Suche

Werbeanzeige

Stimmanalyse: Wenn die Sprache über einen Job entscheidet

Wie klingen Sie?

Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: Eine Software erstellt allein anhand der Sprache ein detailliertes Persönlichkeitsprofil einer Person. Sie kann dadurch ermitteln, ob ein Bewerber zu einem Unternehmen passt oder nicht. Der Inhalt des Gesprächs aber ist völlig egal. Allein die Art und Weise, wie der Job-Interessent spricht, entscheidet. Sieht so die Zukunft des Bewerbungsgespräches aus?

Werbeanzeige

Von Robert Tusch

15 Minuten – länger braucht die Software des Aachener Unternehmens Precire nicht, um die Person am anderen Ende des Telefons zu durchleuchten. Scheinbar belanglose Fragen muss sie beantworten, zum Beispiel, wie ein typischer Sonntag aussieht oder welches Ereignis in den vergangenen Monaten ihr besonders stark in Erinnerung geblieben ist. Was genau der Bewerber während der Viertelstunde erzählt, ist egal. Wichtig ist, wie er es sagt. Seine Sprechgeschwindigkeit, die Anzahl der Pausen, die Komplexität der Sprache, die Betonung – all das gibt Auskunft über die Eigenschaften des Bewerbers. Kann er Belastungen standhalten? Ist er neugierig? Emotional stabil? Oder fleißig?

Allein durch die Sprache einer Person lässt sich ein umfassendes Persönlichkeitsprofil erstellen, versprechen die Erfinder der Technologie. Unternehmen können anhand dessen entscheiden, ob der Bewerber geeignet ist oder nicht. Vertriebler zum Beispiel brauchen eine hohe Kontaktfreudigkeit. Wer dagegen in der Telefon-Akquise arbeitet, muss emotional stabil sein – da er wahrscheinlich mit vielen Absagen konfrontiert wird. All das lasse sich bereits an der Sprache erkennen.

Wie eine Sprachprobe auf den Charakter schließen lässt

Aber wie macht die Software das? Dahinter stecken zehntausende winzig kleine, digitale Bausteine, die der Sprache entnommen werden. Sie sind von Person zu Person unterschiedlich. Precire aber hat herausgefunden, dass sie auch Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschens geben können. Demnach weisen etwa Personen, die wenig belastbar sind, ähnliche Sprachmuster auf.

Um den Zusammenhang herzustellen, hat das Unternehmen zunächst 5.200 repräsentativ ausgewählte Probanden untersucht. Sie alle mussten auf der einen Seite das 15-minütige Telefonat durchführen, das auch für die Bewerber angedacht ist. „Dabei geht es nur darum, einen Rahmen zu schaffen, wo jeder frei reden kann“, erklärt Psychologe Philipp Grochowski, der bei Precire für die Auswertung der Computeranalysen zuständig ist. Auf der anderen Seite hat die Firma die Personen psychologisch vermessen. Mittels Fragebögen, Tests und Einzelgesprächen entstand so ein umfangreiches Profil der Probanden. Dieses hat das Unternehmen im letzten Schritt mit der Sprachprobe verglichen.

Über 500.000 Werte analysierte die Maschine dazu. Sie misst die Länge der Pausen, die Häufigkeit und Struktur der Wörter, die Stimmvarianz oder die Akustik. Geschaut wird auch, wie viele Wörter die Sätze haben und wie verschachtelt sie sind. Oder aber wie vielfältig die Sprache ist, ob sie emotional oder verkopft, abwägend oder direkt ist. Jede Aufnahme wird bis aufs Kleinste zerlegt. Selbst die Anzahl der Füllwörter oder Verwendung von Pronomen spielt eine Rolle.

Umfangreiches Persönlichkeitsprofil

Precire erkennt nun, welche Sprachmuster typisch für die jeweiligen Charaktergruppen sind und insbesondere welche Sprachmuster nur in bestimmten Gruppen vorkommen. Das darf man sich jedoch nicht allzu einfach vorstellen. Nur weil jemand leise spricht, heißt das nicht, dass er emotional nicht stabil oder zurückhaltend ist. „Es könnte aber ein Indiz dafür sein“, sagt Grochowski. Mindestens 20 Auffälligkeiten in der Sprache werden herangezogen, um auf eine Charaktereigenschaft zu schließen. „Es gibt viele, tief verborgene Zusammenhänge“.

Die Treffsicherheit der Methode liegt laut Precire bei über 85 Prozent. Im Test von MEEDIA hat die Software durchaus zuverlässig funktioniert. Sie fand heraus, wie belastbar man ist, wie neugierig, dominant, verausgabungsbereit oder organisiert – all das, ohne große Fehler zu machen. Auch die Risikofreude, emotionale Stabilität, Ausdauer und das Anerkennungsbedürfnis schätzte die Maschine richtig ein.

Über ein derart umfangreiches und unverfälschtes Persönlichkeitsprofil über einen Bewerber dürfte sich jedes Unternehmen freuen, zumal der Bewerber nichts anderes machen muss, als frei zu sprechen. Firmen wie der Personaldienstleister Randstad nutzen die Software bereits. Von den Bewerbern gibt es dabei durchaus positives Feedback. Schließlich können sie das Telefon-Gespräch ganz entspannt von der Couch aus führen. Precire wertet im Anschluss die Sprachprobe aus – den Inhalt werden dabei weder das Unternehmen noch die Wissenschaftler zu hören bekommen. Die Firma erhält lediglich ein zweiseitiges Dokument, in dem die Eigenschaften des Interessenten mit den Anforderungen verglichen werden, auf die sie zuvor wert gelegt hat. Viel schneller kann der Bewerbungsprozess gar nicht mehr sein.

Natürlich ersetzt das System kein Bewerbungsgespräch an sich. Doch sinnvoll ist Precire bei der Vorauswahl der Bewerber allemal. Die Software spart Zeit und dem Bewerber große Mühen. Dabei arbeitet sie überraschend zuverlässig. Das dürften Unternehmen zu schätzen wissen.

Kommunikation

Konsumentinnen 40plus: Das trügerische Bild der ewigen Prinzessin

Frauen treffen 80 Prozent aller Kaufentscheidungen. Doch das gängige Frauenbild der unbeschwerten Shopping-Queen trügt - die meisten Frauen der Generation 40plus sehen ihr Leben weit weniger glamourös. Das zeigt eine Studie des psychologischen Forschungsinstituts september aus Köln. mehr…

Werbeanzeige

Absatzwirtschaft Newsletter

absatzwirtschaft Newsletter schon abonniert?

Newsticker

Die Verpackung wird digital, bunt und unperfekt

Marketer bekommen ein schönes neues Spielfeld: Verpackungen – übrigens als Markenträger oft immer…

Wechsel im Vorstand der BMW AG: Pieter Nota übernimmt Ressort Vertrieb und Marke

Zum 1. Januar 2018 wird Pieter Nota neu in den Vorstand der BMW…

Qualcomm gegen Apple: Chip-Hersteller will iPhone-Verkäufe in Deutschland stoppen

Es geht um Technik im aktuellen iPhone: Der Chip-Konzern Qualcomm klagt vor deutschen…

Werbeanzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige