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Studien der Woche: das Kommunikationsmittel Nr 1., die alte Bevölkerung und Deutschlands digitales Potenzial

In unseren Studien geht es diese Woche um die Überalterung der Bevölkerung, Telefon statt Whatsapp und Deutschlands digitales Potenzial

Marktforschung und Wirtschaft veröffentlichen täglich neue Studien, die für Unternehmen und Marketer wichtig sein können. absatzwirtschaft liefert eine Zusammenschau der wichtigsten Ergebnisse der vergangenen Woche.

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Top 1: Gravierende Folgen des demographischen Wandels

Nicht nur die Brexit-Entscheidung in Großbritannien hat offenkundig gemacht, wie sehr demografischer Wandel und Überalterung der Bevölkerung die nächste Generation zum Opfer von Mehrheitsverhältnissen machen können. Die ältere Generation stellt, in Großbritannien ebenso wie in Deutschland, das größte Wählerpotential dar und die Jugend ist zur Minderheit geworden. Bei der Brexit-Entscheidung hatten die jungen Wähler mit ihren Gegenstimmen keine Chance, auch wenn sich mehr von ihnen an der Wahl beteiligt hätten. Kann es auch in Deutschland zu Werte- und Entscheidungskonflikten kommen? Die Ipsos-Werteumfrage des Zukunftsforschers Opaschowski weist nach, dass es eine große Kluft in der Werteorientierung zwischen Jung und Alt gibt.

Bei der Frage, welche Werte im Leben besonders wichtig sind,  gibt es nur eine Übereinstimmung: Jung (14-24 Jahre) und Alt (65+ Jahre)  messen der Ehrlichkeit die größte Bedeutung in ihrer Wertehierarchie zu.  Ansonsten setzen die Generationen ganz unterschiedliche Prioritäten:

– Die 14- bis 24-Jährigen legen großen Wert auf die „Selbstständigkeit“ (69%), für die 65plus-Generation ist die „Höflichkeit“ (71%) wichtiger.

– Für die Jüngeren steht  „Freundlichkeit“ auf Platz 3, bei Senioren nimmt „Verlässlichkeit“ diesen Platz ein.

– Die Jungen betonen besonders das „Selbstvertrauen“, die ältere Generation weist hingegen mehr auf die Bedeutung von „Benehmen und Anstand“ hin.

– Und schließlich zählt bei den Älteren zu den fünf wichtigsten Werten im Leben der „Fleiß“, für die Jungen hat „Hilfsbereitschaft“ eine größere Bedeutung.

Sicher hat es in den Werteorientierungen und Lebenseinstellungen schon immer Unterschiede zwischen den Generationen gegeben. „Neu ist hingegen das generative Ungleichgewicht in einem historisch unvorstellbaren Ausmaß“ betont Professor Opaschowski und nennt ein Beispiel: Noch 1967 hatte das amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“ die Generation der unter 25-Jährigen zur Persönlichkeit des Jahres („Man of the Year“) erklärt. Sie war dominant und tonangebend. 44 Prozent der Einwohner Deutschlands waren seinerzeit keine dreißig Jahre alt.

Jetzt kehrt sich das Verhältnis um. Es kommt zu gravierenden Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Opaschowski: „Der Übermacht der Alten kann schon bald die Ohnmacht oder gar Entmachtung der Jungen gegenüberstehen. Wird in naher Zukunft die Generation 65plus zum ‚Man of the Year‘ erklärt werden, weil es bis zum Jahr 2060 in Deutschland nur noch halb so viele junge Einwohner unter 20 Jahren wie Menschen im Alter von über 65 Jahren gibt?“ (vgl. Statistisches Bundesamt 2015: Bevölkerung Deutschland bis 2060). Mit der weiteren Zunahme der Lebenserwartung kann es zu neuen gesellschaftlichen Generationskonflikten kommen.

Repräsentative face-to-face Mehrthemenumfrage von 1.000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland. Feldzeit: 09. bis 15.05.2016.

Top 2: Telefon statt Whatsapp und Co.

Auch wenn das Leben immer digitaler wird, bleibt das Telefon doch das wichtigste Kommunikationsmittel im Joballtag. Eine neue Untersuchung zeigt, dass innerhalb eines Unternehmens 81 Prozent der berufstätigen Befragten regelmäßig zum Telefonhörer greifen; E-Mails verschicken hingegen nur 77 Prozent (Mehrfachnennungen möglich). Privat häufig genutzte Kommunikationskanäle wie WhatsApp oder Facebook sind im Job deutlich seltener im Gebrauch; sie werden aber immerhin schon von rund jedem Fünften (21 Prozent) auch beruflich eingesetzt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die nextMedia.Hamburg gemeinsam mit Statista durchgeführt hat.

Schon lange sind nicht mehr nur Selbstständige auf Zusammenarbeit und den gegenseitigen Austausch von Know-how angewiesen, tatsächlich kann jedes Unternehmen vom Wissenstransfer seiner Mitarbeiter profitieren – und dafür können mit dem Einsatz probater Kommunikationstools die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Neben den privat gebräuchlichen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme gibt es nämlich auch spezielle Businesstools, die durch die Bündelung von Kommunikationsarten die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch fördern sollen. Unter allen Befragten nutzen Angebote wie Skype for Business und Slack immerhin schon 16 Prozent zur Kommunikation innerhalb des Unternehmens, bei den 30- bis 39-jährigen sind es sogar 21 Prozent. Deren Nutzung lässt sich als Gradmesser für eine zunehmende Digitalisierung der Kommunikation und des Wissensaustauschs in deutschen Unternehmen verstehen.

Dabei sind aber nicht zwingend die jungen Berufstätigen Antreiber der Digitalisierung der Kommunikation: Mit 17 Prozent nutzen die 18- bis 29-jährigen nur etwas mehr als der Durchschnitt die Businesstools. Beliebter für die unternehmensinterne Kommunikation sind WhatsApp und Co., die die 18- bis 29-jährigen mit 29 Prozent deutlich öfter als ihre älteren Kollegen verwenden (16 Prozent bei den 40- bis 49-jährigen). Doch das persönliche Gespräch ist auch in der jungen Altersgruppe das Maß der Dinge: So nutzen 81 Prozent das Telefon, wohl auch, weil sich so dringende Rückfragen schnell klären lassen. Auch wenn es um die Kommunikation mit Kunden oder Dienstleistern geht, ist das Telefon besonders gefragt: Mit 78 Prozent liegt es knapp vor der E-Mail (71 Prozent). Daneben kommen aller Innovationen zum Trotz andere Kommunikationstools kaum zum Einsatz.

Top 3: Deutschland schöpft den wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung nicht aus

Aktuell nutzt das Land nur 10 Prozent seines digitalen Potenzials – und damit weitaus weniger als der EU-Durchschnitt (12 Prozent) oder Länder wie Großbritannien (17 Prozent), die Niederlande und Schweden (je 15 Prozent) oder die weltweit führenden USA (18 Prozent). „Wenn Deutschland sein digitales Potenzial optimal nutzen würde, könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2025 um einen Prozentpunkt jährlich zusätzlich wachsen – das sind umgerechnet insgesamt rund 500 Milliarden Euro“, stellt McKinsey-Seniorpartner Karel Dörner fest. Für ganz Europa ergebe sich ein zusätzliches Potenzial von 2,5 Billionen Euro. Dies sind die zentralen Ergebnisse der Studie „Digital Europe“, die das McKinsey Global Institute (MGI) vergangene Woche in Paris vorgestellt hat. Der volkswirtschaftliche Think Tank der Unternehmensberatung hat dafür erstmals einen „Industry Digitisation Index“ erstellt, der alle relevanten Branchen berücksichtigt und einen Digitalisierungsgrad für jedes Land berechnet.

Die Digitalwirtschaft macht der Studie zufolge mittlerweile 5,4 Prozent der deutschen Gesamtwirtschaft aus. Damit liegt Deutschland leicht über dem EU-Durchschnitt von 5,0 Prozent. Überdurchschnittlich ist auch die Zahl der Internetnutzer: Rund 85 Prozent der 16- bis 74-jährigen Deutschen surfen regelmäßig im Internet, im EU-Durchschnitt sind es 75 Prozent. Beim Thema Netzabdeckung ist Deutschland allerdings Schlusslicht in Europa: Schnelle mobile Datenverbindungen (3G) gibt es nur für 92 Prozent der Haushalte. Der EU-Durchschnitt liegt bei 98 Prozent.

Am stärksten digitalisiert sind in allen EU-Ländern die Informations- und Telekommunikationsbranche sowie Medien und Finanzdienstleistungen. Zurück liegen vor allem kapitalintensive Branchen wie die Fertigungsindustrie, überwiegend staatliche Sektoren wie Gesundheits- und Bildungswesen sowie fragmentierte und lokale Branchen wie Bauwirtschaft und Hotelgewerbe. Dies gilt auch für Deutschland – allerdings auf einem im EU-Vergleich in vielen Branchen niedrigeren Niveau: Vor allem im Dienstleistungs-, Transport- und Logistikbereich schneidet Deutschland unterdurchschnittlich ab.

Besonderen Nachholbedarf für Europa belegt die MGI-Studie beim Blick auf die Gründerszene. „Natürlich gibt es auch in Europa erfolgreiche Start-ups oder etablierte Unternehmen, die sich erfolgreich digitalisiert haben“, so Dörner. Doch führende Digitalstandorte wie Berlin, London, Paris und Stockholm hätten noch nicht zu den amerikanischen Pendants wie San Francisco oder New York aufgeschlossen. Von den 20 nach Marktkapitalisierung größten Internetunternehmen kam 2015 keines aus Europa. Unter den „Unicorns“-Start-ups mit einer Bewertung über 1 Milliarde Dollar – stammen lediglich fünf aus Europa. Dörner: „Wir sehen allerdings, dass Europa bei den Zukunftsthemen ‚Internet der Dinge‘ und ‚Big Data‘ aufholt. Diese Technologien werden für unsere industriebasierte Volkswirtschaft entscheidend sein.“

Die Ergebnisse basieren auf dem neuen MGI Industry Digitization Index. Er umfasst 21 Einzelindikatoren, die die Digitalisierung von Unternehmen abbilden: Digitale Assets (u.a. Investitionen in Hard- und Software), Digitale Nutzung (u.a. Anteil E-Commerce, Nutzung von Social Media und Advanced Analytics) sowie Digitale Arbeit (u.a. Anteil von IT-Jobs).

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