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Huawei vs. USA: Rivalen kämpfen um Sanktions-Milliarden

Huawei
Die Huawei-Konkurrenz giert nach den Milliardengeschäften, die die aktuellen US-Sanktionen gegen die Chinesen ermöglichen. © Huawei/Facebook

27 Milliarden US-Dollar schwer ist das Loch, das die neuesten US-Sanktionen gegen Huawei hinterlassen. Nokia, Ericsson und Samsung kämpfen nun um die größten Marktanteile.

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Der chinesische Technologiekonzern Huawei wird nicht müde, den US-Sanktionen öffentlich zu trotzen. Erst kürzlich hat er eine Reihe von neuen Produkten angekündigt. Huawei stellte auf seiner Entwicklerkonferenz 2020 unter anderem zwei neue Notebook-Modelle, zwei Smartwatches sowie eine Neuauflage seiner drahtlosen Ohrhörer Freebuds vor. Dabei wollen die Asiaten auch Google von ihren Handys verdrängen.

Im kommenden Jahr werde das eigene Betriebssystem Harmony auf den Markt gebracht, so das Unternehmen. Gleichzeitig kündigte der Konzern eine chinesische App-Allianz an, mit der die Vermarktung von Anwendungen aus China im Ausland jenseits der App-Stores von Apple und Google gefördert werden soll.

Derartige Meldungen klingen so, als könne Huawei ohnehin auf die USA verzichten. Tatsache ist aber, dass dem Unternehmen durch die Sanktionen ein Milliardengeschäft entgeht. Und dies längst nicht nur auf dem US-Markt. Ein Geschäft, um das sich nun die Konkurrenz reißt. Jeder versucht, ein möglichst großes Stück vom 27 Milliarden-US-Dollar-Kuchen abzubekommen.

US-Sanktionen erschweren Geschäftsmodell von Huawei

Mehrere Runden von US-Sanktionen haben das Netzwerkgeschäft des chinesischen Telekommunikationsriesen – und insbesondere die 5G-Pläne – in die Knie gezwungen. Dem Unternehmen wurde der Zugang zu Halbleiterchips, die für den Betrieb seiner Infrastruktur unerlässlich sind, deutlich erschwert.

Unter Hinweis auf nationale Sicherheitsbedenken verhängte die Trump-Administration zuletzt im August Sanktionen, die jedes ausländische Halbleiterunternehmen daran hindern, Chips mit amerikanischer Technologie an Huawei zu verkaufen, ohne vorher eine Lizenz zu erhalten. Branchenbeobachter sahen in diesen Sanktionen weithin das Ende von Huawei als führender 5G-Anbieter der Zukunft, da sein Geschäft mit Netzwerkgeräten – zu dem Radio Access Networking sowie drahtlose und Breitbandkommunikation gehören – weitgehend auf Halbleitern beruht.

Trotz des großen Mobile-Geschäfts für Verbraucher stammt der Großteil der Erlöse von Huawei außerhalb Chinas aus Verträgen mit inländischen Mobilfunkfrequenzanbietern. In Erwartung der Sanktionen soll Huawei Halbleiterchips im Wert von mehreren Milliarden Dollar gelagert haben. Doch Analysten gehen davon aus, dass sein Lagerbestand innerhalb eines Jahres auslaufen könnte.

Chance für Huawei-Konkurrenz

Nachdem die jüngsten US-Sanktionen die Zukunft des globalen Netzwerkgeschäfts von Huawei – und die Bemühungen, der dominierende 5G-Anbieter zu werden – nahezu lahmgelegt haben, hat nun die Konkurrenz Dollar-Zeichen in den Augen. Denn der erzwungene Rückzug von Huawei bedeutet eine jährliche Chance von 27 Milliarden US-Dollar für Nokia, Ericsson oder Samsung.

Die Anbieter von 5G und anderen Telekommunikationsdiensten streben allesamt nach relevanten Marktanteilen. Die milliardenschwere Marktchance, die von Huaweis Verkaufszahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr abhängt, werde nicht über Nacht verpuffen, sagt Ryan Koontz, Analyst bei Rosenblatt Securities, sondern dürften in den nächsten drei bis vier Jahren aufgefangen werden. Die Veränderungen am Markt zeigen sich aber bereits heute.

Europäischer Markt verändert sich

Da die Technologie von Huawei in den USA weitgehend nicht existiert, betreffen die jüngsten Sanktionen vor allem Märkte in Asien, Lateinamerika und Europa. In Europa ist die Präsenz der konkurrierenden Telekommunikationsriesen deutlich zu sehen. Drei Beispiele:

  • Nokia gab bekannt, dass es von Orange und Proximus ausgewählt wurde, beim Aufbau von 5G-Netzwerken in Belgien zu helfen, nachdem der lokale Anbieter unter Druck gesetzt wurde, Huawei fallen zu lassen. Diesem Schritt wird von Wirtschafts- und Politikexperten große Bedeutung beigemessen, da in Belgien sowohl die NATO als auch das Parlament der Europäischen Union sitzen.
  • Ebenso unterzeichnete Nokia einen Vertrag mit BT, dem größten Telekommunikationsunternehmen des britischen Königreichs, um die Technologie von Huawei dort zu ersetzen. Während die Höhe des Deals nicht bekannt gegeben wurde, schätzen ihn Marktbeobachter auf einen Wert von fast 4,5 Milliarden Dollar.
  • Auch Netzbetreiber, die sich in Schweden um 5G-Frequenzen bemühen, dürfen keine Ausrüstung der chinesischen IT-Konzerne Huawei und ZTE verwenden. Das teilte die schwedische Post- und Telekommunikationsbehörde PTS kürzlich mit. Potenzielle Betreiber hätten zudem vier Jahre Zeit, bestehende Anlagen der beiden Unternehmen auszumustern. Insbesondere Huawei hat in Europa viele Provider mit Infrastruktur für das bestehende 4G-Netz (LTE) beliefert.

Es wird erwartet, dass Rivalen von Huawei in den kommenden Monaten weitere nationale Deals unterzeichnen werden.

absatzwirtschaft+

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