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Im Zuge von Industrie 4.0, Digitalisierung und Co.: Die Bedeutung von „Superstarstädten“ wächst

© Foto: Unsplash: Andre Benz (@trapnation)

US-Amerikanische Spitzentechnologiefirmen suchen nach Alternativen zum Silicon Valley. So errichtet Amazon weitere Hauptsitze in New York und Washington. Industrie 4.0, Digitalisierung und Co. zwingen auch deutsche Unternehmen dazu, sich in den Großstädten zu clustern. Hier können sie auch künftig innovative Ideen umsetzen und die passenden Mitarbeiter finden.

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Von Anne-Kathrin Velten

Amazon entfachte Ende vergangenen Jahres einen wahren Wettbewerb unter US-amerikanischen Städten. Der E-Commerce-Riese kündigte an, neue Hauptsitze zu eröffnen. Städte, die an den avisierten 50.000 neuen Arbeitsplätzen und den Investitionen von gut fünf Milliarden US-Dollar interessiert waren, konnten sich bewerben. Zwar umwarben zahlreiche kleinere Städte das Unternehmen. Am Ende erklärte Amazon aber, es werde seine neuen Hauptquartiere in New York City und Arlington, einem Vorort von Washington, DC, errichten. Die Entscheidung, zehntausende hochbezahlter Arbeitsplätze in zwei der reichsten Ballungsgebiete zu bringen, zahlt auf einen breiteren Trend ein: So plant auch Google deutliche mehr Arbeitsplätze in New York City.

Bis in die 90er Jahre holten ärmere Städte gegenüber den reichen Metropolen konstant auf. Seitdem zentriert sich sowohl in den USA als auch in Deutschland Geld und Wissen. Gut ausgebildete Hochschulabgänger zieht es dahin, wo die Absolventenanzahl ohnehin schon hoch ist. In der Folge steigen in diesen Städten Einkommen und folglich auch Mietpreise. Schlechter ausgebildete Bewohner können sich das Leben in den Städten nicht mehr leisten. US-Forscher der University of Chicago sprechen von „Superstarstädten“. In den USA sind das New York City, Boston oder San Francisco, in Deutschland zum Beispiel München, Hamburg oder Frankfurt.

Amazon hat viel vor am neuen Standort Crystal City. Das Werbevideo gibt einen ersten Eindruck:

Die Bedeutung von Superstarstädten wird weltweit im Zuge von Industrie 4.0, Digitalisierung und Co. immer stärker wachsen. Schließlich ist im Technologiezeitalter Wissensvermittlung entscheidender als Produktionsvorteile oder Tradition. In den Großstädten werden Lernen und Wissenstransfer erleichtert. In der Folge steigt die Produktivität von Unternehmen. Mitunter wird der klassische Arbeiter an diesen Orten schlicht nicht mehr nachgefragt.

Im Gegensatz zu Start-ups könnte Amazon sich an jedem Ort niederlassen. Das Unternehmen ist so oder so attraktiv für Bewerber. Allerdings, so argumentiert der Tech-Riese, senken große Arbeitsmärkte wie New York oder Washington die Fluktuationskosten enorm. In diesen Städten sind sich beispielsweise Haushalte mit zwei Hochverdienern sicher, dass beide Partner jederzeit Zugang zu einer Vielzahl lukrativer Arbeitsplätze haben. Zudem bieten New York und Washington Nähe zu wichtigen Kunden.

Traditionell vom Mittelstand geprägt, sind viele der erfolgreichsten deutschen Unternehmen in ländlichen Gebieten zu finden. Darum siedelten sich auch viele Start-ups zunächst in der Provinz an. Seit dem Jahrtausendwechsel fand eine wahre Landflucht der deutschen Wirtschaft statt.

Doch auch in Deutschland kommt kaum ein Unternehmen ohne Präsenz in den Großstädten aus. Die großen Wirtschafts- und Technologiethemen zwingen die Firmen, sich wieder in Cluster-Regionen anzusiedeln. Nur hier finden sie das entsprechende Know-how und passende Bewerber. So ist knapp die Hälfte alles Dax-Unternehmen inzwischen in Berlin aktiv. Im Gegensatz zu den USA verlegen deutsche Firmen dabei selten den Hauptsitz. Sie ziehen mit ihren Innovationsabteilungen in die großen Städte. Ein Beispiel ist das „VW Digital Lab“ in Berlin, das Mobilitätsdienstleistungen für die vernetzten Fahrzeuge der Zukunft entwickelt.

VW eröffnete bereits 2016 sein Digital Lab in Berlin. So konnten die Wolfburger hochqualifizierte, IT-affine Mitarbeiter gewinnen.

Die ausgelagerten Innovationsabteilungen der Unternehmen dienen zum einen der tatsächlichen Entwicklung und als Brückenbauer zwischen Großstadt und Provinz. Zum anderen sind sie aber auch eine Art Showroom des Unternehmens und nicht zuletzt die beste Möglichkeit, hochqualifizierte IT-Spezialisten anzuwerben. Im VW Lab arbeiten derzeit 70 IT-Spezialisten, unter ihnen Programmierer, Data-Scientists, Softwaredesigner und -entwickler. Der VW-Konzern, der Schwierigkeiten hatte, Digitalisierungsexperten nach Wolfsburg zu locken, profitiert von der technologie-affinen Berliner Nachbarschaft.

Mit dem Voranschreiten der Digitalisierung wird die Bedeutung großer Städte zunehmen. Unternehmen profitieren von neuen Standorten. Die Verlierer sind kleinere Städte und ländliche Regionen ohne kreative Ideen, wie sie Unternehmen halten oder anwerben.

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