EHI-Experte: Food Waste aus Sicht des Handels

Warum es für den Handel so schwierig ist, die Wegwerfmenge verderblicher Waren zu reduzieren, erklärt Frank Horst, EHI-Experte für Food Waste.
EHI-Experte Frank Horst: "Gut die Hälfte der entsorgten Lebensmittel landet in privaten Mülltonnen." ©EHI

Von Jens Gräber

Was unternimmt die Handelsbranche gegen die Verschwendung von Lebensmitteln?

FRANK HORST: Wir sehen erhebliche Anstrengungen: Unternehmen setzen etwa auf regionale Lieferanten, kleinere Einkaufsmengen und höhere Lieferfrequenzen, um Überschüsse zu reduzieren, und geben unverkäufliche Ware an Tafeln ab. Sie reduzieren zudem die Preise vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums und optimieren die Disposition.

Welche Wirkung zeigen diese Anstrengungen?

Die Menge an Lebensmitteln, die von Händlern entsorgt werden, blieb in den vergangenen 15 Jahren trotz aller Bemühungen in etwa konstant. Das liegt an parallelen Entwicklungen wie etwa der Ausweitung der Frischesortimente, einem größeren Angebot an Convenience-Produkten oder auch dem Verzicht auf Verpackungsmaterial, der oft eine kürzere Haltbarkeit und damit mehr unverkäufliche Ware zur Folge hat.

Warum lässt sich die Entsorgung unverkäuflicher, aber noch essbarer Ware nicht komplett vermeiden?

Der Verbraucherwunsch nach stets frischer, makelloser Ware führt etwa bei Backwaren und Obst dazu, dass die hergestellte Menge nicht nur die verkaufte, sondern die überhaupt verbrauchte Menge übersteigt. Wer soll diesen Überschuss abnehmen? Eine Umverteilung muss zudem schnell erfolgen, bevor die Produkte tatsächlich ungenießbar sind.

Welchen Anteil hat der Handel überhaupt an den zwölf Millionen Tonnen Lebensmitteln, die hierzulande jährlich im Müll landen?

Dieser fällt mit nur vier Prozent sehr gering aus. Der weitaus größte Anteil geht auf das Konto der Endverbraucher: Gut die Hälfte der entsorgten Lebensmittel landet in ihren Mülltonnen.

Der Artikel erschien zuerst im handelsjournal, das ebenfalls in der Handelsblatt Media Group produziert wird.

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