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Siehste Sixt, musste klicken: Warum mich die Sixt-Werbung nur noch anödet

Sixt hat es schon wieder getan. Sobald es einen Aufreger gibt, kann man die Zeit abstoppen, bis der Autovermieter mit einer vermeintlich „witzigen“ Anzeige um die Ecke kommt. So wie aktuell nach dem Wirbel um das Boateng-Zitat des AfD-Politikers Alexander Gauland. Dabei braucht Sixt noch nicht einmal mehr Plakate kleben oder Anzeigen schalten. Publikum und Medien übernehmen die Verbreitung der mittlerweile meist mäßig originellen Werbemotive gratis.

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Gauland sagte in der vorvergangenen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung „„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Die Aufregung, die im Anschluss hochkochte, ist wohl bekannt. Jetzt, eine Woche später will auch Sixt sein bisschen Aufmerksamkeit vom Kuchen abhaben und stellte eine dieser berühmten, „lustigen“ Anzeigenmotive bei Facebook ein. Darauf ist in typischer Sixt-Optik Gauland abgebildet und ein Lkw. Der Spruch dazu: „Für alle, die einen Gauland in der Nachbarschaft haben (Jetzt einen günstigen Umzugs-Lkw mieten unter sixt.de)“. Hoho, gleich mal auf Teilen drücken.

Der Sixt-Gag bedient billige Reflexe, damit die Facebook-Meute sich selbst als mega-kritisch und super-tolerant ausweisen kann, wird geteilt und geliked wie blöd. Und weil das auch die Medien wissen (Ja, ja, wir bei MEEDIA sitzen da auch im Glashaus, heften Sie diesen Text hier bitte unter dem Stichwort Binnen-Pluralität ab), machen sie fleißig Klickfänger-Stories mit dem Werbemotiv. So prangt die Sixt-Werbung mit Gauland auch groß auf der Startseite von Bild.de. Mission accomplished, wird der Werber wohl sagen. Für Sixt ist das natürlich prima. Die Klickerei und das reflexartige Wiederkäuen jedes Sixt-Motivs in den Medien spart so manchen Media-Euro.

Warum noch Werbung schalten, wenn Redaktionen gratis berichten?

Warum noch Werbung schalten, wenn Redaktionen gratis berichten? (Screenhot: Bild.de)

Dabei zehrt die Werbung mittlerweile nur noch von dem vor vielen Jahren erworbenen Ruf, originell, witzig und frech zu sein. Berühmtheit erlangte 2001 ein Sixt-Motiv, das Angela Merkel mit zu Berge stehenden Haaren zeigt. Dazu der Spruch: „Lust auf eine neue Frisur? Mieten sie sich ein Cabrio“ Die Werbung machte Furore und der damalige FDP-Chef Guido Westerwelle lud Merkel danach zur gemeinsamen Cabrio-Fahrt ein. Damals war das originell und witzig und hatte Wirkung. Seither sind viele Jahre vergangene und die immergleiche Masche wird mit immer dünneren Witzen von dem Autovermieter gnadenlos weitergeritten.

Wenn die Bahn streikt, macht Sixt den Chef der Lokführer-Gewerkschaft Weselsky zum „Mitarbeiter des Monats“. Haha. Wenn der Grünen Politiker Volker Beck mit Drogen erwischt wird, schreibt Sixt „Gönnen Sie sich zur Abwechslung mal eine Nase frischen Wind“. Sie verstehen: „frischer Wind“ wegen Cabrio. „Nase“ wegen Koks. Höhö. In ihrer verzweifelten Suche nach dem Klick soll es in mancher Redaktion sogar schon vorkommen, dass bei aktuellen Aufreger-Themen Praktikanten Facebook scannen, um zu sehen ob schon „die neue Sixt-Anzeige“ da ist. Und ist sie dann da, dann wird geteilt und berichtet auf Witz komm raus. Ganz egal ob die Werbung wirklich originell, witzig oder einfach nur vorhersehbar und strunzdoof ist. Siehste Sixt, musste klicken. So einfach ist das. Und so dämlich.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf meedia.

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Kommentare

  1. Mitleid bekommt man geschenkt. Neid muss man sich erarbeiten.

    Für mich spricht aus dem Autor des Artikels der pure Neid.

    SIXT macht seine Sache gut (sehr gut!?!), was die mediale Präsenz eindrucksvoll untermauert. Was will man denn mehr?

  2. Sehr gut getroffen. Es ist kaum mehr auszuhalten, wie der ach so kritische und weltoffene Konsument solche Kampagnen wie irre beklatscht. Sixt schlägt aus der zunehmenden Verblödung Kapital und weil es die meisten das für ne tolle Aktion halten – zu Recht!

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