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Digitalmarketing-Festival: OMR platzt aus den Nähten

Frank Thelen und Paul Ziemiak (rechts) fordern mehr Initiative von der Digitalbranche, jenseits aller Subventionsdiskussionen. © Frank Puscher

Jahr für Jahr vermeldet das Team um Philipp Westermeyer neue Rekorde. Jetzt fühlt sich sogar das Hamburger Messegelände schon zu klein an für das norddeutsche Marketing-Oktoberfest. Das ist nicht nur positiv. Ein Zwischenfazit nach dem ersten Veranstaltungstag.

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Schon im letzten Jahr hatten die Organisatoren der OMR das Einlass- und Ticket-Procedere souverän im Griff und dieses Jahr setzte man noch einen drauf: „Ich bin gestern einfach zum Side-Hotel rübergelaufen und habe mir ein Ticket geholt“, freute sich eine Teilnehmerin schon bevor die Veranstaltungstüren geöffnet werden. Auch am Hamburger Flughafen stand ein Ticketschalter direkt neben den Gepäckbändern. Und wer etwas Glück hatte, durfte sich vom Sammeltaxi-Service Moia auch noch kostenlos zum Eingang der Messe chauffieren lassen.

Und hier war Jump-Start angesagt. Von wegen norddeutsche Zurückhaltung. Schon eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn der Sessions war das Messegelände zwischen den Hallen B2 und B7 brechend voll. Nur in den Räumen der Masterclasses ging es entspannter zu: Der Veranstalter hatte die Ticketkontingente streng limitiert und so hielt sich der Andrang vor den Räumen in Grenzen. Ganz anders bei den großen Bühnen Big Picture und Deep Dive sowie bei der kleinen Dialog Stage: Den ganzen Tag über standen Menschen in Zweierreihen hinter den Stühlen, um einen Blick auf die Speaker zu erhaschen.

In Dreierreihen standen die Zuschauer bereits beim ersten Vortrag hinter den Stühlen der Dialog Stage.

Und das blieb den ganzen Tag über so. Volle Gänge, lange Schlangen vor den Foodtrucks und Wettläufe um die besten Plätze vor den Bühnen. „Wenn im Foodcourt ein Sitzplatz frei wurde, rannten drei Leute los, um ihn zu kriegen“, mäkelte eine Marketerin. Wer die OMR locker nimmt und sich treiben lässt, kann dem entspannt entgegensehen. Wer konkrete Arbeitsziele mitbringt, tut sich schwerer. Obwohl das riesige Konferenzprogramm für jeden Geschmack etwas hat.

Influencer wo das Auge hinschaut

Das Thema Influencer-Marketing beherrschte die Bühnen am Dienstagvormittag. Lena Gercke freute sich einmal mehr über die tolle Zusammenarbeit mit About You und Bonny Strange machte deutlich, dass es gar nicht so viele Geheimnisse gibt. Man muss authentisch sein und die Tools und Plattformen verstehen. Der Rest kommt dann schon.

Ein echtes Highlight am Vormittag setzte Fotograf Paul Ripke. In der  sechsfach überbuchten Masterclass von Adobe berichtete er extrem sympathisch aus seinem kreativen Alltag. „Die schlechteste Entscheidung, die ich je getroffen habe, war es, mich „DailyRipky“ zu nennen.” Paul Ripke produziert täglich Inhalte für Instagram und muss sich nach eigener Aussage dafür jeden Tag selbst in den Allerwertesten treten.

Ripke beschrieb die Balance der verschiedenen Kanäle aus seiner Sicht als Kreativer: „Bei Instagram zeigt man schon immer die schönen Momente, der Podcast ist dagegen total authentisch und ein sehr guter Ausgleich.“ Der Topfotograf muss sich heute dazu zwingen, seinen eigenen Qualitätsanspruch bewusst zu reduzieren und auf einen Teil der Nachbearbeitung zu verzichten, „sonst bin ich nicht schnell genug für Social Media“.

Influencer ohne Allüren: Phil „The Power“ Taylor musste noch eine halbe Stunde nach seinem Auftritt Autogrammwünsche erfüllen.

Den charmantesten Auftritt des Tages hatte Darts-Legende Phil „The Power“ Taylor. Während der Engländer im Spiel wie eine ständig nörgelnde Grumpy Cat wirkt, ist er auf der Bühne nach dem Ende seiner aktiven Karriere ein Sympathieträger par Excellence. Auf die Moderatorenfrage, ob er sich dank seiner Brauerei-Sponsoren nach den Turnieren immer schön einen hinter die Binde gegossen hat, antwortete “The Power”: „Nein, ich musste ja noch zu meiner Familie nach Hause fahren.” In der Geschichte der Rockstars gab es keinen Speaker, bei dem die Schlange der Autogramm-Jäger länger war.

Datenmarketing wird in allen Facetten beleuchtet

Das zweite Topthema des ersten Tages war Datenmarketing in all seinen Facetten. Die Scout24-Gruppe kam in einer Studie zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass Daten meistens besser funktionieren als Umfeld – wissenschaftlich gestützt.

Eine ganze Masterclass buchte Unilever, um die eigenen Veränderungen in Sachen Datenmarketing darzustellen. Für das FMCG-Unternehmen bietet sich erstmals die Möglichkeit, direkte Kundenbeziehungen aufzubauen und dadurch noch mehr eigene Daten zu generieren. Vor diesem Hintergrund wirkt es konsequent, aber für das Unternehmen selbst ist es schon erstaunlich, dass man eine geschlagene Stunde lang das Wort „Handel“ nicht einmal in den Mund nimmt. Die zu erzielende Conversion ist der Onlineverkauf – und der am besten im eigenen Shop. Adidas lässt grüßen, nur dass die Customer Journey bei der Low Involvement Tütensuppe wohl doch eine andere ist.

Die ganz große Euphorie in Sachen Datenmarketing ist allerdings einer eher nüchternen Effizienzbetrachtung gewichen. Längst nicht jeder OMR-Speaker singt das Hohelied der Daten. Moia beispielsweise konzentriert sich – dem Geschäftsmodell nach folgerichtig – eben auf Out of Home und Social Media. Das gesparte Budget wird lieber in gute Fahrzeuge und einen schnellen Service gesteckt.

Und Michael Paxman von Adjust konnte die ganz große Halle füllen, als er berichtete, wie viel schlechten Traffic es inzwischen in Apps zu messen gibt. Schlechter Traffic, der von Bots generiert wird und der nur dazu gemacht ist, das Geld der Werbetreibenden zu verschwenden. Mit dem Framework Unbotify will man in Zukunft Bots automatisch erkennen und aus den Apps draußen halten.

Politische Diskussionen zum Abschluss von Tag 1

Den Abschluss des Tages bildete wie im letzten Jahr die Politik. Frank Thelen und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak interviewten sich gegenseitig. Und Ziemiak stellte die kniffligeren Fragen: „Sag mir fünf Dinge, die man jetzt tun könnte, um Deutschlands digitalen Rückstand aufzuholen.” Und als Thelen antwortete, man müsse die Mehrwertsteuer bei Risikokapital streichen, fragte Ziemiak: „Das sind Subventionen. Wie erklärst Du das dem, der für sein Einkommen hart arbeitet, während die Reichen, die zusätzlich investieren, dabei auch noch unterstützt werden?“

Beide Speaker riefen dem Publikum aus der Digitalszene ins Gewissen, dass es auch in seiner Verantwortung liege, Deutschland digital besser zu machen. Thelen forderte, jeder möge im nächsten Monat zehn Menschen weg von den Risiken hin zu den Chancen des Digitalen bekehren. Und Ziemiak verlangte mehr Unterstützung für politische Entscheidungen. „Wir müssen halt auch mal etwas durchziehen.” Und auf die Reform des Urheberrechts bezogen, hielt er klar fest: „So wie wir das umgesetzt haben, wird es in Deutschland keine Upload-Filter geben“.

Die Aussteller waren sichtlich zufrieden mit dem Andrang am ersten OMR-Tag.

Den krönenden Abschluss bildete Investor Florian Heinemann, der Bundesjustizministerin Katarina Barley interviewte. Die Ministerin und SPD-Spitzenkandidatin zur Europawahl am 26. Mai brach eine Lanze für die fachliche Kompetenz in den exekutiven Gremien der EU, während man im Parlament solche Dinge: „natürlich nicht wissen kann“.

Als Heinemann auf die starke Marktmacht der GAFA zu sprechen kam, gab Barley ihm uneingeschränkt Recht. Man müsse wohl besteuern und regulieren. „Das wichtigste Mittel ist die Interoperabilität. Das muss man den Monopolisten aufzwingen. Dann kann ich das Signal nutzen, um auch mit WhatsApp-Usern zu kommunizieren. Nur dann haben diese Firmen aus Europa überhaupt eine Chance.”

Weg zur Bühne ist beschwerlich

Der erste OMR-Tag war turbulent und randvoll mit Inhalten, aber es stellt sich wieder die Frage, ob das Event nicht an seiner eigenen Größe leidet. Inhaltlich hat das OMR-Team alles getan, um gute Speaker und Contents auf die Bühne zu bringen. Nur man muss zur Bühne halt erst mal hinkommen. Ach ja: Stabiles Wlan von der ersten Minute an wäre auch ganz nett.

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