierte Fonds dem Analysehaus Morningstar zufolge während des Corona-Markteinbruchs im ersten Quartal 2020 global weniger stark unter Druck geraten als konventionelle Produkte. Der Grund dafür sei vor allem gewesen, dass die Fondsmanager weniger stark im Energiesektor engagiert waren. Denn: Energieunternehmen, die auf fossile Brennstoffe setzen und damit für viel CO2-Ausstoß verantwortlich sind, schneiden in Nachhaltigkeitsrankings in der Regel schlecht ab.

Inwieweit Anleger mit ihren Geldanlageentscheidungen einen konkreten Beitrag zur Erreichung des Klimaziels leisten können, ist jedoch umstritten. Denn einerseits können sie natürlich direkt in (kleinere) Wind- oder Solarprojekte einsteigen oder über das Zeichnen von Schuldverschreibungen deren Finanzierung ermöglichen. Das bedarf in der Regel aber genauer Kenntnisse über die Projekte und das Finanzierungsumfeld. Gerade für Privatanleger ist das oftmals nicht so einfach.

Wer aber andererseits sein Geld klimabewusst breit gestreut an der Börse anlegt, muss sich fragen, ob dort, wo grün draufsteht, auch grün drin ist. Erst kürzlich geriet mit der Fondsgesellschaft DWS ein Branchenriese laut Medienberichten in den Fokus der Aufsichtsbehörden. Der Verdacht: Die Angaben zu den Nachhaltigkeitskriterien beim Asset Management könnten zu hoch angesetzt gewesen sein. Die Tochter der Deutschen Bank wies die entsprechenden Anschuldigungen Ende August „entschieden“ zurück, lässt sie nun aber offenbar durch eine Anwaltskanzlei intern überprüfen.

Bafin will strengere Regeln erlassen

Zu einem ernüchternden Fazit in puncto Wirksamkeit von Nachhaltigkeitsfonds kommt indes eine Studie von Influencemap. Zu ungenau sei die Definition von Nachhaltigkeit und zu gering die Verbreitung entsprechender Standards. Daher investiere mehr als die Hälfte der untersuchten Aktienfonds mit Klimabezug mehrheitlich in Unternehmen, deren Produktion nicht mit den Pariser Klimaschutzzielen übereinstimmten. Insofern sei es für Anleger nach wie vor schwierig zu beurteilen, was die Fondsbeschreibungen in der Praxis bedeuten.

Die deutsche Finanzaufsicht (Bafin) will nun mit strengeren Regeln gegensteuern. Ihr reicht es nicht aus, dass die Europäische Union seit März von Anbietern verlangt, ihre Fonds im Rahmen eines einheitlichen Verfahrens – einer sogenannte Taxonomie – in Nachhaltigkeitskategorien einzuordnen. Stattdessen fordert sie, Nachhaltigkeit müsse sich auch darin widerspiegeln, unter welchen Bedingungen das Geld investiert wird. Sei es via Mindestinvestitionsquoten, Höchstgrenzen, einer bestimmten Anlagestrategie oder der Nachbildung eines entsprechenden Index.

Von Lutz Alexander, dpa-AFX

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