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Versagt beim Autofahrer die Kreuzpreiselastizität?

Stellen wir uns vor, Benzin wird über mehr als 15 Jahre Cent für Cent teurer. Der Aufschrei des ADAC ist gewiss, das Abendland steht vor dem Untergang und die „Milchkuh“ des Finanzministers wird müde. Jeder würde vermuten, dass sich so etwas auf den Verkauf von Autos auswirkt. Richtig! Und wie? In Deutschland steigen permanent die PS-Leistungen der Neuwagen.

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Mittlerweile sind es 138 PS, die im Schnitt unter der Motorhaube stecken. Im Jahr 1995 waren es 95 PS, im Jahr 2000 waren es 111 PS, 2005 dann 123 PS bis eben 138 PS heute. Einzige Ausnahme war das Abwrackprämienjahr 2009, weil eben viele Kleinwagen mit staatlicher Stütze unter die Leute gebracht wurden. Versagt also die Kreuzpreiselastizität bei Deutschlands Autokäufern? Gilt der Zusammenhang, je höher der Spritpreis, umso höher die PS-Zahl unserer Autos?

Nun, mehr PS bedeuten nicht unbedingt mehr Verbrauch. Das zeigen die Normverbräuche, so wie sie von den Autobauern nach EU-Vorgabe in einem 20-Minuten Testzyklus berechnet werden. Die simulierte Spitzengeschwindigkeit bei diesem Test beträgt 120 Stundenkilometer. Sämtliche elektrische Verbraucher, wie etwa Scheibenwischer oder Klimaanlage sind beim Test ausgeschaltet und die Beschleunigung ist eben geruhsamer – nicht gerade „Ferrari-like“. Wunderschöne Testzustände, um zu zeigen, dass trotz mehr PS der Verbrauch sinkt. Dass jemand bei 300 PS unter der Haube auch mal den Testzyklus über Bord wirft, wird ausgeklammert. Es wird unterstellt, 300-PS-Autos würden gekauft, um den EU-Normtest „nachzufahren“. Nur so komme man zum sinkenden Verbrauch bei höherer PS-Zahl.

72 PS sind bei Kleinstwagen der Durchsschnitt

Landläufige Meinung ist, dass die dicken Schlitten und tiefliegenden Sportflitzer unsere PS-Zahlen zum Steigen bringen. Immerhin hat das Luxusklasse-Fahrzeug á la Audi A8 oder BMW 7er in den letzten fünf Jahren im Schnitt 29 PS mehr unter der Haube und liegt jetzt bei 322 PS. Bei typischen Sportwagen sind es 302 PS, plus 19 PS in den letzten fünf Jahren. Da spielt der ein oder andere Ferrari mit 740 PS nicht die große Rolle. Schaut man aber die Kleinstwagen an, so wie den Smart, sind mittlerweile 72 PS, also plus fünf PS der Durchschnitt. Bei den Kleinwagen á la Opel Corsa liegen wir bei 90 PS – plus sechs PS. Und bei den Kompaktfahrzeugen wie etwa dem VW Golf bei 124 PS, vier PS mehr als noch vor fünf Jahren. Der Trend zu mehr PS zieht sich durch alle Fahrzeugklassen und selbst Dacia schwimmt mit. Es ist ein sehr stabiler Trend. Allein die Welle der sportlichen Geländewagen, gerne auch SUV (Sport Utility Vehicle) genannt, garantiert, dass die PS-Leistung unserer Neuwagen auch in der Zukunft weiter steigen wird.

Mehr PS machen eben Spaß

Benzinpreis hin, Benzinpreis her – Mehr PS machen eben Spaß. Und beim Spaß versagt die Kreuzpreiselastizität. Sie funktioniert nur, wenn wir es mit rationalen Menschen zu tun haben. Und beim Spaß hört die Rationalität eben auf. Weil das die Autobauer wissen, gibt es mehr PS. In ein paar Tagen steht der neue VW Golf bei den Händlern. VW-Chef Winterkorn würde etwas falsch machen, wenn die PS-Leistungen nicht steigen würden. Früher war es übrigens auch beim Spritverbrauch so: Größer, stärker, mehr Verbrauch, bis die miesepetrigen EU-Beamten CO2-Ziele festgelegt haben. Seitdem sinken der CO2-Ausstoß und der Spritverbrauch. Manchmal scheint Brüssel die Kreuzpreiselastizität zu retten.

Über den Autor: Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

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