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Die besten Bananenflanken von Kahn & Co

Ob Oli, Scholli oder Waldi: Bei der Euro 2012 wird mehr geredet als gespielt. Aber sind wir mal ehrlich – das gibt dem Spiel ja erst den rechten Kick. Vor allem ehemalige Fußballer sind als Kommentatoren, Experten und Interviewpartner sehr gefragt. Kahn, Scholl, Ballack, Matthäus und Konsorten kämpfen um die Meinungshoheit. Und steigern dabei kräftig ihren Marktwert.

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Von Roland Karle

Na klar, gekickt wird auch noch. Zwei Halbfinals und dann das Endspiel um die Krone des europäischen Fußballs stehen uns noch bevor. Aber die Euro 2012 ist vor allem eine Vorlage zum Plappern und Schnattern. Soll Gomez auflaufen, oder Klose? Hält Schweinsteigers Wade? Ist Spanien verwundbar? Müssen wir uns vor Italien fürchten? Der Gesprächsstoff an den Stammtischen der Nation geht nicht aus.

Kein anderes Ereignis (die Fußball-WM ausgenommen) schafft es, so viele Menschen vor den Fernseher zu holen, ins Internet zu ziehen, zur Printlektüre zu bewegen. Selbst die Pressekonferenzen aus dem deutschen Mannschaftsquartier in Danzig werden täglich live übertragen, obwohl ihr inhaltlicher Ertrag vorhersehbar und der Spannungsgehalt so groß ist wie bei der 27. „Sissi“-Wiederholung.

Dabei ist nicht die Euro, sondern der Euro für die Zukunft der Nationen von deutlich größerem Gewicht. Ein Thema, das sich jetzt schon seit Jahren ganz oben auf der öffentlichen Agenda hält. Nur: Je länger sich die Rettungsaktionen durch Politik und Wirtschaft hinziehen, desto frustrierter reagiert das Publikum. Die Finanzkrise ist ein schlecht verdaulicher, zäher Schleim. Sie kennt keinen Anfang und kein Ende, hält sich nicht an Regeln und erscheint verdammt kompliziert.

Fußball ist das Gegenteil. Ein Ball, zwei Tore, neunzig Minuten. Wer öfter trifft, gewinnt. Da kann jeder mitreden, ungeachtet des fußballfachlichen Bildungsgrades. In der Diskussion schälen sich Meinungsführer heraus, die Tonangeber im medialen Wettbewerb. Dabei haben die Moderatoren, Kommentatoren und TV-Experten von ARD und ZDF, die alle Spiele live übertragen, die besten Startbedingungen und somit die höchsten Einsatzzeiten.

„Goldenes Mikrofon“ für Mehmet Scholl

Nach 28 von 31 Spielen darf man Mehmet Scholl, der im Wechsel mit Reinhold Beckmann und Matthias Opdenhövel auftritt, das „Goldene Mikrofon“ überreichen. Im Gegensatz zu seinem früheren Mitspieler Oliver Kahn, der sich beim ZDF an der Seite von Katrin Müller-Hohenstein abmüht, wirkt „Scholli“ lebendiger, begeisterter und wortwitziger. Wäre er Politiker, hätte er allerdings schon kurz nach dem EM-Auftakt zurücktreten müssen. Denn was sich so anhörte, als ob eine Pflegefachkraft gerade über unverarbeitete Erlebnisse auf der Bettlägerigen-Station jammerte, war Scholls besorgtes Statement über Stürmer Mario Gomez nach der Partie gegen Portugal: „Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss.“

Halb Deutschland nahm ihm das übel. Schlaumeier erkannten in der Verbaleskapade des Netzer-Nachfolgers als ARD-Experte eine raffinierte Motivationshilfe, andere sahen die Anstandsregeln aufs Übelste verletzt. Dabei ist Scholl in eigener Sache doch auch nicht zimperlich. „Wenn ich niese“, hat er mal wegen seiner markanten Schneidezähne gesagt, „hacke ich mir ins Knie“.

Das bisschen Geschimpfe lässt sich aushalten. Im Gegenzug steigert die TV-Präsenz den Marktwert der ehemaligen Fußballer. Oliver Kahn wirbt seit Juni in TV-Spots für Stadas Schmerzmittel Mobilat, während Scholl derzeit als Testimonial für Dacia und Krombacher Weizen zu sehen ist.

Wer bei der Euro bislang fast untergeht, ist der Kaiser. Lange nichts gesehen und gehört von Franz Beckenbauer. Der steht halt bei Sky unter Vertrag und wird erst zur Bundesliga-Saison wieder aufdrehen. Dennoch muss man nicht ganz auf seine Stimme verzichten. Imitator Matze Knop spricht für ihn – als Stammgast in „Waldis EM-Club“, in dem nach den Live-Spielen in der ARD weitergekaut wird, was Scholli & Co zuvor bereits angebissen haben. Bis zum Ende der EM wird es Moderator Waldemar „Waldi“ Hartmann auf zehn Sendungen und fast zwei Dutzend verschiedene Gäste gebracht haben.

Ballack als Entwicklungshelfer in den USA

Das Zweite kontert mit „Lanz“. Auch dort werden Ex-Kicker durchgeschleust wie Passagiere zu Ferienbeginn auf dem Flughafen. Weltmeister Karlheinz Riedle, Nationaltorwart Eike Immel, „Bananenflanker“ Manfred Kaltz und Michael Schulz durften schon mitmachen in der Plauderrunde. Im Gegensatz zum oft bemühten Weizenbier-Waldi schafft es Markus Lanz öfter und besser, unverkrampfte Heiterkeit aufkommen zu lassen. Die Fußballer von einst schlagen manch amüsanten Bogen von früheren Anekdoten aus ihrer aktiven Zeit zum aktuellen Geschehen.

Im Kampf um die Meinungshoheit haben es die früheren Kapitäne der Nationalmannschaft dagegen schwer. Michael Ballack versucht sich als Entwicklungshelfer in den USA. Dort erklärt er den Amerikanern auf dem Sportsender ESPN gerade die Grundzüge der dortigen Randsportart Soccer. Keine einfache Aufgabe, doch „Meikel Bollock“ schlägt sich in gutem Görlitzer Englisch recht tapfer. Währenddessen startete Lothar Matthäus am Sonntag auf Vox in ein neues TV-Abenteuer. „Lothar – Immer am Ball“ heißt die sechsteilige Serie, die das Publikum am Leben des früheren Weltklassespielers teilhaben lässt. Wer mal wieder Lust auf Fremdschämen hat, sollte einschalten.

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