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Wie Google, Amazon, Apple und Facebook um die Weltherrschaft kämpfen

Amerika beherrscht die Welt. Nicht mehr kolonial, nur noch gelegentlich militärisch, aber vor allem kulturell. Das zumindest meinte „Der Spiegel“ in seiner vorletzten Ausgabe und das meinen auch zahlreiche Experten in Online-Marketing oder E-Commerce. Die vier Web-Giganten Google, Amazon, Apple und Facebook sind an den Börsen 750 Milliarden US-Dollar wert. Die Spiegel-Autoren verglichen das mit Beträgen, die bei der Rettung schwächelnder Euro-Staaten zur Diskussion stehen. Tatsächlich werden die „fantastischen Vier“ 2011 rund 180 Milliarden US-Dollar an Umsatz erwirtschaften. Der Löwenanteil geht an Apple. Die Frage aber lautet: Macht ein enormer Unternehmenswert die Marktposition sicherer?

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Von Frank Puscher

Die Summen sind astronomisch und die Leistungen der vier Unternehmen in ihren jeweiligen Segmenten unbestreitbar. Die Kriegskassen sind prall gefüllt. Nur Amazon schwächelt derzeit ein wenig. Im vierten Quartal lag der Umsatz bei 9,9 Milliarden Dollar, der Gewinn allerdings nur bei 191 Millionen. Eine Umsatzrendite von rund 1,9 Prozent, da ist das Geld zum Beispiel bei der Metro-Gruppe (unter anderem Kaufhof) weitaus besser angelegt. Die spannende Frage, die sich stellt, ist die der Ableitung, die viele Marktbeobachter führen. Geht es nach dem „Spiegel“, sind die vier Unternehmen dabei, nach der ökonomischen Weltherrschaft zu greifen. Sie zwingen ganze Branchen in die Abhängigkeit und diktieren selbst die Regeln des digitalen Geschäfts. Als Besitzer und Sammler wertvoller Datenschätze sind alle vier in der Lage, ihre jeweilige Marktposition so zu stärken, dass hohe Eintrittsbarrieren entstehen. Zitat: „Und der Rest der Welt? Schaut dabei zu, wie dieses Quadrumvirat fast im Alleingang letzte Nischen unseres Lebens, unserer Kultur, unserer Wirtschaft erobert.“

Die Marktmacht dieser großen Vier steht allerdings auf tönernen Füßen. Würde man allen vier Unternehmen von heute auf morgen den Stecker ziehen, dann würde das Internet eine kurze Phase lang über einen Schluckauf klagen und dann zur Tagesordnung übergehen. Beispiel Amazon: Der Generalversender arbeitet wie erwähnt mit einer sehr geringen Marge, weil das kompetitive Umfeld nicht mehr zulässt. Das spricht für sich. Eine Million Onlineshops buhlen um die Gunst der Kunden und viele davon nicht schlechter als Amazon. Wäre die Website offline, würde sich aus Kundensicht praktisch nichts ändern, außer vielleicht, dass man sein Adressbuch und seinen Wunschzettel verlieren würde. Etwas anders sieht das im Marketplace aus, jener Ansammlung von Firmen vom Großkonzern bis zum Garagen-Start-Up, die alle unter der Dachmarke Amazon verkaufen. Sie würden Kunden verlieren, die sich allerdings auf den Gesamtmarkt neu verteilen. Die Neukundengewinnung erfolgt dann zum Beispiel über die Preisvergleichsportale, die in der Regel heute schon eine signifikant bessere Usability bieten als die Bezos-Company. Und wenn dann doch noch Bedarf nach einer Marktmacht besteht, so fiele die Wahl vielleicht auf den ehemaligen „Weltbeherrscher“ Ebay. Mit elf Milliarden Dollar Jahresumsatz auch kein Büdchen.

Beispiel Facebook: 3,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz sind nicht wirklich eine magische Zahl. 850 Millionen Mitglieder hingegen schon. Für viele davon ist Facebook eine schöne Freizeitbeschäftigung. Das Abschalten der Seite würde den Verlust von Kontakten bedeuten. Andererseits hat der Umgang mit Facebook den Umgang mit jedem anderen sozialen Netzwerk gelehrt. Google+ stünde nach dem Abschalten zwar auch nicht zur Verfügung aber es gibt unzählige kleinerer, teils spezialisierter Netzwerke, die den Nutzern ein neues Zuhause bieten könnten. Die heißesten Kandidaten wären die VZ-Netzwerke oder der holländische Liebling Hyves, sofern die beiden den Tag des Abschaltens noch erleben. Und dann warten natürlich auch noch Xing, Twitter, Linkedin, und viele, viele mehr auf neue Mitglieder.

Beispiel Apple: Hier wird der Verlust schon etwas gravierender. Nicht wegen der Hardware. Die iPhone-Dichte in sozialen Brennpunktvierteln steigt so schnell, dass man den Statusverlust kaum durch neue Produktinnovationen ausgleichen können wird. Apple verdient derzeit so viel Geld, weil die Geräte nichts Besonderes mehr sind, sondern Massenware im besten ökonomischen Sinn. Hier würde Samsung sicher schnell in die Bresche springen und auch Sony könnte man ein Comeback zutrauen. Schließlich war die Play-Station-Company das „Apple“ der 90er Jahre mit sexy Hardware zu gehobenen Preisen. Im Segment Digitalfotografie macht Sony derzeit viel Boden gut. Mehr Wirkung würde der Verlust von iTunes auslösen. Da auch Amazon als Musikverkäufer fehlen würde, müsste sich wohl ein neuer, internationaler Anbieter daran begeben, eine Weltmarke aufzubauen. National ist Deutschland mit Musicload (Deutsche Telekom) oder Saturn gar nicht schlecht versorgt.

Bleibt noch Google. Die Suche lässt sich schnell ersetzen. Bing hat mit Microsoft einen potenten und derzeit ziemlich geschickt wirtschaftenden Geldgeber im Hintergrund. Die Balmer-Firma machte im Jahr 2010 23 Milliarden Dollar Gewinn aus 70 Milliarden Dollar Umsatz. Wenn das Interesse an Bing stiege, würden auch die Werber dort endlich die kritische Masse an Neukunden finden und Google wäre so schnell vergessen wie Altavista oder Infoseek. Viele der zum Erfolgskonzept hochstilisierten kostenlosen Dienste wie Analytics, Gmail, Google+ oder Youtube würden die Nutzer recht nahtlos gegen bestehende Alternativen austauschen und auch hier hält sich der Verlustschmerz in Grenzen. Auch Android würde nicht weiterentwickelt und schon wieder stünde Microsoft vor der Tür, um heimatlos gewordene Mobilfunker für WindowsPhone 7 zu gewinnen.

Was schmerzhafter wirkt, ist der Verlust von Rechenleistung. Die Clouds von Google und Amazon liefern heute jede Menge vermietbarer Rechnerpower. Allein Google braucht 260 Megawatt Strom, so viel wie Mainz. Hart getroffen würde zum Beispiel die US-Administration, deren E-Mails über Google-Server laufen. Andererseits würde der Datenverkehr kurzfristig entlastet, wenn Facebook und Youtube gleichzeitig das Internet verließen. Die naheliegenden Alternativen für Unternehmen, die Cloud Computing zum Beispiel für Software-as-a-Service-Angebote nutzen, heißen IBM und erneut Microsoft. Das Schöne an gut aufgebauter Cloud-Architektur ist, dass am Firmensitz in der Regel mindestens eine redundante Kopie der auszuführenden Software liegt. Diese kann in Windeseile auf Alternativrechner verteilt werden.

Das Fazit: Google, Amazon, Facebook und Apple, aber auch Microsoft, Sony, Intel, IBM, SAP, Ebay, Yahoo, Samsung und viele andere liefern sich einen Kampf um Marktanteile, Patente, Standards und gutes Markenimage. Wer in seiner Disziplin schwächelt, wird darwinistisch ersetzt. Zuletzt zu sehen bei ehemaligen Lieblingen wie den VZ-Netzwerken, Nokia, Myspace oder RIM/Blackberry. AOL gilt heute als Inbegriff proprietärer, geschlossener und somit rückständiger Onlinedienste. Vor elf Jahren komplettierte das gleiche Unternehmen mit dem gleichen Konzept eine der spektakulärsten Transaktionen der Wirtschaftsgeschichte und kaufte für 183 Milliarden US-Dollar den Medienriesen Time Warner. Das entspricht ungefähr dem Jahresumsatz der vier Weltbeherrscher aus dem Spiegel. Die weltweite Vernetzung sorgt für eine gigantische Redundanz an Ideen, Konzepten, Software und Hardware und hat es so einfach wie noch nie gemacht, Anbieter zu wechseln, wenn Produkt, Preis oder Service nicht mehr stimmen. Das wissen die großen Vier und sie werden sich besonders anstrengen. Zum Wohle der sieben Milliarden Beherrschten.

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