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Wie sich Entscheidungsfehler in Innovationsprozessen vermeiden lassen

Entscheidungen sollten jenseits von Euphorie und Intuition möglichst rational getroffen werden, rät das Mannheimer IMU. © Fotolia 2015

Innerhalb eines Innovationsprozesses ist die richtige Bewertung des Projektes ein Kernproblem. Nur 29 Prozent aller Manager glauben, dass ihr Unternehmen Innovationsprojekte zum richtigen Zeitpunkt abbricht. Und jeder zweite meint sogar, dass viele gute Ideen im Unternehmen auf der Strecke bleiben, weil sie nicht in marktfähige Produkte und Services weiterentwickelt werden.

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Durch ein systematisches Management können Entscheidungsfehler in Innovationsprozessen aber vermieden werden, zeigt eine Untersuchung des Mannheimer Instituts für Marktorientierte Unternehmensführung (IMU). Die Implikationen für Manager, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgearbeitet haben, beruhen auf 29 Tiefeninterviews mit Experten aus unterschiedlichen Konsum- und Industriegüterbereichen.

Meilensteine systematisch bewerten

Die richtige Entscheidung zur Fortführung oder Terminierung von Innovationsprojekten stellt für Unternehmen eine große Herausforderung dar, wie auch Luka Mucic, Vorstandsmitglied der SAP SE, feststellt: „Effektive Entscheidungen über den Fortgang von Innovationsprojekten sind aufgrund unsicherer Informationen häufig schwierig. Die richtigen Innovationsprojekte zu identifizieren und zu kommerzialisieren, ist für den Unternehmenserfolg jedoch von hoher Wichtigkeit. Vor allem in Branchen mit kurzen Innovationszyklen brauchen Unternehmen deshalb ein systematisches Bewertungsmanagement an Meilensteinen im Innovationsprozess“.

Da der Forschungsstand zu diesem Themengebiet noch relativ am Anfang steht, untersuchte das Mannheimer IMU, wie Entscheidungen an Meilensteinen im Innovationsprozess getroffen werden und welche Einflussfaktoren für die Entstehung von Entscheidungsfehler relevant sind. Identifiziert wurden drei generische Meilensteine im Innovationsprozess: Die Ideenfreigabe, die Projektfreigabe und die Marktfreigabe.

Manager handeln oft nicht rational

Als Entscheidungskriterien zur Fortführung oder Terminierung von Innovationsprozessen dienen die Kongruenz mit der Unternehmensstrategie, Marktbedingungen und Kundenanforderungen, die Einschätzung zu vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten zur erfolgreichen Umsetzung sowie die voraussichtliche Profitabilität der Innovation. Die Ergebnisse der Interviews besagen weiterhin, dass drei primäre Einflussfaktoren für die Entstehung von Entscheidungsfehlern relevant sind.

Forscher warnen vor hohem Einführungspreis einer Produktinnovation

Dr. Sabine Kuester

Diese fasst Prof. Dr. Sabine Kuester, Direktorin des IMU, zusammen: „Erstens begünstigt die begrenzte Rationalität von Managern Entscheidungsfehler. Häufig sind Manager zu euphorisch oder vertrauen auf ihre subjektive Intuition und hebeln dadurch formale Beurteilungsprozesse an Meilensteinen aus. Zweitens ist die Unternehmenskultur dafür verantwortlich, dass Projekte vorzeitig terminiert werden; Entscheidungsträger stigmatisieren die Gefahr des Scheiterns im Unternehmen. Und drittens kann in Unternehmen eine sogenannte Mikropolitik zu einer fehlenden Rationalität der Entscheidungsfindung beitragen, wenn Projektchampions oder einflussreiche Antagonisten effektive Entscheidungen behindern.“

Erfolg trotz hoher Unsicherheit zu Anfang

Die Studienautorinnen und -autoren formulieren zentrale Handlungsempfehlungen für Innovationsmanager: Die Rationalität des Entscheidungsprozesses sollte grundsätzlich betont und institutionell verankert werden. Dominik Reinartz erläutert: „Gleichzeitig muss jedoch auch ein Habitat für sehr riskante Projekte geschaffen werden, um individuelles Engagement für ein Projekt zu bündeln und einen Freiraum für Projekte mit noch geringer Informationsbasis zu gewährleisten. Viele Unternehmen lösen das beispielsweise durch interne Inkubatorenprogramme.“

Die Möglichkeit, unsichere aber vielversprechende Projekte on-hold zu setzen, sollte neben Fortführung und Terminierung als dritte Entscheidungsoption etabliert werden, um Entscheidungsfehler zu verhindern und so Projekte mittelfristig bei neuem Informationsstand wieder aufzugreifen.

Langfristig sollten sich Unternehmen bewusst machen, dass wirklich erfolgreiche Innovationen auch häufig diejenigen mit der anfangs höchsten Unsicherheit sind. Durch die Etablierung einer Unternehmenskultur, welche das Scheitern von risikoreichen Projekten akzeptiert und nicht stigmatisiert, können etablierte Unternehmen auch nachhaltig die Entwicklung radikaler Innovationen fördern, die bei der heutigen Marktdynamik wichtiger denn je sind.

Das IMU stellt die Ergebnisse seiner Studie „Terminierung oder Fortführung von Innovationsprojekten: Entscheidungsprozess und Einflussfaktoren“ hier kostenlos zum Download bereit: http://imu2.bwl.uni-mannheim.de/RI030.pdf

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