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Von Unsicherheiten, Selbstbewusstsein, europäischen Marken und großen Chancen

Zweifelsohne ist Indien – ein Land so groß wie Europa, mit 28 Bundesstaaten und über 1,2 Milliarden Einwohnern – allein von der Megacity Delhi aus nur begrenzt erfassbar. Mathias Haas konnte dennoch in 13 Interviews über Korruption, Bildung sowie deutsche und indische Unternehmen mit Expats, Jungunternehmern und anderen Geschäftsleuten sprechen. Lesen Sie seine Erlebnisse in seinem Länderreport Indien.

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Ein zentrales Thema: Rechtsuntersicherheit

In Schwellenländern ist Korruption sehr verbreitet, doch in Indien wird sie zum unternehmerischen Albtraum. Laut Transparency Institut liegt das Land an Platz 94 von 133 weltweit. Rechtsunsicherheit, Korruption, unberechenbare Behörden und Geschäftspartner sind für ausländische wie für lokale Unternehmen schwer zu ertragen. Egal ob Flugzeugleasingfirmen, Pharmariesen oder der Sportwagenhersteller – alle treffen auf chronisch überlastete Gerichte. „Doing Business“, eine Organisation der Weltbank, hat in unterschiedlichen Staaten untersucht, wie lange es dauert, bis Vertragsansprüche durchsetzbar sind. Indien kam hier auf Platz 184 von insgesamt 185. Eine zweite Zahl: die Unternehmensberatung Dr. Wamser + Batra haben erarbeitet, dass 50 Prozent aller deutsch-indischen Joint Ventures innerhalb der ersten 3 Jahre wieder auseinander gehen.

So hart die Bedingungen sind, das Selbstbewusstsein ist groß

Die Megacities Delhi und Mumbai sind wahnsinnige Treiber. Beispielsweise entstehen Malls, die auch fleißig angenommen werden. Als Mittelschicht werden über 300 Millionen Menschen definiert, quasi alle verheirateten Paar haben Kinder. Selbst in der Provinz stieg beispielswiese der Umsatz von Audi in den letzten zwölf Monaten um 43 Prozent, bei Mercedes um 5,4 Prozent. Mit der Landlust kommt dann auch Unilever gut zu Recht. Mit kleineren Verpackungseinheiten agiert der zweitgrößte Konsumgüterhersteller, und das obwohl noch zu 90 Prozent über Tante-Emma-Läden verkauft wird.

Aufholbedarf wird mit Marken bedient

„Delhi is a mega city where everything is about ‘showing off’ !“, so Garun Gutam, ein 27 jähriger Jungunternehmer. Er lebt, was er sagt: zum Interview-Termin kam er mit einem Volkswagen – stolz wurden angesagte Clubs und das hochwertigste Hotel der Stadt präsentiert.

Für Mathias Haas wurde immer wieder, regelmäßig und unübersehbar deutlich, dass „der Inder an sich“ ackert wie verrückt und der Wettbewerb irre hoch ist. Für die eigenen Kinder geht es um Bildung, koste es was es wolle – auch wenn der Druck die kleinen Menschen in den Wahnsinn treibt.

Die Zahlen sprechen für sich – Ausbildung für Millionen

So hat das „All India Institute of Medical Sciences” auf etwa 400 Studienplätze ungefähr eine Million Bewerber. Haas wurde mehrere Mal beschrieben, dass ein Abschluss mit 99 Prozent oder 100 Prozent gut genug ist, das 98 Prozent oder weniger aber zum Job im Call Center führt.

Gleichzeitig ist diese junge Gesellschaft die große Hoffnung. Gepaart mit der Transparenz und dem Zugang zu Wissen wird auch der ein oder andere nachwachsende Landwirt zum Audi-Fahrer und durchaus der nächste Traktor mit mehr als 30 PS gekauft. Letzteres wurde Haas beispielsweise beim Meeting mit Managern von New Holland Agriculture deutlich. Dort werden bisher importierte Mähdrescher jetzt auch in Indien produziert. Der Stolz war zu spüren, alleine die geografische Lage der Firma nennenswert, denn diese ist entscheidend. Hier stimmt die Infrastruktur inklusive Straßen und Stromversorgung. Während des Interviews hat nur das Licht im Bürotrakt geflackert – in der Produktion war sie stabil.

Vom „Service-Provider“ zum Produzenten

Die indische Denke ist auf das eigene Land fokussiert, obwohl die Einflüsse zum Beispiel aus China genauso sichtbar sind wie in Deutschland. Es wird und es muss das Ziel sein, den Subkontinent vom Service-Provider zum Produzenten zu wandeln, und es gibt für beide Sparten schon ordentliche Player. Nehmen wir nur Infosys und Tata. Der IT-Riese bedient schon heute den deutschen Markt, und BMW lässt sich in München mit einer „strategischen Infrastrukturmanagement-Partnerschaft“ bedienen. Tata dagegen bietet TV-Programm, Handyvertrag genauso an wie natürlich die Autos. Gerade kam das Facelift vom neuen Nano heraus – 13 km pro Liter, etwa 2.000 Euro für einen Neuwagen; Bosch-Komponenten inklusive.

Der Trendbeobachter Mathias Haas hat 13 Interviews mit insgesamt 15 Menschen in Indien geführt. Schauen Sie auf seinem Youtube-Kanal

vorbei und lesen Sie seinen kompletten Länderreport Indien auf seinem Blog.

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