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Streit um Online-Plattform für Nachhaltigkeit entbrannt

Die Online Claims Plattform des Forest Stewardship Council (FSC) stößt bei Papier- und Verpackungsindustrie auf Kritik und Widerstand: Die Betreiber des Zertifikats wollen Mitgliedsunternehmen dazu bringen, Lieferanten- und Kundenbeziehungen auf der Plattform offenzulegen. Diese Daten sollen zwar nur den Prüfern für das Zertifizierungsverfahren zur Verfügung stehen – aber die Mitglieder sorgen sich um Datenschutz und -Sicherheit.

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Von Raoul Fischer

Eigentlich ist es eine gute Sache. Das internationale Forest Stewardship Council mit Sitz in Bonn zertifiziert Unternehmen, die Holz verarbeiten oder mit Holz handeln, die Rohstoffe für Papier liefern, Papier herstellen oder weiterverarbeiten. Die FSC-Zertifizierung soll Verbrauchern signalisieren, dass ein konkretes Produkt aus einer nachhaltigen Fortwirtschaft stammt. Doch jetzt gibt es Ärger um dieses Umwelt-Siegel.

Verstoß gegen europäisches Kartellrecht?

Stein des Anstoßes ist eine neue Online-Plattform, auf der die Mitglieder des FSC sämtliche Kunden- und Lieferantenbeziehungen offenlegen sollen. Dagegen laufen vor allem der Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) und der Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI) Sturm. Der Vorwurf: Die neue Online Claims Platform (OCP) sei nicht Datenschutz-konform und verstoße zudem gegen das europäische Kartellrecht. Während sich der FSC öffentlich gegen die Vorwürfe wehrt, versuchen manche Mitglieder eher still, die Einführung der OCP in ihrem Sinne umzugestalten.

An dem Zertifikat des FSC kommt letztlich niemand vorbei. Das Siegel soll dem Verbraucher die Sicherheit geben, dass Bretter, Furniere, Papier, Verpackungen oder andere Produkte, die aus Holz gewonnen werden, nicht etwa aus illegal abgeholzten Regenwäldern stammen, sondern aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

FSC-Siegel weltweit etabliert

Nach Aussage von Wolfgang-Michael Hanke, Herstellungsleiter des zur Bertelsmann-Gruppe gehörenden Verlages Random House, bevorzugen WWF, Greenpeace und alle großen Umweltschutz-Organisationen das Zertifikat des FSC (BrandEins 9-2012). Das Siegel, das jährlich durch unabhängige Auditoren überprüft und erneuert wird, hat sich weltweit etabliert. Anders gesagt: „Die Überprüfung ist ein guter Standard, um Nachhaltigkeit mit Blick auf die Forstwirtschaft sicherzustellen“, erklärt auch Vanessa Sterner, Referentin Rohstoffe des VDP, anlässlich einer Pressekonferenz Ende Mai in Frankfurt.

Der Verband hatte gemeinsam mit dem Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI) eingeladen, um auf ein Problem aufmerksam zu machen: Die neue Online Claims Platform (OCP) des FSC, mit der der Verband eigentlich die schnelle Information seiner Auditoren und Transparenz gewährleisten will, verstößt laut VDP in ihren AGB gegen geltendes Recht. Der Verband stützt sich dabei auf eine Analyse durch eine unabhängige Rechtsanwaltskanzlei. „In ihrer jetzigen Form sind die AGB der OCP zum Teil rechtswidrig. Darüber hinaus können grundlegende Anforderungen an die Datensicherheit nicht gewährleistet werden“, sagt Klaus Windhagen, Hauptgeschäftsführer des VDP.

Vorwurf: Zertifizierung ist eine Art „Schutzgeld-Geschichte“

Die Angelegenheit wird umso pikanter, als sich die FSC-Zertifizierung mittlerweile zu einer Art „Schutzgeld-Geschichte“ entwickelt haben soll. So heißt es zumindest in dem „Schwarzbuch FSC“ von Hannes Elstner, dem ehemaligen Chefredakteur der Zeitschrift ProWald. Elster beschreibt darin, wie dieselben Naturschutzverbände, die an der Gründung des FSC beteiligt waren, der heute die Beiträge für die Zertifizierung eintreibt, die Verbraucher anhaltend in Alarm versetzen, damit diese ökologisch nachhaltig einkaufen. Anders gesagt: Kein Unternehmen, das mit Papier- und Holzprodukten handele oder dieser verwende, könne es sich leisten, aus der Zertifizierung auszuscheren – sagt zumindest Martin Drews, Bereichsleiter Rohstoffe und Recht des VDP.

Aber was ist genau das Problem? Für die Online Claims Platform sollen laut VDP die FSC-Mitglieder sensible Firmendaten zu Kunden und Lieferanten in einer cloud-basierten Internet-Plattform einstellen, die von dem Dienstleister Historic Futures betrieben wird. Das heißt, eine Online-Datenbank mit Sitz in Irland verfüge über das komplette Bild zu Warenströmen der Holz verarbeitenden Industrie, erklärt Drews vom VDP. Allein das widerspreche schon den Compliance-Regeln vieler Unternehmen.

Hinzu komme, dass die AGB zu OCP sowohl dem FSC selber, als auch Historic Futures das Recht für den Zugriff auf die Datenbank, die Datenverarbeitung und die Weitergabe der Daten an Dritte eingeräumt werden sollen. Der Verband selber ist nicht Mitglied des FSC. Allerdings wären auch VDP-Mitglieder betroffen, falls die Teilnahme an der Online Claims Platform – die derzeit noch in der Testphase ist – mit Blick auf die FSC-Zertifizierung verpflichtend würde. Der Verband hat seinen Mitgliedern empfohlen, nicht an der Testphase teilzunehmen.

FSC verweist auf Rechtsgutachten

Der FSC hingegen bestreitet die Vorwürfe. Eine Überprüfung durch den Datenschutz-Beauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen habe ergeben, dass keinerlei Beanstandungen mit Blick auf Datenschutz bestünden. Im Rahmen einer Stellungnahme zu den Vorwürfen des VDP erklärt der FSC zudem, dass zahlreiche Rechtsgutachten bestätigt hätten, dass OCP und die AGB für die Online-Plattform nicht gegen gängige Compliance-Regeln verstießen. Der FSC erklärt zudem ausdrücklich, dass die Daten von den Mitgliedsunternehmen kontrolliert würden – auch Zugangs- und Verarbeitung-Rechte. Es gäbe keine Versuche oder Intentionen der Nutzer der Datenbank, diese Informationen mit anderen zu teilen. Noch sollten die FSC-Mitglieder durch komplizierte Texte getäuscht werden, heißt es in dem Statement.

Dennoch scheinen auch die Mitgliedsunternehmen des FSC Nachbesserungsbedarf zu sehen. Die von VDP und FFI angeführten Kronzeugen wollen sich zwar direkt zu dem Vorgang nicht äußern, bestätigen aber, dass im Hintergrund mit dem FSC verhandelt würde, um das Thema OCP einer für alle Seiten akzeptablen Regelung zuzuführen. Grundsätzlich vertraue man aber dem Verband und seiner Zertifizierung als dem Standard zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft, sagen einzelne Mitglieder. Bei VDP und FFI ist das Vertrauen hingegen offensichtlich erschüttert. Vor Gericht gehen wollen die Verbände laut Martin Drews aber derzeit nicht: Man sehe eher eine Chance darin, öffentliche Aufmerksamkeit für die Problematik zu schaffen.

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