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Wie die Produktauswahl schon bald mit der Fußspitze erfolgen könnte

Bislang werden Touchscreen-Bildschirme bei Smartphones, dem iPad oder dem Multimedia–Tischcomputer Microsoft Surface mit den Händen berührt, doch in Zukunft könnten auch Fußabdrücke zum Einsatz kommen. Zumindest hat eine Gruppe Studenten des Fachgebiets Human Computer Interaction am Hasso Plattner-Institut unter der Leitung von Prof. Patrick Baudisch eine bahnbrechende Multitouch-Steuerung für Fußböden entwickelt, die sich bereits für Spiele einsetzen lässt.

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Herr Baudisch, was war die Initialzündung für die Multitoe-Bildschirmsteuerung für Fußböden?

PATRICK BAUDISCH: Die Idee kam eigentlich beim Musikmachen. Bei einer Jam-Session hatten wir alle die Hände voll und merkten: um zum Beispiel Noten herauszusuchen, wäre solch eine Technologie hilfreich.

Wie präzise sind Eingaben, die man über die Fußsohle machen kann?

BAUDISCH: Überraschend präzise: Unseren Studien nach treffen Benutzer Ziele mit einer Kantenlänge von fünf Zentimetern mit 98-prozentiger Zuverlässigkeit.

Worin besteht das Ziel, das Sie mit der Technik erreichen wollen?

BAUDISCH: Unser Hauptziel ist es im Augenblick, durch die Multitouch-Technologie komplexe Interaktionen mit zahlreichen Objekten zu ermöglichen. Bei Tischen wie zum Beispiel dem Microsoft Surface funktioniert das schon gut. Aber solche Tische können nicht größer sein als die Länge eines Arms. Sonst kommt der Benutzer ja nicht mehr an die interaktiven Objekte heran. Deshalb haben entsprechende Anwendungen zum Beispiel rund 20 solcher Objekte. Fußböden sind da eine interessante Alternative. Die richtige Technologie vorausgesetzt, ermöglichen sie die Interaktion mit zehntausenden von Objekten. Wir denken zum Beispiel an visuelles Data Mining in großen Mengen wissenschaftlicher Daten.

Welche Einsatzgebiete sind neben der Steuerung von Spielen denkbar?

BAUDISCH: Weitere spannende interaktive Fähigkeiten wurden uns im Verlauf des Projekts deutlich. Zum Beispiel können wir einzelne Benutzer lokalisieren und anhand ihrer Schuhsohlen unterscheiden. Sogar die Körperhaltung – also Stehen, Sitzen, Knien und so weiter – kann von interaktiven Fußböden teilweise rekonstruiert werden. Das legt nahe, die Technik zum Beispiel für den Einsatz in seniorengerechten Wohnungen vorzusehen. Ist Oma aufgestanden? Läuft sie genug? Ist sie gefallen? Läuft sie so, als tue ihr etwas weh? All dies kann unsere Technologie ermitteln, ohne dass Kameras eingesetzt werden müssen, die einen starken Eingriff in die Privatsphäre darstellen.

Welchen Gewinn könnte die Fußsteuerung werbetreibenden Unternehmen bringen?

BAUDISCH: Unsere neue Technologie wäre zum Beispiel sicher in Fußgängerzonen einsetzbar. Dort ließe sich vorstellen, dass Passanten mit großer Werbung interagieren.

Welche IT-Vorrausetzungen müssten für den Einsatz des Systems bei Unternehmen gegeben sein?

BAUDISCH: Am Hasso-Plattner-Institut konzentrieren wir uns im Moment weniger darauf, als zunächst auf einen Einsatz bei Einzelpersonen oder im öffentlichen Raum.

Was fehlt noch, um das System auf den Markt zu bringen?

BAUDISCH: Das System ist ein Forschungsprototyp. Deshalb gibt es noch keine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Ein marktreifes System würde vermutlich eine druckbasierte Eingabe benutzen sowie Projektion von oben. Das wäre dann deutlich billiger als unser Testsystem Multitoe. Das ist übrigens im Rahmen eines Projekts von Bachelorstudenten entwickelt und gebaut worden.

Die Fragen stellte Martina Monsees.

Weiterführende Informationen gibt es unter:
www.hpi-web.de

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