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Aleksander Ruzicka wird am Freitag aussagen

Die erste Verhandlungswoche nach der Prozesspause begann am Montag vor dem Landgericht Wiesbaden mit einem Paukenschlag: Aleksander Ruzicka will sich selbst äußern. Seine zweite Verteidigerin Eva Schrödel gab dies dem Vorsitzenden Richter Jürgen Bonk zur Kenntnis. Ruzicka wolle sich erstmals seit Prozessbeginn im Januar zum Anklagevorwurf einlassen.

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Zuletzt hatte er sich vor einem Jahr in zwei Interviews, auch gegenüber der absatzwirtschaft, öffentlich geäußert. Seine damaligen Äußerungen hatten für erhebliches Aufsehen und heftige Diskussionen gesorgt. Insbesondere weil nicht damit gerechnet wurde, dass Ruzicka überhaupt etwas sagen wird. Dementsprechend aufmerksam wollen viele Marktteilnehmer Ruzickas Aussage verfolgen. Viele hatten jahrelang mit ihm, von ihm und durch ihn gut verdient. Ob er das offen legt, weil er selbst dabei zu gut verdient haben soll, wird sich während seiner Aussage am Freitag zeigen.

Für Verwunderung und Unverständnis sorgte der Widerspruch der Staatsanwaltschaft Wiesbaden. Staatsanwalt Wolf Jördens hatte beantragt, die Aussage Ruzickas nicht am Freitag anzusetzen: man sei zeitlich bereits verplant, es seien bereits andere Zeugen geladen und Oberstaatsanwalt Achim Thoma könne nicht anwesend sein. Wie die Pressesprecherin des Landgerichts Wiesbaden gegenüber absatzwirtschaft bestätigte, hat die 6. Strafkammer den Antrag der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

Die Aussage von Aleksander Ruzicka ist am kommenden Freitag für 9 Uhr angesetzt. Er wird erstmals seit dem zweiten Prozesstag am 22. Januar zur Sache sprechen. Ruzicka wird sich bis zur Mittagspause ausführlich mündlich zu den Vorwürfen äußern. Zwei Zeugen aus dem Mediaeinkauf elektronischer Medien von Aegis Media werden am Nachmittag gehört.

Ob Ruzicka die Vorwürfe einräumt oder sich ähnlich seinen Aussagen in von ihm gegebenen Interviews äußert, bleibt zunächst offen. Bisher hatte Ruzicka sämtliche Vorwürfe bestritten. Er habe immer marktüblich mit Wissen von Aegis Media zu deren Vorteil gehandelt. Auch seine Firmen Camaco und Watson wären bei Aegis Media bekannt gewesen. Die Zahlungsströme über die Barterfirma Emerson FF zu seinen Firmen seien ebenfalls bei Aegis Media ebenfalls bekannt gewesen.

Der Aufbau des Emerson FF-Barternetzwerkes sei in Absprache mit dem damaligen Aegis plc-CEO Doug Flynn zur Kapitalisierung von Freispots aufgebaut worden. Aegis Media bestreitet Ruzickas bisherige Äußerungen energisch. Diese seien irreführend und stünden in keinerlei Zusammenhang mit den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft wirft Ruzicka Untreue in 86 Fällen in einer Gesamthöhe von 51,2 Millionen Euro vor.

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat zudem am Montag angeregt, das Verfahren gegen den ehemaligen Media-Einkaufschef von Aegis Media und Mitangeklagten David Linn abzutrennen. Er habe sich im Sinne der Anklage geäußert und es sei ihm nicht zuzumuten weiterhin Teil dieses Prozesses zu sein. Richter Bonk nahm dies zur Kenntnis, wollte aber aus prozessualen Gründen dazu keine Erklärung abgeben.

In der vorgelegten Anklage der Staatsanwaltschaft Wiesbaden vom Juli 2007 waren vier Personen angeklagt. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt Cornelius W. wurde bereits abgetrennt. Die Anklage gegen HMS/Carat-Mitgründer Heinrich Kernebeck wurde vom Landgericht Wiesbaden abgelehnt. Eine Beschwerde darüber soll erst dann entschieden werden, wenn ein Urteil in diesem Prozess gefallen ist.
mz

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