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Umfassende semantische Systeme im Web sind wahrscheinlich eine Utopie

„Antwort- und Entscheidungsmaschinen“ sollen zum Kontext einer Anfrage in der Web-Welt nicht nur eine Flut von Links auswerfen, sondern verstehen, welche anderen Begriffe verwandt sind oder innerhalb eines Wissensnetzes in der Nähe liegen. Doch die Verheißungen des semantischen Webs bleiben nach Informationen von Gunnar Sohn, Chefredakteur des Online-Nachrichtendienstes „Neue Nachricht“ bislang aus.

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Zwar verfolge Microsoft beispielsweise mit „Bing“ ehrgeizige Ziele, doch würden semantische Analysen bisher nur in sehr abgegrenzten Themenfeldern funktionieren. Denn semantische Suchmaschinen mit allgemeiner Ausrichtung blieben nach einem Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ bis jetzt ohne größeren Erfolg: „Da macht Google immer noch das Rennen. Zumal die Google-Programmierer ihrem Algorithmus immer neue Feinheiten hinzufügen; neuerdings lässt sich beispielsweise der Zeitraum der Suche eingrenzen“. Bei allen anderen Ansätzen kämen von den Nutzern selbst eingespeiste Schlagworte, so genannte „Tags“ zum Tragen. Eine Software analysiert diese laut „Die Zeit“ dahingehend, inwiefern sie sich mit Inhalten von Websites decken. Das allein reicht laut Andreas Klug, Vorstand vom semantische, soziolinguistische und dynamisch lernfähige Methoden entwickelnden Unternehmen Ityx, aber nicht aus: „Moderne Ansätze der semantischen Informationsbewertung benötigen kein manuelles ‚Tagging’. Sie beziehen das explizite und implizite Verhalten der Nutzer bei der Informationssuche dynamisch in die Optimierung des Wissens ein. Durch die Verknüpfung zwischen Suchbegriffen und bewerteten Inhalten werde eigenständig Wissen generiert. Dabei könne sowohl die aktive Bewertung der Antworten wie das bloße Betrachten von Objekten deren Relevanz dynamisch beeinflussen. Der Nutzen semantischer Methoden wachse durch die Abgrenzung von Informationen in sogenannten „Wissensräumen“. „Diese abgegrenzten Domänen bilden schnell Wissen ab, wenn viele Anfragen zu einem abgrenzbaren Themenkreis in kurzer Zeit verarbeitet werden können. Der große Wurf wird aber mit den lernfähigen Methoden gelingen“, ist Klug überzeugt.

„Große Unternehmen beschäftigen sich schon seit Jahren mit dem Thema Datenmengen für Maschinen besser analysierbar und verständlicher zu machen. Der Ansatz des semantischen Web birgt daher wesentlich mehr Potenzial als die häufig diskutierte Verbesserung von Suchalgorithmen oder das menschliche Tagging von Inhalten in der stetig wachsende Anzahl an Internetseiten, die derzeit Google als Platzhirsch mit sinkendem Erfolg indiziert“, sagt Björn Behrendt, Geschäftsführer der Wissenscommunity „Hiogi“. Wenn sich W3C-Standards für die einheitliche Beschreibung von Daten eines Tages durchsetzten, könnten daraus völlig neue Anwendungsgebiete entstehen. Seiner Meinung nach werden vor allem Unternehmen in der Lage sein, die Daten ihrer Abteilungen für Forschung und Entwicklung sowie Zulieferer auf völlig neue Weise technisch verwertbar und austauschbar zu machen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg die effektive und sichere Verlinkung von Daten ist. Es sei kaum auszumalen, wohin es führe, wenn Softwaresysteme diese ausgetauschten Daten logisch zu Metathemen zusammenfassen und inhaltliche oder aber auch gefühlstechnische Zuordnungen und Empfehlungen automatisch treffen könnten. Behrendt teilt daher die Skepsis gegenüber den semantischen Suchmaschinen: „Es wird keinen Google-Killer geben. Bei Unternehmensdaten, APIs, Applikationsentwicklung, Contextual Advertising, Profiling und damit im E-Commerce sind die Potenziale von verlinkten Daten gigantisch.“

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