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Zeitschriftenverlage wollen mit digitalen Angeboten wachsen

Beispiele für Neugründungen im Zeitschriftenmarkt 2014. © VDZ-Grafik

Deutschlands Zeitschriftenverleger setzen 2015 verstärkt auf den Ausbau der Digitalformate. Wie die neueste Trend-Umfrage des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ergab, plant die Hälfte der Verlagshäuser in diesem Jahr außerdem Print-Neugründungen. 31 Prozent werden ein bis vier neue Magazine entwickeln, und 20 Prozent wollen sogar fünf oder mehr neue Titel präsentieren.

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„Die Zeitschriftenverleger gestalten den medialen Wandel ausgesprochen unternehmerisch“, sagt VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer. Sorgen mache den 450 Mitgliedsverlagen nicht der Wettbewerb mit anderen Gattungen, sondern ganz besonders die regulatorischen Rahmenbedingungen, die einen Wettbewerb auf Augenhöhe verhinderten. Die Trend-Umfrage zeigt weiter, dass drei von vier Verlagshäusern (78 Prozent) neue Geschäftsfelder als wichtigen Baustein ihrer Unternehmensstrategie bezeichnen. Zwei Drittel (65 Prozent) kündigen für die kommenden zwei Jahre steigende Investitionen in Diversifikationsprodukte an.

Bestand der Publikumszeitschriften auf Allzeit-Hoch

Wachstumschancen jenseits des klassischen Print-Geschäfts sehen die Zeitschriftenverlage vor allem in der Erweiterung des digitalen Angebots für ausgewählte Zielgruppen und Themen – 78 Prozent erwarten der VDZ-Trend-Umfrage zufolge in diesem Bereich große Umsatzpotenziale. Sechs von zehn Befragten halten die Entwicklung und Umsetzung plattformübergreifender Kommunikationslösungen für ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld, während der Ausbau des Bewegtbild-Angebotes für die Hälfte eine bedeutende Rolle spielt. 44 Prozent versprechen sich zudem von Branded-Content-Angeboten Wachstum.

2014 brachten die Verleger 133 Print-Magazine neu auf den Markt. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurden bereits 16 Titel gelauncht. Ende Februar 2015 erreichte die Anzahl der mindestens quartalsweise erscheinenden Publikumszeitschriften mit 1.595 ein Allzeit-Hoch.

Gesamtumsatz steigt auf 15,1 Milliarden Euro

Im Jahr 2014 beschäftigten die Zeitschriften-Verlage mehr als 60.000 Mitarbeiter und erzielten einen Gesamtumsatz von 15,1 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr (14,85 Milliarden Euro) bedeutet dies eine leichte Steigerung von 1,7 Prozent. Der VDZ-Trend-Umfrage zufolge rechnet die Branche 2015 im Digital-Geschäft mit einem Umsatz-Plus von neun Prozent. Im sonstigen Geschäft erwarten die Verleger insgesamt ein Wachstum von zwölf Prozent; hier wird vor allem der Bereich Corporate Publishing mit 23,7 Prozent deutlich zulegen.

Bei Anzeigen und Vertrieb prognostizieren die Befragten für 2015 einen moderaten Rückgang von 2,4 beziehungsweise 1,9 Prozent. Die Frage nach den für das laufende Jahr kalkulierten Umsatz-Anteilen zeigt, dass das Print-Geschäft mit 64 Prozent nach wie vor die tragende Säule bildet. Die Branche erwirtschaftet mit dem Digital-Geschäft 16 Prozent des Gesamtumsatzes, mit dem sonstigen Geschäft 20 Prozent.

E-Paper-Auflage im Aufwind

VDZ

Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des VDZ

Der wichtige Stellenwert des Digital-Geschäfts zeigt sich auch in der Entwicklung der verkauften E-Paper-Auflage. Der VDZ-Trend-Umfrage zufolge ist diese 2014 in mehr als zwei Dritteln der Verlage (69 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – um durchschnittlich 41 Prozent. Die Zahl der Digital-Abonnenten hat sich in 83 Prozent der befragten Verlagshäuser erhöht, bei einer durchschnittlichen Zunahme von 16 Prozent. „Die absoluten Zahlen bewegen sich noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau, aber die hohen Wachstumsraten sind ein Beleg für das vorhandene Paid-Content-Potenzial in diesem Bereich“, kommentiert Scherzer.

Der VDZ begrüßt den neuen Compliance-Kodex zahlreicher DAX-Konzerne, der den Umgang werbetreibender Unternehmen mit den Medien regelt. Der Kodex, der unter anderem die Selbstverpflichtung der Wirtschaft enthält, im Zusammenhang mit dem Schalten von Werbung keine redaktionellen Beiträge einzufordern, ergänze die in den Verlagen bereits etablierten und gelebten Grundsätze zur Trennung von Redaktion und Werbung. Dies sei ein wichtiges Signal der werbetreibenden Unternehmen, dass auch sie die Unabhängigkeit der Redaktionen von möglichen Interessen der Werbekunden wünschen und einfordern.

Fachmedien setzen Wachstumstrend fort

Gegenüber dem Vorjahr hat darüber hinaus auch die Bedeutung der Zeitschriften in der Wirtschaftskommunikation weiter zugenommen. Wie die Business-to-Business (B2B)-Entscheideranalyse 2014/15 der Deutschen Fachpresse ergab, investieren 38 Prozent der befragten Manager aktuell sogar mehr Zeit in die Fachmedien-Lektüre als noch vor zwei Jahren. Dabei wird fast eine flächendeckende Nutzungsquote erreicht. So sind Fachmedien (Print und Digital) für 94 Prozent der Entscheider wichtige Informationsquellen. Diese Relevanz spiegelt sich auch in der Umsatzentwicklung der Fachmedien wieder. Mit einem Gesamtumsatz von rund 3,3 Milliarden Euro und rund 1,5 Prozent Wachstum in 2014 setzt sich der Wachstumstrend seit dem Jahr 2009 fort.

Ruf nach urheberrechtlichem Schutz

Auf der Jahrespressekonferenz des Verbands wurde weiter betont, dass sich die Zeitschriftenverlage heute mehr denn je in einem durch eine Vielzahl wirtschaftlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen gekennzeichneten Wettbewerbsumfeld befinden. Sie beklagen zunehmende Werbebeschränkungen, eine Schwächung des Urheberrechts, den Missbrauch von Monopolpositionen und Steuernachteile digitaler Produkte. Laut Trend-Umfrage fühlen sich mehr als drei Viertel der Verlagshäuser (79 Prozent) dadurch in ihrer Leistungsfähigkeit und Produktvielfalt sowie in ihren Wachstumschancen erheblich beeinträchtigt. Zwölf Prozent sehen sogar eine existenzgefährdende Beeinträchtigung.

Scherzer betont: „Ohne einen effektiven urheberrechtlichen Schutz ist eine wirtschaftlich tragfähige private Presse im digitalen Zeitalter nicht denkbar.“ Dieser Realität müsse die EU-Kommission Rechnung tragen, wenn sie das EU-Urheberrecht überarbeitet. Das geltende EU-Recht schütze Rundfunkunternehmen, Musik- und Filmproduzenten, nicht aber Presseverlage. „Das ist angesichts der fortschreitenden Digitalisierung nicht mehr zeitgemäß und muss geändert werden“, so die Forderung des VDZ-Hauptgeschäftsführers.

Charlie Hebdo-Diskurs mit nur kurzfristigem Effekt?

In der Trend-Umfrage fragte der VDZ seine Mitglieder auch danach, ob sich die Bevölkerung des Wertes der Presse- und Meinungsfreiheit für die Gesellschaft und den einzelnen Bürger bewusst ist. 61 Prozent der Verlagshäuser sind der Meinung, dass dieses Bewusstsein weniger ausgeprägt ist. Ein Drittel dagegen schätzt das Bewusstsein für den Wert der Presse- und Meinungsfreiheit als stark ausgeprägt ein.

Die Themen Presse- und Meinungsfreiheit standen Anfang Januar nach dem Anschlag auf die französische Satire-Zeitung Charlie Hebdo im Fokus der öffentlichen Debatte. Dass dieser Diskurs einen anhaltenden Effekt in der Bevölkerung haben wird, glauben aber lediglich 22 Prozent der befragten Verlage. 78 Prozent dagegen sind der Meinung, der Austausch über die Presse- und Meinungs-Freiheit habe nur kurzfristig das Interesse der Menschen geweckt.

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