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Silicon-Valley-Investor-Hoffman: Keine Angst vor chaotischem Wachstum

Reid Hoffman wurde als Mitbegründer von LinkedIn bekannt und ist einer der Starinvestoren im Silicon Valley. Sein Fokus liegt auf Unternehmen mit maximalen Netzwerkeffekten.

Wilde Unternehmensstrukturen, schlechtes Management und peinliche Produktflops – Reid Hoffman, Mitgründer von LinkedIn und Starinvestor im Silicon Valley, sagt, dass nur Unternehmen, die schnell, aber chaotisch wachsen, sowie extreme Risiken eingehen, groß und erfolgreich werden können. Sogenannte Blitzskalierer akzeptieren das Risiko, eine falsche Entscheidung zu treffen, wenn zugleich das Tempo hochgehalten werden kann.

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Von Anne-Kathrin Velten

In der Start-up-Welt ist es für Unternehmer die größte Hürde, eine marktfähige Idee an den Konsumenten zu bringen. Aber was passiert, nachdem dieser Schritt geschafft ist? Hoffman liefert einen radikalen Ansatz. Er beschreibt in seinem neuen Buch „Blitzscaling“, dass chaotische Zustände angenommen, schlechtes Management toleriert und sogar peinliche, verbesserungsfähige Produkte auf den Markt gebracht werden müssen. Gemeinsam mit Co-Autor Chris Yeh schreibt er, dass chaotisches Wachstum der einzige Weg sei, um sich zu einem modernen, marktdominierenden Unternehmen wie Airbnb, Facebook oder Uber zu entwickeln. Diese Firmen akzeptieren das Risiko, eine falsche Entscheidung zu treffen und übernehmen die Kosten für erhebliche Ineffizienzen, wenn sie sich dadurch schneller bewegen.

Hoffman weiß aus Erfahrung, wir das funktioniert: Bei PayPal – wo er als Führungskraft tätig war – hätten es Manager beispielsweise versäumt, Gespräche mit Mitarbeitern über Karriereentwicklung zu führen. Sie wussten schlicht nicht, wie das Unternehmen in drei Jahren aussehen soll. Viele Mitarbeiter seien gegangen, aber PayPal sei durch die hohe Fluktuation extrem schnell und anpassungsfähig geworden. „Will ein Unternehmen erfolgreich sein, hat es keine Zeit, geduldig zu sein, es muss schnell und entschlossen handeln. Darum hat Wachstum in Zeiten von Unsicherheiten immer Vorrang“, schreibt er.

Innovation bringe die Menschheit voran. Warum also das Tempo verlangsamen? In einer derartigen Welt müssten gerade Start-ups große Risiken eingehen, mitunter schwere Fehler machen oder Entscheidungen treffen, die auch negative Folgen für viele Menschen haben. Dies sei der einzige Weg, ein Unternehmen wirklich groß zu machen. Und mehr noch, ein höheres Risiko für die Firma und Gesellschaft sei letztlich der Preis für den Aufbau einer besseren Welt. „Blitzscaling ist ein Wettlauf um Dinge, die die Welt zu einem besseren Ort machen“, sagt Hoffman.

Geschwindigkeit ist wichtiger als Effizienz, definiert Reid Hoffman seinen Blitzskalierungsansatz.  Quelle:Twitter/@ReidHoffman)

Moral kommt im zweiten Anlauf

Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass sich schnell wachsende Unternehmen am Markt gegen Firmen, die von Beginn an Moral als Firmenwert benennen, durchsetzen. Whatsapp hat zum Beispiel früh auf Skalierung und Gewinnung von Nutzerinformationen gesetzt während zahlreiche kleine Konkurrenten wie beispielsweise der Nachrichtendienst Threema viel Zeit damit verbracht hat, herauszufinden, wie Nutzer geschützt werden können. Whatsapp hat die Konkurrenz abgehängt, obschon fast zeitgleich die Nachteile offensichtlich wurden und die Kunden unter den Konsequenzen beispielsweise in Form von Sicherheitslücken leiden. Dennoch wechselten kaum Nutzer zu vermeintlich sichereren Netzwerken.

Ein weiteres Beispiel ist Airbnb. Die Samwer-Brüder klonten das Konzept und wollten mit Wimbu in Europa durchstarten. Airbnb-Mitbegründer und CEO Brian Chesky wusste, dass sein Unternehmen ohne den europäischen Markt zum Scheitern verurteilt war. Er sah sich zwei Optionen gegenüber: Mit den Samwers kooperieren und ihnen 25 Prozent an seinem Unternehmen abgeben oder voll auf Tempo setzen. Er wählte den zweiten Ansatz, sammelte Kapital und bekämpfte Wimbu auf dem eigenen Markt. Riskant, aber Airbnb setzte sich durch.

Unsichere Zeiten erfordern Risiko

Unsicherheit ist eine der Kerncharakteristika der modernen Wirtschaftswelt. Gerade Technologie-Start-ups begeben sich auf eine Reise, die sie nicht absehen können. Die Weltwirtschaft muss bis 2030 sechshundert Millionen neue Arbeitsplätze schaffen, um die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Unternehmen müssen aber nicht nur mehr Arbeitsplätze schaffen müssen, ganz neue Branchen müssen entstehen. Hunderte oder sogar tausende kleiner Start-ups könnten diesen Bedarf nicht erfüllen, so Hoffman, darum sei Blitzskalierung die einzige Option.

Wenn ein Start-up reibungslos läuft, wächst es nicht schnell genug. In seinem neuen Buch „Blitzscaling“ erläutert Reid Hoffmann, warum Gründer chaotisch handeln sollten und Skalierung der einzige Weg ist, um langfristig positive Auswirkungen zu erzielen. Quelle:Twitter/@ReidHoffman

 

 

Zur Person: Der US-Amerikaner Reid Hoffman ist vor allem als Mitbegründer des Karrierenetzwerks LinkedIn und als Risikokapitalinvestor bei der Silicon Valley-Firma Greylock Partners bekannt, wo er unter anderem auf den Erfolg von Airbnb setzt. Zuvor hat er unter anderem für Apple, Fujitsu und PayPal gearbeitet. Laut eigenen Angaben hat er bereits 1,5 Milliarden US-Dollar seines Vermögens in Impact-Investitionen gesteckt hat und ist damit einer der größten Impact-Investoren weltweit. Sein Buch „Blitzscaling: The Lightning-Fast Path to Building Massively Valuable Companies” erschien im Oktober in erster Auflage in englischer Sprache.

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