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„Wir alle sind ein Knotenpunkt im Internet“

Hierarchische Organisationsformen in der Wirtschaft werden sich zu Netzwerk-Organisationsmodellen verändern. Die Selbstorganisationskräfte von Interessengemeinschaften spielen hierfür eine wichtige Rolle. Und wir Menschen sind künftig selbst Knotenpunkte im Internet – aufgrund der Vernetzung unserer mobilen Endgeräte. Diese zwei Thesen erläuterte der Finanz- und Technologie-Experte Fred Wilson auf der Tech-Konferenz „LeWeb“ im Dezember in Paris.

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Von Bernhard Steimel

Einen der besten Talks zu den großen Trends für die nächsten zehn Jahre der LeWeb-Netzwerktreffen in Paris hielt Twitter-Investor Fred Wilson, Managing Partner von Union Square Ventures aus New York. In seinem Vortrag stellt er Makro-Trends als das Gerüst vor, mit dem er und seine Kollegen jede Investment-Entscheidung beurteilen: „We don’t think in technology, but we think in trends“. Er empfiehlt jedem, die großen, prozessualen Veränderungen zu identifizieren, die Mediennutzung und Verhalten verändern und damit auch die Gesellschaft.

Dazu zählt für ihn die Transformation von hierarchischen Organisationsformen zu Netzwerkorganisationsmodellen. Als Beispiele für seine These führt Wilson die Web-Börsen für private Unterkünfte AirBnB, den kostenlosen Sprachunterricht Duolingo sowie Kickstarter an, die amerikanische Internetplattform zur Projektfinanzierung über Crowdfunding. All diese Plattformen nutzen die Selbstorganisationskräfte von Interessengemeinschaften, die sich über das Internet organisieren und von Marktplatz und Community-Plattformen ermöglicht werden.

Markteintrittsbarrieren für Services sinken

Als zweiten Makro-Trend sieht Wilson „Unbundling“, womit er die Trennung von Leistungen und Services meint, die bislang im Paket angeboten wurden. Internet-Technologie senkt die Markteintrittsbarrieren, denn sie ermöglicht es, kostengünstig und fokussiert auch nur einzelne Services anzubieten. Ein Vorteil, den sich zum Beispiel Startups im Bankensektor zunutze machen, um in das besonders profitable Kreditgeschäft einzubrechen. Dazu zählen unter anderem der Peer-to-Peer Kredit-Anbieter Lending Club (Link) oder die deutsche Plattform Auxmoney, die bereits über 620.000 Mitglieder zählt.

Der Dritte und wohl offensichtlichste und mächtigste Trend ist, dass wir Menschen durch die Vernetzung unserer mobilen Endgeräte selbst zu Knotenpunkten im Internet werden. Wir sind alle ständig durch das Internet miteinander verknüpft, was völlig neue Services ermöglicht, die bestehende Marktstrukturen aufbrechen. Dadurch lassen sich ganze Branche wie Transport und Logistik neu gestalten. MyTaxi in Deutschland oder der Limo-Service Uber transformieren existierende Geschäftsmodelle der Transport- und Mietwagenfirmen. Ähnliche Mechanismen nutzen die mobile Bezahlsysteme Venmo und Dwolla.

Virtuelle Währung Bitcoin verändert den Finanzsektor

Für Fred Wilson steht fest, dass nach der Medienbranche und dem Handel die Finanzindustrie und Gesundheit als nächste von der disruptiven Welle erfasst wird. Die größten Veränderungen im Finanzsektor werden aus seiner Sicht durch Bitcoin entstehen. Dabei zählt für ihn nicht der aktuelle Hype um die Digital-Währung. Nach Ansicht Wilsons wurde dieses Geld nach den Spielregeln des Internets entwickelt: Es ist ein neues Internet Protokoll und damit global, verteilt und von niemandem kontrolliert. Jede Transaktion wird öffentlich „gecleart“ und kann von jedermann eingesehen werden. Damit erhält Geld die gleichen Attribute wie Inhalte und Bilder, die über das Internet verfügbar gemacht werden. Kein Paypal, keine Amex oder Visa werde diese Entwicklung kontrollieren können.

Im Gesundheitswesen sieht Wilson alle drei Megatrends zusammenkommen. Zukünftig werden immer mehr Menschen außerhalb der staatlichen Hilfe neue Wege der Gesundheitsvorsorge gehen. Ob Fitbit, Nikeful Band oder andere „Quantify-Self“ Apps helfen uns, unsere Gesundheitswerte selbst zu monitoren und mit Hilfe von Peer-to-peer-Services Entscheidungen zu treffen. In diesem Kontext entfaltet das Internet of Things für ihn die größte Macht. Spätestens wenn wir Kleidung tragen, die unsere Vital-Daten ständig aufzeichnet, lassen sich auch milliardenschwere Krankheitskosten durch präventive Maßnahmen oder schnelleres Handeln senken.

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