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Was will Volkswagen vom Digitaldienstleister Diconium? „VW profitiert von unserer Flexibilität und Schnelligkeit“

Andreas Schwend baute den E-Commerce-Dienstleister DMC schrittweise zur Full-Service-Agentur und Strategieberatung Diconium um

Der Autobauer Volkswagen hat ein gigantisches Budget für digitale Transformation definiert. Einer der ersten Deals gilt einem 20 Jahre alten Dienstleister aus Stuttgart, der beileibe kein Start-up ist, aber bereits gezeigt hat, dass er Mobilität neu denken kann: Der Digitalisierungsdienstleister Diconium. Wie sieht der Gründer der Company den Deal mit VW und was hat es für Vorteile?

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Er wird es nicht gerne lesen, aber Andreas Schwend ist kein hipper Start-up-Gründer. Der Schwabe strahlt unglaublich viel Dynamik mitunter Hektik aus, aber er ist digital Immigrant. Seine Company Diconium hieß früher DMC, Digital Media Center und war spezialisiert auf E-Commerce. Dort waren die Württemberger erfolgreich, aber nicht wirklich gehypte Highflyer. Immerhin, sie haben die DotCom-Krise um 2000 überstanden, ganz im Gegensatz zu Pixelpark, Kabel New Media oder ID Media.

In den letzten fünf Jahren haben Schwend und sein Mitgründer Daniel Rebhorn gemeinsam mit Geschäftsführer Andreas Magg das Unternehmen sukzessive umgebaut zum Volldienstleister in Sachen Transformation. E-Commerce gibt es nach wie vor, aber eben auch Dienstleistungen im Marketing, eigene Software im Bereich Voice und vor allem Strategieberatung. Und exakt in letzterem Segment haben die Schwaben die Aufmerksamkeit der Autoindustrie auf sich gezogen. Zunächst als Geheimprojekt gestartet, wurde das Joint Venture Cinteo mit Daimler zu einem Prototyp für einen Transformationshub, der zwar eigenständig denken und entwickeln darf, aber doch nah am alltäglichen Konzernbetrieb bleibt. Vor exakt einem Jahr entschied Daimler, Cinteo als internes Start-up im Konzern weiterlaufen zu lassen. Und Diconium wurde ein stückweit frei für Gespräche mit anderen Herstellern. Oder für Investitionen.

Zum Beispiel von VW. 49 Prozent von Diconium wollen die Niedersachsen übernehmen, wenn das Kartellamt zustimmt. Leidtragend ist vermutlich Sinner Schrader aus Hamburg. Die Hanseaten waren bislang einer der wichtigen Digitalpartner der Wolfsburger und sind seit zwanzig Jahren harter Wettbewerber von Diconium/DMC.

Herr Schwend, Glückwunsch zum VW-Deal. Haben Sie darauf hingearbeitet?

ANDREAS SCHWEND: Unsere Branche entwickelt sich sehr dynamisch. Wir haben viele Übernahmen von Unternehmen durch die großen Dienstleister gesehen. Auch wir haben uns natürlich aktiv überlegt, wie wir Diconium diesbezüglich auf weiteres Wachstum ausrichten. Ein Zusammengehen mit einer der großen Strategie- und Beratungsgesellschaften haben wir für uns jedoch nicht als valide Option bewertet. Und dann kam in den Gesprächen mit VW eins zum anderen.

Diconium ist nicht gerade ein StartUp. Was erhofft sich VW von Ihnen?

Wir verbinden die agile Kultur eines Startups mit über zwanzig Jahren Erfahrung im Digitalgeschäft. VW profitiert also nicht nur von unserem Business- und Technologie-Knowhow, sondern auch von unserer Flexibilität und Schnelligkeit bei der Umsetzung von Projekten.

Wie unabhängig  agiert Diconium in der Zukunft und bleiben Sie an der Spitze?

VW hat eine Minderheitsbeteiligung, Daniel Rebhorn und ich besitzen als Gründer und Managing Partner weiterhin die Mehrheit. Natürlich werden wir manche Entscheidungen mit VW abstimmen, das Tagesgeschäft bleibt davon aber weitgehend unangetastet. Zudem werden wir auch in Zukunft für Bestands- und Neukunden auf qualitativ hochwertigem Niveau tätig sein. Insofern stehen uns alle Wege offen, die Marke Diconium weiterzuentwickeln – als Synonym für die erfolgreiche Schaffung digitaler Geschäftsfähigkeit.

Was macht der Deal mit Ihrer Kooperation mit Daimler? Gibt es da einen Interessenskonflikt?

Unser gemeinsames Joint Venture Cinteo ging ja bereits 2017 vollständig in den Daimler Konzern über, firmiert heute unter Mercedes-Benz.io und agiert sehr erfolgreich als interner, digitaler Lösungsanbieter. Ungeachtet dessen ist die Daimler AG noch immer ein sehr wichtiger Kunde für uns. Wir haben eine über lange Jahre gewachsene Partnerschaft und gehen davon aus, dass wir auch in Zukunft unseren Teil für die verschiedenen Aufgabenstellungen bei Daimler beitragen dürfen. Um dies zu ermöglichen, haben wir unter anderem die Arbeitsbereiche für beide Kunden sauber voneinander getrennt.

Wo sehen  Sie den großen Nachholbedarf der Autobranche in Sachen Digitalisierung?

Überall da, wo es Berührungspunkte mit den Kunden gibt.

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