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„Besonders in der Automobilvisualisierung wächst die Bedeutung des 360 Grad-Erlebnisses“

Werbefotos, auf denen Autos durch menschenleere Städte oder Wüsten rasen – das kennen wir aus der Werbung, nicht aber aus der Realität. Dass hier Täuschung am Werk sein muss, liegt auf der Hand. Wie weit die gehen kann, wissen Jens Müller und Wladimir Alexi. Sie versorgen mit ihrem Unternehmen Maground Automarken mit geeigneten Hintergrundfotos und sind in dieser Nische Weltmarktführer. Im Interview erzählen sie, was uns in diesem Bereich noch alles erwartet.

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Ihr Unternehmen Maground versorgt Autohersteller und Agenturen mit geeigneten Hintergrundbildern für Autowerbung. Wie sind Sie auf diese Geschäftsidee gekommen? Warum haben Sie in dieser Nische einen Bedarf gesehen?

In der Zeit zwischen 2006 und 2007 entstanden in der Industrie die ersten ernstzunehmenden fotorealistischen 3D-Renderings von Autos. Damit war klar, dass früher oder später ein Umschwung in den Produktionsprozessen stattfinden wird. In unseren damaligen Jobs in Werbeagenturen haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es keine Quelle für High-End-Hintergrundmotive gab. Und der Bedarf war im Jobalttag als Kreativer permanent vorhanden. Insbesondere Hintergründe für Autos waren nirgendwo zu finden – eine echte Marktlücke also.

Wir wussten, dass das Online-Angebot von Anfang an mit hochqualitativen Fotos bestückt werden musste, um in der Industrie und bei den Kunden ernst genommen zu werden und um auch andere Fotografen von der Idee zu überzeugen, für uns zu arbeiten. Also reisten wir auf eigene Kosten um die Welt, um einen guten ersten Bidlbestand an Hintergrundmotiven zu erstellen. Wir hätten wahrscheinlich auch einen Gründerkredit bekommen, aber wir wollten schnell starten, keine Zeit verlieren und wir haben zu 100 Prozent an unsere Idee geglaubt.

Wie viel Einsparpotenzial ergibt sich für die Autohersteller durch Ihr Konzept? Gibt es eigentlich noch Autohersteller, die „echte“ Fotos für Ihre Werbung produzieren lassen?

Unsere Hintergrundfotos haben den Vorteil, dass Ausgaben für teure On-Location-Shootings stark reduziert werden können, man sehr viel Zeit und Geld spart. Neue Automodelle können beispielsweise in einer Großstadt wie New York, vor bekannten Gebäuden oder in stimmungsvollen Landschaften gezeigt werden – ganz ohne dass das Auto dorthin bewegt werden muss. Mittels CGI – Computer Generated Imagery – werden 3D-Objekte fotorealistisch in die Bildkulissen gerendert. Dabei wird der kreative Spielraum nicht eingeschränkt und die Bildqualität ist auf gleich hohem Niveau wie bei einer individuellen Produktion vor Ort.

Reise- und Produktionskosten fallen damit komplett weg. Der Zeit- und Kostenfaktor spielt immer eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Kampagnen. Ein klassisches Shooting kann mehrere Wochen dauern – vom Scouting der Location über die Einholung von Drehgenehmigungen und die Organisation der Reise bis hin zum Transport der Autos. Hinzu kommen die Kosten für den Fotografen und sein Team, das Equipment, Unterkunft, Catering, Versicherungen und vieles weitere mehr.

Teams für aufwendige Produktionen wie Automobil-Kampagnen bestehen häufig aus 10 bis 15 Leuten. Auch Risikofaktoren wie das Wetter oder Logistikprobleme, wodurch sich Shootings verschieben können, während die Kostenuhr weiterläuft, müssen bedacht werden. Häufig sind neue Fahrzeugmodelle zum Zeitpunkt des Shootings noch streng geheim, was einen weiteren Logistik- bzw. Organisations-Aufwand nach sich zieht.

Es handelt sich also um eine Reihe an Faktoren, die einen hohen Aufwand erfordern und dadurch für die Hersteller sehr kostenintensiv sind.

Wer liefert Ihnen die Bilder?

Zurzeit arbeiten wir mit über 300 internationale Profi-Fotografen zusammen, die uns ständig mit neuem Bild- und Videomaterial versorgen. Die Bilder werden mit Mittelformat-Kameras produziert. Dazu kommen passende 360° Aufnahmen, die eine perfekte 3D-Integration ermöglichen.

Wie viel Konkurrenz ist Maground weltweit ausgesetzt?

Global betrachtet sind unsere größten Konkurrenten sicherlich die großen Stock-Agenturen, die auf Masse und Dumping Preise setzt, die jedoch bei Weitem nicht eine solche Bild- und Datenqualität vorweisen können. Im Einzelfall sind es häufig auch Fotografen und Produktionsfirmen, die im gleichen Marktsegment arbeiten. So richtige 1:1 Konkurrenten gibt es nicht.

Sie bieten auch Videos und 3-D-Umgebungen für Darstellungen mittels virtueller Realität. Sehen Sie in diesem Bereich Chancen für weiteres Wachstum?

Das virtuelle Erleben eines Produkts wird immer besser und realistischer werden. Es gibt dem Betrachter ein kompletteres Erlebnis und einen intensiven Eindruck. Er kann somit schneller eine Kaufentscheidung treffen und darum geht es letzten Endes.

Besonders in der Automobilvisualisierung nimmt die Bedeutung des 360 Grad-Erlebnisses und die immer besser und realistisch werdenden 360° Web-Konfigurationen weiter zu und dienen mehr und mehr als zentrales Verkaufswerkzeug. Das Durchblättern einer Auto-Broschüre wird nicht mehr lange Bestand haben. Dieser Bereich verschiebt sich weiter in die digitale Welt. Natürlich sind herausragende Produkt- und Marketingfotos sowie Videos weiterhin einer der wichtigsten Bestandteile, um das Produkt emotional zum Kunden zu transportieren und in der Zielgruppe entsprechend zu inszenieren. Die Anzahl der Baureihen wird immer größer, die Produktzyklen immer kürzer und die Zielgruppen werden immer genauer und feiner analysiert und abgestuft. Der Bedarf an adäquatem Bild- und Videomaterial wächst immens.

Auch die Nachfrage an 360° Environments steigt enorm, jeder Hersteller probiert und experimentiert zurzeit in diesem Bereich. Von rein fotografischen 360° Hintergründen, in die ein 3D-Auto platziert wird über Kombinationen mit 3D-Geometrien bis hin zu komplett virtuell konstruierten 3D Umgebungen wird die gesamte Bandbreite abgefragt. Und das Angebot in diesem Highend-Bereich ist noch sehr gering.

Maground beschäftigt 35 Mitarbeiter, die sich über die Büros in Hamburg, Peking und Los Angeles verteilen.

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