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„Erwartungsmarketing“: China vermarktet das Weltall

In der Wüste Gobi, 40 Kilometer von Jinchang entfernt, entsteht der derzeit größte Themenpark rund um die chinesische Raumfahrt. © Mars Base 1

Chinesen wollen die ersten Menschen auf dem Mars sein. Geschickt entfachen findige Geschäftsleute und die chinesische Regierung einen wahren Hype um die chinesische Raumfahrt. Vieles, was sie dabei vermarkten, sind ferne Zukunftsphantasien. Sie zahlen sich aber jetzt schon aus.

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Am Rande der Wüste Gobi in Westchina essen Schulkinder begeistert Larven. Gerade haben sie gelernt, dass die Tierchen Nahrung für Astronauten, die den Mars erreichen wollen, sein könnten. Umgeben von kargen Hügeln sieht die sogenannte Mars Base 1 aus wie aus einer anderen Welt. Statt jedoch Astronauten unterzubringen, die auf dem Roten Planeten leben sollen, ist die Einrichtung voll von Teenagern, die auf Klassenfahrt sind. Ziel ist es, Jugendlichen – und bald auch Touristen – das Leben auf dem Mars näherzubringen. Denn Astronauten wollen die Kinder alle werden. In dem Themenpark erfahren sie alles darüber, was ihr Land bereits im Weltall erforscht hat, aber vor allem, was ihre Nation noch vorhat.

Nachdem zu Beginn des Jahres zum ersten Mal überhaupt eine Weltraumsonde auf der Rückseite des Mondes landete, startet China nun die Vermarktung seines Weltraumtourismus. Attraktionen rund um die Raumfahrt entstehen aller Orten. Noch heben zwar keine Raketen mit Touristen in die Luft ab, das Land tut aber alles, um die Begeisterung hoch zu halten. Mit Erfolg: Die Zahl der Onlinesuchen nach Museen, Attraktionen und Touren rund um den Weltraum stieg allein in 2018 um 60 Prozent. Verlage produzieren heute fünfmal so viele Science-Fiction-Titel wie 2011.

Vieles was gezeigt wird, ist bislang unrealistisch

China spielt bewusst mit den Erwartungen seiner Landsleute und von Touristen. Vieles was gezeigt und erzählt wird, ist bislang wenig realistisch. Aber findige Unternehmer und die Regierung kreieren bewusst einen Hype rund um kleine Erfolge, so dass jeder in China und – so die Hoffnung – auch viele Ausländer so früh wie möglich Teil der Weltraumentwicklung werden wollen.

Der Mars-Basissimulator beispielsweise wurde vergangenes Jahr für rund 7,5 Millionen US-Dollar von Bai Fan, einem in Großbritannien ausgebildeten Unternehmer, mit Unterstützung privater Investoren errichtet. Auch wenn bislang nur Touren für Kinder und Studenten angeboten werden, sind die Wartelisten lang. Mittelfristig soll ein großer Themenpark rund um die Anlage entstehen. Dafür hat der Unternehmer sich das Recht gesichert, 67 Quadratkilometer der umliegenden Wüste zu erschließen und zu nutzen. Die Fläche ist vergleichbar mit der Größe Manhattans. Damit wirklich jeder seine Einrichtung kennt, ließ er dort bereits eine Reality-TV-Show drehen, in der sich sechs Prominente als Astronauten gefährlichen Herausforderungen stellten. Formate wie diese sind äußerst beliebt in der Volksrepublik.

Weltgrößtes Radioteleskop lockt Millionen Besucher an

Reiseagenturen verzeichnen einen wahren Boom für Weltraumtouristen. Auch Stadtentwickler sind zufrieden. Der Großteil der Attraktionen befindet sich in Gegenden, in die nur selten Touristen kamen. Im März wurde auf dem tibetischen Hochplateau eine weitere Attraktion mit Mars-Thema eröffnet – ein Touristenlager für bis zu 160 Personen. Die beliebteste Attraktion ist das weltweit größte Radioteleskop FAST in einem abgelegenen Becken einer anderen südlichen Provinz des Landes, Guizhou. Das Instrument mit einem Durchmesser von 500 Metern wurde 2016 eröffnet. Allein in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres reisten mehr als fünf Millionen Besucher an. Nur wenige von ihnen gelangten überhaupt in die Einrichtung: nur 2000 Menschen erhalten täglich Eintritt. Aber auch nahe gelegene Städte sind mit Attraktionen rund um die Raumfahrt übersät.

Dabei befürchten Beamte in Guizhou, dass der Tourismusboom die Funktion des Teleskops beeinträchtigen könnte. Sie wollen die Entwicklungspläne in der Region stoppen. Die Kommunistische Partei sieht jedoch Vorteile in der Aufmerksamkeit für den Weltraum. Es erzeuge patriotische Leidenschaft und Begeisterung für die Weltraumforschung und damit bleibt es bei den Ausbauplänen.

Die Aussichten für Geschäftsleute in der Weltraumvermarktung sind hervorragend. Ziel der chinesischen Raumfahrt ist es, in diesem Jahr ein weiteres Raumschiff auf die Mondoberfläche zu schicken. Dort soll es Proben sammeln und diese zur Erde zurückzubringen. Im nächsten Jahr will China eine neue Weltraumstation auf der Erdumlaufbahn starten und einen Rover zum Mars schicken. Spätestens dann soll auch der gesamte Themenpark von Bai Fan fertig sein. Damit fördert er das Ziel der Partei, die Begeisterung besonders junger Leute hochzuhalten. US-Amerikaner waren die ersten, die den Mond betreten, so die Regierung. Darum soll der erste Mensch auf dem Mars ein Chinese sein.

absatzwirtschaft Archiv: Top-Artikel zum Thema China

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