Suche

Anzeige

Fahrrad statt Auto: Rad-Händler als Corona-Gewinner

Der Fahrrad-Boom hat mancherorts wie hier in Berlin dazu geführt, dass Rädern mehr Platz im Straßenverkehr eingeräumt wird. Auf einem Teil der Friedrichstraße dürfen bis Januar 2021 keine Autos mehr verkehren. © Imago

Bus und Bahn werden gemieden, der Drang zum Autokauf ist durch finanzielle Unsicherheiten gebremst. In der Corona-Krise ist das Fahrrad das Verkehrsmittel der Stunde. Fachhändler freuen sich über den Ansturm auf ihre Geschäfte. Doch für viele Kunden bedeutet das auch: Warten.

Anzeige

Von Lennart Stock und Jörn Bender, dpa

Der Fahrradhandel in Deutschland hat in der Corona-Krise stark zugelegt – und rechnet dank der hohen Nachfrage nach Rädern, E-Bikes und Reparaturen weiter mit guten Geschäften. “Wir gehen davon aus, dass viele Händler 2020 mit einem sehr guten Ergebnis abschließen werden – unabhängig davon, wie sich die letzten Monate noch entwickeln”, sagte Tobias Hempelmann, Vorstandsmitglied beim Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ), der Deutschen Presse-Agentur. Das Statistische Bundesamt betonte, die Branche sei – ebenso wie der Handel mit Sport- und Campingartikeln – “klarer Corona-Gewinner im Bereich Mobilität”.

Angesichts der guten Auftragslage in vielen Betrieben erwartet der VDZ für 2020 ein Gesamtumsatzplus im zweistelligen Prozentbereich im Vergleich zum Vorjahr. Zwar mussten auch die meisten Fahrradgeschäfte ausgerechnet zum Saisonauftakt im März und April in der Corona-Krise zeitweise schließen. Die Umsatzlücke sei aber aufgrund der starken Nachfrage in den Folgemonaten vielerorts bereits nach kurzer Zeit wieder eingeholt worden, wie mehrere Fahrradhandelsverbände mitteilten. Lediglich Lieferengpässe bei Rädern und Waren könnten den Umsatzschub bis Jahresende noch bremsen, hieß es.

Längere Wartezeiten auf Modelle und Reparaturen

“Wir gehen davon aus, dass dieses Jahr das Wachstum – trotz Corona – noch weiter zugenommen hat, denn Corona hatte einen positiven Effekt für die Fahrradbranche”, sagte Dirk Sexauer vom Verbund Service und Fahrrad (VSF). Diese Einschätzung wird von Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) untermauert: Nach der Wiedereröffnung der Läden schossen die Erlöse in der Branche – also inklusive Sport- und Campingartikeln – demnach im Mai 2020 zum Vormonat um 56,1 Prozent in die Höhe. Im Juni ging der Umsatz zwar leicht zurück: um 4,9 Prozent im Vergleich zum Mai. Der Juni 2020 lag nach Berechnung der Statistiker mit einem Umsatzplus von 29,2 Prozent immer noch deutlich über dem Vorjahresmonat. 2019 hatte allein der Fahrradhandel nach VSF-Angaben einen Gesamtumsatz von 6,3 Milliarden Euro verzeichnet.

Die gute Lage der Fahrradbranche ist für viele Kunden allerdings mancherorts noch mit langen Wartezeiten auf Modelle und Reparaturen verbunden. “Die intensive Fahrradnutzung hat einen Run auf die Werkstätten ausgelöst, dem niemand gewachsen war und den man auch nicht so schnell kompensieren konnte”, sagte VDZ-Vorstand Hempelmann. Einzelne Betriebe berichteten demnach noch immer von teils monatelanger Wartezeit für Reparaturtermine.

Der Rückstau kann laut VDZ kaum kurzfristig abgebaut werden, da vielen Händlern Fachkräfte im Service fehlen. “Ich kenne keinen Fahrradhändler, der nicht noch Fachkräfte und Auszubildende in der Werkstatt sucht”, sagte Hempelmann. Nach VSF-Angaben gingen die Wartezeiten insgesamt zuletzt aber wieder zurück.

Trend zum Urlaub mit dem Fahrrad

Nach Angaben der Verbände kommt es vor allem in Ballungsgebieten noch zu Engpässen, da dort besonders viele Menschen zuletzt vom ÖPNV auf das Rad umstiegen. Auch der Trend zum Urlaub mit Fahrrädern in Deutschland sei der Branche zusätzlich zugutegekommen. Wer aktuell nach einem neuen Rad Ausschau hält, sollte bei seinem Wunschmodell flexibel sein, riet David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). “Wer nicht so festgelegt ist, bekommt aus jeder Modellgruppe von Mountainbikes bis City-Rädern noch passende Fahrzeuge. Vielleicht bekommt man sie nicht sofort beim Händler um die Ecke, sondern muss ein bisschen suchen.”

Während die Fahrradhändler mit der Nachfrage kaum hinterherkommen – insgesamt stiegen die Umsätze der Fahrrad-, Sport- und Campingartikelhändler nach Destatis-Berechnungen im ersten Halbjahr kalender- und saisonbereinigt um 6,8 Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2019 –, gingen die Erlöse von Kfz-Handel und Kfz-Werkstätten deutlich zurück. Betroffen war den Angaben zufolge vor allem der Autohandel mit einem Minus von rund 18 Prozent. Wegen der Einschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus durften zeitweise auch die Verkaufsräume der Autohändler nicht öffnen.

absatzwirtschaft+

Sie wollen weitere relevante Informationen und spannende Hintergründe für Ihre tägliche Arbeit im Marketing? Dann abonnieren Sie jetzt hier unseren kostenfreien Newsletter.

Anzeige

Kommunikation

“Marke post Corona” – Serie über die Learnings aus der Krise

In unserer Serie "Marke post Corona: Learnings aus der Krise" berichten Marketingverantwortliche über ihre Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Zeit. Hier finden Sie alle acht Beiträge der Reihe im Überblick. mehr…



Newsticker

Dax-Konzern Merck bekommt Vorstandschefin

Beim Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck steht ein Chefwechsel bevor. Stefan Oschmann wird…

Als Folge von Corona: ein Rap-Song als Dauerwerbevideo

Der Kulturbetrieb muss in der Krise kreative Wege gehen. Berliner Rapper haben ihr…

Patagonia mit neuem CEO und neuer Chefin für Outdoormarke

Ryan Gellert ist neuer Chief Executive Officer (CEO) von Patagonia Works und Patagonia.…

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige