Europäische Autohersteller unterschätzen das Potenzial in Indien

Indien rückt in den kommenden fünf Jahren weltweit zu den fünf wichtigsten Automobilmärkten auf. Wachsende Einkommen breiter Bevölkerungsteile werden den Absatz bis 2010 verdoppeln. Die Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton legt eine Untersuchung vor. Danach haben viele westliche Hersteller und Zulieferer den Zeitpunkt versäumt: Einige attraktive lokale Kooperationspartner sind bereits vergeben.

Nach Berechnungen von Booz Allen Hamilton verdoppelt sich das heutige Absatzvolumen im Automobilmarkt bis 2010. Bereits 2015 wird Indien mit Verkäufen von bis zu 3,5 Millionen Fahrzeugen in die Größenordnung des deutschen Marktes vorstoßen. Mit noch höherer Dynamik entwickelt sich der Markt für motorgetriebene Zwei- und
Dreiräder, von denen die Hersteller jährlich 5,5 Millionen Stück verkaufen.

Eine Sättigung des Marktes liegt den Beratern zufolge in weiter Ferne. Dies verdeutlicht ein Vergleich: Indien verfügt über fünf Fahrzeuge pro 1 000 Einwohner, China über zehn, während Märkte wie Japan, USA und Deutschland bei dieser Einwohnerzahl auf 400-500 Fahrzeuge kommen. Außer als Absatzmarkt werde sich Indien zunehmend als Export-Hub für komplette Fahrzeuge in die Wachstumsmärkte (Süd-Ost-)Asien und Mittlerer Osten etablieren.

Nach Ansicht von Jörg Krings, verantwortlicher Automobil-Partner bei Booz Allen, unterschätzen europäische Hersteller und Zulieferer die Bedeutung des Marktes noch immer. Heute bedienten drei lokale Hersteller 70 Prozent des indischen Automarktes: Maruti (46 Prozent), Tata (16 Prozent) und Mahindra (7 Prozent). Die Nummer 1 und Nummer 3 seien bereits in Joint Ventures beziehungsweise Kooperationen eingebunden. Um am erwarteten Wachstum zu partizipieren, müssten Unternehmen einen schnellen Markteintritt einleiten.

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