Suche

Anzeige

Der Fall Carina Witthöft: Wenn Sportstars in die Influencer-Falle tappen

© ©Picture Alliance/dpa/ Montage: absatzwirtschaft

Die Verlockungen der sozialen Medien sind groß – gerade bei Spitzensportlern, die Instagram, Facebook & Co. intensiv zu Selbstvermarktungszwecken nutzen. Dass der Social Media-Einsatz jedoch auch schnell zum Bumerang werden kann, wenn die Karriere ins Trudeln gerät, erlebt in diesen Tagen die einstige deutsche Tennis-Hoffnung Carina Witthöft. In der Rangliste hoffnungslos abgestürzt, posiert die Hamburgerin inzwischen fast nur noch neben dem Platz – und wird dafür scharf kritisiert.

Anzeige

Der Aufstieg und Fall von Carina Witthöft ist mit einem Tag verbunden. Es ist der 21. Oktober 2017, als die Hamburgerin nach einem Zwei-Satz-Sieg gegen die Olympiasiegerin Monica Puig in Luxemburg ihr erstes WTA-Turnier gewinnt.

Nach Angelique Kerber und Julia Görges war die damals noch 22-Jährige plötzlich die deutsche Nummer drei und stand an der Schwelle zu den ersten 50 in der Weltrangliste. Carina Witthöft ist eine echte Hoffnungsträgerin des deutschen Tennis, die wie so viele junge Frauen in ihrem Alter mit den sozialen Medien verschmolzen scheint und ihr Leben in den sozialen Netzwerken zeigefreudig abbildet.  (“Gutes Aussehen ist mir schon wichtig auf dem Platz. Das ist auch kein Geheimnis.”)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Love me, love my dog

Ein Beitrag geteilt von Carina Witthöft (@carina_witthoeft) am

Um ihr Werbepotenzial weiter auszubauen, begibt sich die modebewusste junge Frau unter die Obhut der Hamburger Vermarktungsagentur Jung von Matt/Sports, die Witthöft seit 2017 betreut.

Vermarktung von Jung von Matt, sports

„Sie interessiert sich für Themen wie Mode, Design und Essen und nimmt ihre Fans mit“, erklärte Toan Nguyen, Partner der Agentur, im Sommer 2017 Witthöfts Engagement in den sozialen Netzwerken gegenüber der Hamburger Morgenpost. “Das ist ein Riesenpfund gegenüber anderen Spielerinnen, die in ihrer isolierten Tenniswelt leben.“

Eineinhalb Jahre später scheint es nun so, als wären aus den Riesenpfunden Zentnerlasten geworden, die wie Blei auf Witthöfts Schultern liegen. Bis auf Platz 227 ist die Tochter eines mehrfachen Tennishallenbesitzers abgestützt und scheint kein Match mehr gewinnen zu können.

“Ich wollte alles richtig machen, wollte mich weiter etablieren. Der Sieg in Luxemburg wurde aber von außen eher so wahrgenommen, als sei es endlich mal Zeit gewesen, anstatt sich mit mir darüber zu freuen. Das hat mir noch mehr Druck gemacht”, sollte Witthöft später dem Hamburger Abendblatt sagen.

Vom Tennisplatz auf die Skipiste

Beim ersten Grand Slam-Turnier 2019, den Australian Open, bei dem sie in den vergangenen Jahren immer im Hauptfeld gestanden hat, muss sie nun in die Qualifikation und scheidet dort in der ersten Runde aus. Für eine Profispielerin, die es jahrelang gewohnt war, von Turnier zu Turnier zu reisen, ist der Absturz umso bitterer: Witthöft ist inzwischen so miserabel platziert, dass der reguläre WTA-Circuit für sie kaum mehr in Frage kommt, weil sie als Nummer 227 nicht einmal mehr zur Qualifikation zugelassen ist.

Die Alternative ist die harte Tour über ITF-Challenger Turniere, bei denen ein Preisgeld zwischen 25.000 bis 100.000 Dollar winkt – doch auf diesen steinigen Weg scheint die Hamburgerin aktuell wenig Lust zu haben. Stattdessen verbringt Carina Witthöft die Zeit lieber abseits des Tennis Courts – und sogar auf der Skipiste.

Nun kann die inzwischen 24-Jährige, die sich in ihrer Tenniskarriere bereits knapp 2 Millionen Dollar an Preisgeld erspielt hat, mit ihrem jungen Leben machen, was sie will. Es gibt allerdings nicht besonders viele Spitzensportler, die sich abseits ihrer Profession auf Skier wagen: ein Sturz, ein Kreuzbandriss – und die Karriere kann ruiniert sein. Tennislegende Roger Federer etwa hat seine Passion fürs Skifahren (als Schweizer!) auf die Zeit nach der Karriere verschoben.

Carina Witthöft als Influencerin: Bezahlte Partnerschaft mit Google auf Instagram

Dass Witthöft das Risiko eingeht und auch noch in vier aufeinanderfolgenden Posts ihren Spaß auf den schnellen Brettern im Schnee auf Instagram & Co dokumentiert, zeigt einerseits, wie egal ihr der Tennissport inzwischen geworden sein muss – und wie wichtig ihr die Rolle als Instagram Influencerin erscheint, die Witthöft offenbar als neue Karriereoption für sich entdeckt hat. Im vergangenen Oktober bewarb Witthöft in einer bezahlten Partnerschaft mit Google bei Instagram bereits das Google Pixelstudio in Hamburg, Berlin und München.

Immerhin knapp 70.000 Follower folgen der Hamburgerin auf Instagram und Facebook, halb so viel auf Twitter. Ihre Fans jedoch reagieren auf die zuletzt immer häufigeren Ausflüge abseits des Tenniscourts maximal irritiert. “Spiel doch bitte mal wieder Tennis”, lautete noch einer der freundlicheren Kommentare. Kritischere Anmerkungen entfernte Witthöft bzw. ihr Social Media-Team eilig wieder, das Image soll schließlich öffentlich nicht zu sehr leiden – wobei die Frage im Raum steht, wie sehr sie ihre Marke durch ihre Off-Court-Auftritte selbst beschädigt.

Kommentare in den sozialen Medien

Carina Witthöft scheint die ungewohnt deutliche Kritik an ihrem Lebensstil und Auftritt in den sozialen Medien, der an die frühere kanadische Top Ten-Spielerin Genie Bouchard erinnert, nicht anzufechten. Mit den Hashtags #hatersmovealong und #goodvibesonly versah Witthöft einen ihrer jüngsten Posts, auf dem sie einen glücklichen Eindruck macht.

Kommentare in den sozialen Medien

Die langjährige Fed Cup-Chefin Barbara Rittner sieht Witthöfts Einstellung indes kritisch: “Mit dieser Einstellung wird sie im Tennis keine großen Sprünge mehr machen”, erklärte die Bundestrainerin und Head of Women’s Tennis des DTB dem Hamburger Abendblatt bereits vergangenen Sommer.

“Sie will zu viel, will ein Leben führen wie ihre Schwester Jennifer, die Mode studiert und feiern geht, und gleichzeitig will sie Tennisprofi sein. Sie muss sich entscheiden, wohin es gehen soll”, sagt Rittner. Die Antwort liefert Witthöft im Moment eindrucksvoll: auf die Skipiste.

Digital

Ein Jahr DSGVO: Viel Arbeit – und viele offene Fragen

Die größte Aufregung rund um die Datenschutzgrundverordnung hat sich nach einem Jahr gelegt. Es gibt inzwischen viel Lob - aber auch weiterhin Kritik. In jedem Fall lässt die "Zeitenwende im Datenschutz" die Arbeit für alle nicht ausgehen. mehr…

Anzeige

Absatzwirtschaft Newsletter

absatzwirtschaft Newsletter schon abonniert?

Newsticker

Was man kennt, das liebt man: Warum Imagewerbung Vertrauen schafft

Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, sprach vergangene Woche…

Werberat rügt umstrittenen Muttertags-Spot von Edeka

Der Deutsche Werberat hat den umstrittenen Edeka-Werbespot zum Muttertag öffentlich gerügt. Die Werbung…

Studien der Woche: Teure Städte, Marketingkanäle und Online-Shopping

Marktforschung und Wirtschaft veröffentlichen täglich neue Studien, die für Unternehmen und Marketer wichtig…

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

  1. Zitat aus dem Text: “Nun kann die inzwischen 24-Jährige, die sich in ihrer Tenniskarriere bereits knapp 2 Millionen Dollar an Preisgeld erspielt hat, mit ihrem jungen Leben machen, was sie will. ”

    Richtig erkannt. Witthöft spielt nicht für die Redakteure von Absatzwirtschaft.de, sie darf machen, was sie will – soviel Selbstständigkeit scheint den Redakteuren nicht zu gefallen. Sportler (und alle anderen bekannten Personen) sind der Presse keine Rechenschaft schuldig.

    Schade, dass man das bei Absatzwirtschaft.de nicht erkannt hat – beziehungsweise nicht erkennen will.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige