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Technologische Innovationen: Eine geniale Idee ist nicht genug

Das iPhone war und ist ein Erfolg. Doch Apple ist dabei nur die Marke. Der Anfangserfolg hing von Innovationen wie GPS und Internetzugang ab. Beides integrierte Apple lediglich. © Drew Coffman / Unsplash

Innovationen sind wichtig. Wir müssen wissen, was funktioniert, was nicht und warum. Das bedeutet aber, dass wir Innovationen korrekt messen und auswerten können müssen. Die Messbarkeit hat sich grundsätzlich verändert. Die Metriken von Industrie 2.0 und 3.0 sind für 4.0 nicht mehr geeignet.

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Innovation treibt die Produktivität an. Produktivität treibt den Wohlstand an. Neuerungen sind für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen genauso entscheidend wie für die Finanzierung des Sozialstaates. Darum müssen wir wissen, was funktioniert, was nicht und warum. Das iPhone war beispielsweise die Arbeit von Steve Jobs und einem Team brillanter Ingenieure und Designer. Es war aber genauso das Ergebnis neuer Technologien der US-Regierung wie GPS und natürlich dem Internet.

Die Basis einer Innovation ist eine originelle Idee. Der Erfolg hängt aber stärker von der Ausführung als von der Idee selbst ab. Diese verfolgen im Zweifel viele. So kam beispielsweise das im Design ähnliche LG Prada kurz vor dem iPhone auf den Markt. Und auch die vielen anderen Touchscreen-Telefone, die es bereits gab, hatten nicht die branchenbestimmende Wirkung des iPhones.

Digitales Zeitalter verändert Innovationen

Nur wie hält ein Unternehmen oder eine Volkswirtschaft den Innovationsgrad hoch? Die Messbarkeit von Innovationen hat sich grundsätzlich verändert. In der Vergangenheit war es möglich, Innovationen Teams oder Einzelpersonen zuzuschreiben. Im digitalen Zeitalter ist kaum eine Innovation einer einzigen Quelle zuzuordnen. Traditionelle Innovationsmaßnahmen wie F&E-Investitionen und Patente funktionieren, wenn Innovationen hauptsächlich in großen Fertigungsunternehmen stattfinden. Sie sind jedoch von begrenztem Wert, wenn ein Großteil der Ideen und Umsetzungen aus Dienstleistungen bestehen und von Start-ups erbracht wurden. Immaterielle Investitionen und Aktivitäten wie Design sind heutzutage bedeutender. Zudem sind viele Innovationen nicht durch formale Rechte an geistigem Eigentum geschützt. Die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung und die damit verbundene Geheimhaltung ist der Erfolgsgarant. All dies macht es schwer, sie zu messen.

Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) veröffentlicht einmal im Jahr einen der bislang international anerkanntesten Maßstäbe. Sie misst die Innovationsfähigkeit von 126 Volkswirtschaften. Der Globale Innovationsindex (GII) soll politischen Entscheidungsträgern dabei helfen, innovative Tätigkeiten zu fördern und messen. Er basiert auf 80 Indikatoren, die von traditionellen Bewertungen wie Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen und internationalen Patent- und Markenanmeldungen bis hin zu neueren Indikatoren wie der Entwicklung von Apps für Mobiltelefone und Exporten von Hightech-Produkten reichen.

Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) misst jährlich das Innovationsniveau in 126 Ländern. Die Kriterien reichen von der Verbesserung der Geschäftsabläufe bis hin zu Bildungsausgaben.

Der GII gilt als der aussagekräftigste Innovationsindex für Volkswirtschaften. Die Schweiz führt das Ranking 2019 an. Deutschland ist weltweit unverändert auf Rang 9. Neben den USA ist nur Singapur (Platz 8) als nicht-europäisches Land in den Top-10 gelistet. Erst 2018 hat China mit dem 17. Platz die Top-20 erreicht und ist 2019 auf den 14. Platz vorgerückt. Der GII zeige, so die WIPO, dass Länder, die Innovationen in ihrer Politik Priorität einräumen, im Ranking deutlich aufgestiegen sind. Insbesondere der Aufstieg von Wirtschaftsmächten wie China und Indien habe die Geografie der Innovationen verändert, so Francis Gurry, Generaldirektor der WIPO.

So anerkannt derartige Rankings sind, die Art und Weise, wie Innovationen stattfinden, ändert sich – und die Indikatoren, die sie messen, müssen auf diese neue Realität reagieren. Erkenntnisse aus der Verhaltenswissenschaft werden noch zu wenig einbezogen, so Kritiker. Das gilt für Innovationsmessungen innerhalb von Unternehmen stärker als für Volkswirtschaften. Um Innovation wirklich zu verstehen, muss man sich eingehend mit dem befassen, was in Organisationen vor sich geht. Dabei muss berücksichtigt werden, wie Risiken bewertet, Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden.

Verbraucherverhalten wird immer wichtiger

Grundlage neuer wissenschaftlicher Ansätze ist die Erkenntnis, dass das Verhalten von Verbrauchern Innovationen bestimmen und diese „User-Innovatoren“ immer wichtiger werden. Da künstliche Intelligenz und Automatisierung wiederholende Arbeiten ersetzen, werden menschliche Attribute wie Kreativität und Einfühlungsvermögen relevanter. Damit bekommt das Verständnis von Verhaltensweisen in Bezug auf Innovation die entscheidende Bedeutung, so David Gann, Professor für Technologie und Innovationsmanagement am Imperial College London. „Durch die Anwendung von Behavioural Science zum Beispiel auf die Übernahme guter Innovationspraktiken und ein besseres Risikomanagement erhalten Unternehmen möglicherweise Einblicke in die zukünftige Leistung.”

Erster Ansatzpunkt: Daten und digitale Wissenschaft bieten neue Möglichkeiten für die Entwicklung nützlicher Innovationsmetriken. Die Analyse von Social-Media-Sites und elektronischen Marktplätzen nach Ideen und Beschäftigungsmöglichkeiten wie LinkedIn können wertvolle Erkenntnisse liefern.

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