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Vuvuzelas sind eher Marketing-Gag als afrikanisches Kulturgut

Die Plastiktröte „Vuvuzela“ ist das geheime Markenzeichen der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft (WM). Statt in Fangesänge hüllen sich die Stadien und Fanzonen in lautstarkes Wespensummen, was Fernsehstationen, Ärzten, Anrainern und sogar den Fußballern selbst den letzten Nerv raubt. Verbote der Vuvuzela wurden lange diskutiert, doch steht der internationale Fußballverband FIFA hinter dem Instrument. „Es ist afrikanische Kultur, wir sind in Afrika und müssen den Afrikanern soviel Kulturausübung erlauben, wie sie nur wollen“, begründete dies FIFA-Präsident Joseph Blatter im Vorjahr.

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Südafrika-Experten sehen die Sache mit der Kultur jedoch anders. Gero Erdmann vom Leipzig-Institut für Globale und Regionale Studien berichtet, dass die Vuvuzela vor neun Jahren erfunden wurde und somit noch sehr jung sei. Auch könne man nicht von gesamtafrikanischer Kultur sprechen, da sich die Verbreitung bis zum Vorjahr allein auf Südafrika beschränkt habe. Auch das traditionelle Instrument, auf das sich der Erfinder in der Vermarktung bezieht, sei in der Kultur kaum präsent gewesen.

Als eindeutigen „Marketing-Gag“ enttarnt auch der Musikethnologe Bernd Clausen von der Universität Würzburg die Plastiktröte. Der Anschluss an traditionelle Musikinstrumente sei weitgehend aus der Luft gegriffen. „Signalinstrumente wie ausgehöhlte Antilopenhörner gibt es in vielen afrikanischen Kulturen und man setzte sie etwa im Schamanismus ein“, erklärt der Wissenschaftler. „Das sind jedoch kaum Instrumente mit der schallverstärkenden Trichteröffnung der Vuvuzela, und schon gar keine Plastikgeräte.“

Aus ethnologischer Sicht hält Clausen die umstrittene Tröte als bestes Beispiel dafür, wie die Globalisierung auch vor Musikinstrumenten nicht Halt macht. Besonders die Medien und die globalen Transportsysteme trieben die Verbreitung in Windeseile an, wobei es auch rasch Produzenten außerhalb Südafrikas gegeben habe. Er glaubt nicht, dass das Instrument zur Tradition im Weltfußball werde: „Die Vuvuzela ist eng verbunden mit diesem Event und dessen gemeinsamen Erleben. Fällt dieser Kontext weg, so verstummt und verstaubt das Instrument, genau wie die Fahnen nach der WM im Jahr 2006.“ pte

www.giga-hamburg.de

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