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BEE Sharing – ist das die Lösung für den Honigmarkt?

BEE Sharing
Ehrlich echter Honig: Erst der DACH-Markt, dann in die USA. © BEE Sharing

Die günstigen Weltmarktpreise für Bienenhonig setzen deutsche Produzenten hierzulande unter Druck. Das Hamburger Start-up BEE Sharing versucht, den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen und Honigpanscher aus China in Schach zu halten.

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Den Ansatz von BEE Sharing zu verstehen, ist gar nicht so einfach. Denn das 2014 zunächst als e.V. und 2016 als GmbH von Otmar Trenk, Wolfgang Reuter und Nils Gerber gegründete Start-up ist sehr vielschichtig im Honigmarkt unterwegs.

BEE Sharing ist zum einen ein webbasiertes Netzwerk und bietet Imkern, Landwirten und Bienenfreunden die Möglichkeit, sich zu vernetzen, um Dienstleistungen, Produkte und Wissen rund um die Bienen miteinander auszutauschen. Hierbei konzentriert sich die Plattform vor allem auf die Vermittlung von Bestäubungsangeboten sowie auf die damit verbundene Logistik zwischen Imkern und Landwirten. Kurzum: Landwirte können sich bei BEE Sharing mit ihren Anbauflächen registrieren, die Imkereien mit ihren Bienenvölkern.

“Wir wollen vor allem die Transportwege für Bienenvölker verkürzen. Zudem ist es unser Ziel, eine standardisierte Kommunikation zwischen Landwirten und Imkern zu ermöglichen, denn beide Berufsstände stehen in der Saison sehr unter Zeitdruck. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, wieder für eine maximal ökonomische und ökologische Bestäubung zu sorgen”, sagt BEE-Sharing-Gründer Trenk der absatzwirtschaft.

Kampf gegen Honigfälscher und Preisdumping

Neben dem Netzwerk gründeten die drei Imker den BEE Sharing e.V., ein Zusammenschluss junger Imker und Bienenfreunde. In dem Verein werden beispielsweise Probleme der Bienenhaltung, die Herausforderungen struktureller Veränderungen innerhalb der Imkerschaft und die speziellen Anforderungen an die Stadtimkerei thematisiert. Aktuell stehen unter anderem zwei Themen weit oben auf der BEE-Sharing-Agenda: der Kampf gegen Honigfälscher und das Preisdumping im Weltmarkt. Trenk sagt: “Wir wollen faire Preise für Honigproduzenten erreichen. Die Imker orientieren sich heutzutage viel zu stark am Weltmarkt, der oft auch aus Honig-Panschern besteht. Sie können aufgrund von Preisdumping in einem Oligopol nicht rentabel wirtschaften – das kann nicht sein.”

Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) gibt es hierzulande rund 135.000 Imker mit insgesamt etwa 900.000 Bienenvölkern. Und jedes Bienenvolk produziert laut D.I.B. eine durchschnittliche Erntemenge von 20 bis 30 Kilogramm Honig. Zusammengerechnet ernten die deutschen Imker somit 15.000 bis 25.000 Tonnen Honig pro Jahr.

Was viel klingt, ist gemessen an der Nachfrage tatsächlich allerdings wenig. Denn die in Deutschland produzierte Menge an Honig entspricht nur rund 20 Prozent des hiesigen Verbrauchs. Denn die Deutschen liegen mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich rund 1,1 Kilogramm auf einem Spitzenplatz im weltweiten Honigverzehr.

Der Großteil des Honigs wird dementsprechend importiert. Das Problem dabei: Insbesondere China, mit 474.000 Tonnen Weltmarktführer in der Honigproduktion, steht dauerhaft in Verruf, Honig zum Beispiel mit Sirup zu strecken. In der Europäischen Union wird Honig sogar auf Platz sechs der gefälschten Lebensmittel geführt – laut einer EU-Analyse sind 1,4 von zehn Honigproben verfälscht. Experten schätzen den Schaden, der für ehrliche Imker durch Fälschungen entsteht, auf 600 Millionen Euro pro Jahr.

Online-Marktplatz und Eigenmarken im Handel

Zusätzlich zum Netzwerk und der Vereinsarbeit hat BEE Sharing 2018 einen eigenen Marktplatz ins Leben gerufen. Darauf werden unter anderem Bienenprodukte wie Honig, Imkereibedarf sowie Bienen und andere Bestäuber gehandelt. Imker sollen darüber die Chance bekommen, ihre Produkte regional zu vermarkten.

Zum Teil des BEE-Sharing-Ansatzes zählen schließlich auch eigene Honigmarken, die das Unternehmen entweder über die Webseite www.ehrlichechterhonig.de direkt an seine Kunden vertreibt – oder seit einigen Wochen auch im Einzelhandel. Die vier Sorten des deutschen Honigs von BEE Sharing sind inzwischen in 500 Lebensmittelmärkten wie Edeka, Reformhäusern und Denn´s Biomarkt vorrätig.

Bei seinen eigenen Marken setzt das Start-up vor allem auf Transparenz. Anhand eines QR-Codes auf dem Honigglas können sich Käufer über Lieferkette, Herstellungswege und Laboranalysen informieren. Teilweise können Kunden die Herkunft des Honigs bis zur Blüte zurückverfolgen. “Gerade die junge Generation legt großen Wert auf Transparenz und Nachhaltigkeit”, sagt Trenk. Er umreißt die Zielgruppe für die BEE-Sharing-Marken “von Ende 20 bis Mitte 40, im Beruf stehend und mit einem ökologischen Interesse”.

In die eingangs beschriebene Netzwerkplattform hat BEE Sharing bis dato rund eine Viertelmillion Euro investiert. Doch wie nehmen die Imker und Landwirte die Netzwerkplattform an? Und wie verdient BEE Sharing überhaupt Geld?

25.000 Bienenvölker, über 1,3 Mio. Euro Umsatz

Das Netzwerkgeschäft von BEE Sharing scheint langsam aber sicher Früchte zu tragen. Mit mittlerweile mehr als 25.000 Bienenvölkern konnte die Bestäubungskapazität in den vergangenen Monaten und Jahren kontinuierlich ausgebaut werden. Aktuell bieten rund 1100 registrierte Imker ihre Bienenvölker für die Bestäubung auf dem BEE-Sharing-Portal an. Im Dezember 2018 waren es erst 700. Zudem sind laut Gründer Trenk mittlerweile 150 Landwirte mit kumuliert mehr als 2500 Hektar Anbaufläche im Netzwerk registriert.

BEE Sharing erzielt rund 60 bis 70 Prozent seiner Umsätze über das Honiggeschäft. Dieses ist über die Eigenmarken-Produktion teilweise B2C-getrieben, hat zum Beispiel über White-Label-Fertigungen für andere Anbieter, aber auch B2B-Anteile. Die restlichen 30 bis 40 Prozent des Umsatzmixes von BEE Sharing macht das Bestäubungsgeschäft aus.

Im Geschäftsjahr 2018 erwirtschaftete BEE Sharing einen Umsatz von rund 400.000 Euro. Für das Jahr 2019 peilt das Unternehmen eine Verdreifachung an – und damit die Überschreitung der Millionenmarke. Konkret rechnet das Start-up mit einem Umsatz von 1,3 bis 1,6 Millionen Euro.

Weitere Investoren gesucht und USA im Visier

Trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung schreibt BEE Sharing noch keine schwarzen Zahlen. Das liegt zum einen an den Investitionen in die digitale Netzwerkplattform für Imker und Landwirte und zum anderen an der kostenintensiven Infrastruktur mit über 20 Mitarbeitern, einer eigenen Honigproduktionsstätte und einem Lager von über 400 Quadratmetern Größe.

Um weiter wachsen zu können, ist das Unternehmen laut Gründer Trenk nun auf der Suche nach weiteren Gesellschaftern – “idealerweise mit Prägung und Kompetenz im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Landwirtschaft”.

Mit weiteren Finanzmitteln ist es die Vision von BEE Sharing, in den kommenden zwei Jahren den deutschsprachigen Raum vollständig zu erschließen. Trenk sagt: “Wir sind aktuell besonders in Norddeutschland stark, strecken unsere Fühler jetzt aber immer weiter auch im Süden aus. Wir wollen der führende Partner für die professionelle Bestäubung in Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol werden.” Danach will das Hamburger Unternehmen auch ins Ausland expandieren. Als erster Zielmarkt stehen dabei die USA im Fokus von BEE Sharing. “Dort haben wir uns bereits mit vielen Landwirten und Imkern ausgetauscht. In zwei Jahren wollen wir den Markteintritt in Kalifornien schaffen”, sagt Trenk.

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