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Studie: Zieht das Thema „Familie“?

In kaum einem anderen Land der Welt zählt die Familie so wenig wie in Deutschland. Eine Studie des Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn untersucht den familiären Zusammenhalt in 78 Ländern.

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Demnach sind die familiären Bande lediglich in Litauen noch schwächer. Die Wissenschaftler untersuchten auch, inwieweit die regional unterschiedliche Rolle der Familie wirtschaftliche Folgen hat. Ihr Fazit: Wo die Familie eine zentrale Rolle spielt, nehmen Frauen weit seltener am Erwerbsleben teil. Gleichzeitig gaben die Bewohner dort an, mit ihrem Leben zufriedener zu sein.

Die Studie von Alberto Alesina und Paola Giuliano, die beide an der US-Eliteuniversität Harvard forschen, analysiert Umfragedaten des „World Value Surveys“ aus 78 Ländern. In dieser Umfrage zu Werten und Normen fragen Forscher danach, wie groß der Stellenwert der Familie für die Befragten ist, wie groß der Respekt gegenüber den Eltern ist und ob Eltern ihr eigenes Wohlergehen zu Gunsten ihrer Kinder zurückstellen sollten. Die Forscher berechneten aus den gegebenen Antworten einen Gesamtwert, der Aufschluss über die gesellschaftliche Stellung der Familie im jeweiligen Land gab.

Das Ergebnis: In Litauen, Deutschland und den Niederlanden sind die familiären Bande am schwächsten, dicht gefolgt von den Ländern Skandinaviens. Besonders wichtig ist die Familie dagegen in Afrika, Asien und Südamerika. Die Formel „reiche Länder = schwache Stellung der Familie“ greife jedoch zu kurz, sagen die Forscher: Die Vereinigten Staaten belegen ebenso wie Kanada, Irland oder auch Frankreich einen Platz im Mittelfeld.

Der Untersuchung zufolge sind die familiären Bande in ehemals kommunistischen Staaten auch bald zwanzig Jahre nach der „Wende“ immer noch schwächer ausgeprägt als im Westen. „Folge der Omnipräsenz staatlicher Regelungen“, inzterpretieren die Wissenschaftler. Insofern könne auch von einer erheblichen innerdeutschen Diskrepanz in dieser Hinsicht ausgegangen werden. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Untersuchung: Zuwanderer werden noch lange Zeit von den familienbezogenen Werten und Normen des Herkunftslandes geprägt und passen sich im Durchschnitt erst über Generationen hinweg den Einstellungen in der neuen Heimat an.

Die Forschungsarbeit geht auch der Frage nach, inwieweit der Familie heute noch die Funktion zugeschrieben wird, soziale Absicherung zu gewährleisten. Die Befragten sollten angeben, ob sie bereit wären, für gut funktionierende soziale Sicherungssysteme höhere Steuern zu bezahlen. „In Ländern mit starken familiären Bindungen wird dies häufiger mit nein beantwortet“, erläutert Paola Giuliano – vermutlich deshalb, weil hier die Familie als „Versicherung“ einspringt, wenn ein Familienmitglied Not leidet. Daher besteht für staatliche Sicherungssysteme eine geringere Notwendigkeit.

Ein starker Familienzusammenhalt scheint auch glücklich zu machen: „Wo die Familie eine zentrale Rolle spielt, geben die Bewohner im Schnitt deutlich häufiger an, mit ihrem Leben sehr zufrieden zu sein“, schreiben die Autoren der Untersuchung. (A. Alesina/P. Giuliano, The Power of the Family; IZA Discussion Paper 2750). (-mu)

ftp.iza.org/dp2750.pdf

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