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Voll Verschätzt und sehr weit weg von der Realität: Die Wahrnehmung der Deutschen

Die eigene Wahrnehmung stimmt oftmals nicht mit der Realität überein

Die eigene Wahrnehmung stimmt oftmals nicht mit der Realität überein. In Deutschland wurde vor allem der Anteil an muslimischen Mitbürgern überschätzt. Die Toleranz gegenüber Homosexualität, Abtreibung und vorehelichem Sex wurde dagegen eher unterschätzt. Auch glauben die Deutschen, dass das Gesamtvermögen in Deutschland viel gleichmäßiger verteilt ist.

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In 40 Ländern schätzte die Bevölkerung aktuelle Zahlen zur Bevölkerungsstruktur und gesellschaftsrelevanten Themen – und lag dabei teilweise ziemlich daneben. Das zeigt auch die aktuelle Studie „Perils of Perception“ des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Dr. Robert Grimm ist Associate Director Ipsos Public Affairs und meint zu den Ergebnissen: „Nie zuvor war die Welt transparenter, Wissen greifbarer. Smart Technology gibt uns Zugang zu Schrift, Ton und Bild globaler Medien und enzyklopädischen Datenbanken – zu jeder Zeit und an jedem Ort. Doch die Ipsos-Studie ‚Perils of Perception‘ bestätigt einmal wieder, dass die Diskrepanz zwischen dem, was wir zu wissen glauben und dem, was faktisch ist, groß ist. Menschen sind emotional gesteuert. In einer sich immer schneller vervielfältigenden und immer komplexeren Lebenswelt haben wir das Verlangen nach einfachen Antworten und sind damit zugänglich für Verzerrungen, Unwahrheiten, Simplifizierungen – ‚the Noise‘, wie es der Amerikanische Meinungsforscher Nate Silver nennt.“ In Deutschland liegen wir auch bei anderen Fragen ziemlich daneben, manchmal aber treffen wir auf den Punkt:

1. Aktuelle muslimische Bevölkerung

Der prozentuale Anteil an Muslimen in der deutschen Bevölkerung wird von den Deutschen weit überschätzt. Einer von fünf Deutschen (21 Prozent) sei muslimischen Glaubens, schätzen die Befragten – in Wirklichkeit ist es jedoch laut einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge etwa einer von zwanzig (5 Prozent). Damit ist der geschätzte Anteil vier Mal höher als die reale Zahl.

2. Zukünftige muslimische Bevölkerung

Auch den Zuwachs der muslimischen Bevölkerung in Deutschland schätzen wir höher ein. Knapp ein Drittel (31%) würden Muslime 2020 in der deutschen Bevölkerung ausmachen. Tatsächlich wird laut des Pew Research Centers ein Anstieg auf 6,9 Prozent erwartet.

3. Glück

Wir denken, unsere deutschen Mitbürger sind weit weniger glücklich als es Studien zeigen. Nicht einmal die Hälfte (45%) der deutschen Bevölkerung würde von sich selbst behaupten glücklich zu sein, schätzten die Befragten. Dabei gaben in einer aktuellen Studie acht von zehn (84%) an, alles in allem zufrieden zu sein.

4. Homosexualität

Die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe in Deutschland wird unterschätzt. Wir denken, ein Drittel (33%) der Deutschen würde Homosexualität moralisch nicht vertretbar finden. In Wirklichkeit ist es jedoch knapp einer von zehn (8%).

5. Sex vor der Ehe

Wir schätzen einer von fünf (18%) Deutschen sei gegen vorehelichen Sex. Tatsächlich findet einer von zwanzig (6%) das moralisch nicht akzeptabel.

6. Abtreibung

Den Anteil an Abtreibungsgegnern in der deutschen Bevölkerung überschätzen wir um knapp ein Viertel (24%). Wir denken vier von zehn (43%) Deutschen empfänden Abtreibung als moralisch verwerflich, wenn es eigentlich nur einer von fünf (19%) tut.

7. Reichtum der ärmsten 70 Prozent

Wir überschätzen das Vermögen der 70 Prozent der Bevölkerung, die am wenigsten besitzen. Mehr als ein Viertel (27%) des Gesamtvermögens der Deutschen würden sie schätzungsweise ihr Eigen nennen. Dabei macht der Anteil laut Credit Suisse gerade einmal 12 Prozent aus.

8. Wohneigentümer

In Deutschland gibt es mehr Haus- und Wohnungseigentümer als wir denken. Knapp die Hälfte der Haushalte (45%) wohnt im eigenen Haus oder der Wohnung. Geschätzt haben wir, dass es nicht einmal ein Drittel sei (28%).

9. Kosten der Gesundheitsversorgung

Wir schätzen, dass wir 20 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts für die Gesundheitsversorgung ausgeben. Darin ist sowohl die private als auch die gesetzliche Krankenkasse eingeschlossen. Tatsächlich ist es laut Weltbank knapp die Hälfte (11,3%).

10. Aktuelle Bevölkerungszahl

Die aktuelle Bevölkerungszahl haben wir auf den Kopf getroffen. Aktuell leben in Deutschland 82,18 Millionen Menschen. Unsere Schätzung: 82 Millionen.

11. Zukünftige Bevölkerungszahl

Bei der Einschätzung unserer zukünftigen Bevölkerungszahl liegen wir allerdings daneben. Statt eines von den Deutschen geschätzten Anstiegs auf 85 Millionen, wird von der UN prognostiziert, dass die deutsche Bevölkerung bis 2050 auf 74,51 Millionen schrumpfen wird.

Die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA und das Brexit Referendum in Großbritannien haben gezeigt, wie wenig dem Expertenwissen heute noch vertraut wird. „In der gegenwärtigen postfaktischen politischen Kultur wenden wir uns zunehmend von Wahrheiten ab und geben uns emotional geführten Diskursen hin. Es ist kein Zufall, dass die großen Themen populistischer Bewegungen wie der Anteil von Muslimen in Deutschland auch die Themen sind, bei denen die Antworten der Befragten unserer Studie sich am weitesten von der Wahrheit entfernen“, so Grimm.

Ein Blick auf die übrigen Teilnehmerländer zeigt, dass sich auch dort ordentlich verschätzt wurde: Viele Länder überschätzen ihre muslimische Bevölkerung um ein erstaunliches Maß. Beispielsweise wird in Frankreich durchschnittlich vermutet, dass 31 Prozent der Bevölkerung muslimisch sind, tatsächlich sind es nur 7,5 Prozent. Auch andere westeuropäische Länder wie Italien (20 Prozent/3,7 Prozent) und Belgien (23 Prozent/7 Prozent) verschätzen sich massiv. Die USA und Kanada sind ähnlich ungenau, beide vermuten durchschnittlich 17 Prozent Muslime gegenüber tatsächlichen Zahlen von 1 und 3 Prozent.

Vor allem in den europäischen Ländern neigen Menschen dazu, die Akzeptanz der Homosexualität  zu unterschätzen. In den Niederlanden wird durchschnittlich vermutet, dass 36 Prozent der Bevölkerung Homosexualität moralisch inakzeptabel finden, wenn es tatsächlich nur 5 Prozent tun. Ein ähnliches Ergebnis findet sich auch in Tschechien (43 Prozent/14 Prozent) und Spanien (34 Prozent/6 Prozent). Bürger weltweit neigen dazu, die Anzahl von Abtreibungsgegnern zu überschätzen. Die Niederländer denken, dass 37 Prozent ihrer Landsleute Abtreibung als unmoralisch betrachten würde, wenn es tatsächlich nur 8 Prozent sind. Ähnlich sieht es in Belgien (31%/6%) und Dänemark aus (26%/4%). Die Italiener liegen mit ihrer Schätzung dagegen fast richtig (44%/41%).

Die derzeitige Bevölkerungsgröße ist einer der wenigen Bereiche der Studie, in der die Schätzungen sehr genau waren. In den meisten Fällen verschätzten sich die Befragten höchstens um 5 Prozent. Während die Befragten in der Regel die aktuellen Bevölkerungszahlen recht gut einschätzen, ist dies mit den Bevölkerungsprognosen für 2050 nicht der Fall. Die Spanier und die Dänen lagen wie die Deutschen zu hoch bei ihrer Schätzung. Wie die Deutschen prognostizierten sie ein Bevölkerungswachstum anstelle einer Abnahme. Die USA hingegen werden voraussichtlich stärker wachsen, als seine Bevölkerung es vermutet. Die UN schätzt, dass es bis 2050 389 Millionen Menschen in den USA geben wird. Die Amerikaner glauben, dass sie nur 351 Millionen Einwohner haben werden. Mit 38 Millionen liegen sie damit rund 10% daneben.

Zur Studie: Diese Ergebnisse stammen aus einer Studie, die zwischen dem 22. September und 16. November 2016 unter 28.256 Befragten in 40 Ländern durchgeführt wurde. Teilnehmende Länder waren Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Kanada, Chile, China, Kolumbien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Ungarn, Indien, Israel, Italien, Japan, Mexiko, Peru, Polen, Russland, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweden, Türkei und die USA. In Australien, Brasilien, Kanada, China, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Japan, Montenegro, den Niederlanden, Norwegen, Serbien, Spanien und den USA wurden ca. 1.000 Personen befragt. In den restlichen Ländern wurden jeweils rund 500 Personen befragt. Die Daten wurden mittels einer Kombination von Online-, Telefon- (CATI) oder Face-to-Face-Methoden erhoben. Die Daten werden gewichtet, um dem Profil der Bevölkerung zu entsprechen. 

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Kommentare

  1. Also, sorry, aber das hier

    „…wir schätzen einer von fünf (18%) Deutschen sei gegen vorehelichen Sex. “

    halte ich schlicht für ausgeschlossen.

    Das entspricht weder dem Verhalten der Deutschen noch den Veröffentlichungen in den Medien, noch den Äußerungen der Mitmenschen.

    Wie sahen denn die Fragen aus?

    Habt Ihr mal versucht zu prüfen, ob die Umfrage manipuliert war?

    Waren die Befragten vielleicht in einem Nonnenkloster?

    1. „Tatsächlich findet einer von zwanzig (6%) das moralisch nicht akzeptabel“. Heißt: Die Schere geht auch bei dieser Antwort weit auseinander, zwischen dem, was Menschen glauben (18%), und den tatsächlichen Antworten/Auswertungen (nur 6 %).

  2. Fragt sich, wie genau das Bundesamt für Migration zählt. Bei dessen Zahlen fällt auf:

    – Konvertiten, also deutsch- und europäisch-stämmige Muslime, wurden nicht mitgezählt.

    – Muslime aus Ländern, die nicht mehrheitlich islamisch sind und nach Deutschland zugewandert sind (ganz vorne Bulgarien und Rumänien), wurden auch nicht mitgezählt.

    Im Jahr 2000 sollen übrigens rund 3 Millionen Muslime in Deutschland gelebt haben. 15 Jahre später nun etwa 4,7 Millionen. Das ist fernab von den Schätzungen der Befragten, aber trotzdem eine beachtliche Steigerung.

    1. Im Islam gibt es keine schriftliche Mitgliedschaft, wie wir es von unserem christlich geprägten Europa gewöhnt sind. Damit können die staatlichen Stellen gar nicht „zählen“, sondern nur schätzen. Und da werden dann einfach die Anzahl der Leute aus einem bestimmten Land genommen und dann der dortige Anteil der Moslems an der Gesamtbevölkerung herangezogen. Und damit sind diese Zahlen dann i. d. R. zu hoch. Der Anteil der Christen an den Flüchtlingen aus dem Irak ist z. B. deutlich höher als an der dortigen Bevölkerung. Es fliehen ja die, die verfolgt werden. Und das sind oft die Minderheiten. (Quelle: Statistisches Amt der Stadt Stuttgart)

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