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Sechs Wege den Livestreaming-Dienst Periscope zu nutzen

Jeder Nutzer, der ein Smartphone hat, kann zu einer One-Man-TV-Station werden

Für schreibende Journalisten wird ein Traum wahr. Mit Hilfe von Periscope können auf einmal auch sie mit einfachsten Mitteln live via Video berichten. Tatsächlich hat die Streaming-App das Zeug den Online-Journalismus weiter zu entwickeln. Ob bei Breaking-News, Live-Events oder einem Blick hinter die Redaktionskulissen: Für diese sechs journalistischen Einsatzszenarien lohnt sich die Twitter-App.

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Von Alexander Becker

1. Breaking News
Wenn etwas wirklich wichtiges passiert, sindJournalisten fast immer schnell vor Ort. In diesen Momenten kann die App ihre ganze Stärke ausspielen. Die Reporter können ohne große technische Barrieren berichten, was sie sehen und sichten. Mit Hilfe der Kommentarfunktion können die Nutzer mit den Berichterstattern vor Ort kommunizieren und von diesen sogar mit weiteren Zusatzinformationen versorgt werden.

Die beiden aktuellen Vorzeige-Fälle für dieses Einsatzszenario waren die Bombendrohung beim Finale von „Germany’s Next Topmodel“ und ein Häuserbrand in New York. Via Periscope berichtete Bild-Mann Daniel Cremer als erster von der Räumung der Halle, in der das „GNTM“-Finale stattfand, in Mannheim. In New York übertrugen gleich mehrere Reporter den Einsatz der Feuerwehr. Dabei setzten die Journalisten nicht nur Periscope, sondern auch den Streaming-Konkurrenten Meerkat ein.

Später wurde diese Berichterstattung von vielen US-Medien gefeiert. Allerdings gab es auch die berechtigte Kritik, dass der Erkenntnisgewinn für die Zuschauer gering ist, wenn man einfach nur der Feuerwehr minutenlang beim Arbeiten zuschaut.

Vor allem bei Berichten in Breaking-News-Situationen sollten sich Journalisten aber immer bewusst sein, dass es keine Filterfunktion gibt. Alle Bilder und Informationen gehen ohne vorherige Wertung und Einordnung sofort on air.

2. Auch Nicht-Journalisten teilen spannende Beobachtung
Nicht immer sind Reporter vor Ort, wenn etwas Interessantes passiert. In diesen Momenten versetzt Periscope jeden Nutzer in die Lage, selbst zum Berichterstatter zu werden und seine Eindrücke und Beobachtungen live zu teilen. Damit sorgt Periscope, ähnlich wie zuvor Twitter und Facebook bei Bildern und Texten, jetzt auch im Bewegtbild-Bereich für eine Demokratisierung der Berichterstattung.

Jeder Nutzer, der ein Smartphone hat, kann zu einer One-Man-TV-Station werden. Nach Meinung von Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, „bis der erste Augenzeuge eines wichtigen Nachrichtenereignisses die Welt via Periscope teilhaben lässt an dem, was er gerade sieht“. Weiter schreibt er in einem seiner Nachmittagsletter: „Ich bin sicher, dass Live-Streaming den Journalismus verändern wird. Es filmt, wer will, es schaut, wer will.“

Das muss keine schlechte Nachricht für Redaktionen und Medien sein. Immerhin gibt es so einen Quelle mehr für echtes Live-Material. Das neueste Update von Periscope könnte zudem ein Meilenstein im Breaking-News-Journalismus sein. Im Fall eines überraschenden Events, können Journalisten nun mit einem Klick sehen, ob sich am Ort des Geschehens ein aktiver Filmer aufhält. Wenn, ja können sie sich sofort in dessen Übertragung einklinken.

3. Die Leser können Teil des Entstehungsprozesses werden

Bild-Boss Kai Diekmann beteiligt regelmäßig die Bild-Leser an der Auswahl für das Foto des Tages. Zudem filmt er immer wieder interessante Besucher in der Redaktion. Das schafft Nähe zum Leser und erfüllt dessen Wunsch, dass auch seine Meinung gehört wird.

Ähnlich geht ZDF-Late-Night-Talker Jan Böhmermann vor. Vor der Sommerpause streamte der „Neo Magazin Royal“-Macher immer wieder die Hashtag-Konferenz seiner Redaktion. So wird natürlich auch schon vor der Ausstrahlung der Sendung erster Social-Buzz erzeugt.

4. Öffentliche Events wie Pressekonferenzen werden Live-Übertragen
Die Pressekonferenzen der Fußball-Nationalmannschaft werden mittlerweile von mehreren Fernsehsendern übertragen, weil sich die Fans so sehr dafür interessieren, was Jogi Löw und seine Spieler zu sagen haben. Via Periscope haben Journalisten und Organisationen die Möglichkeit, selbst ohne großen technischen Aufwand Pressekonferenz oder ähnliche Termine live zu senden. Schalke 04 probierte das bereits mit Erfolg aus. In Tübingen streamte der Campus-Sender der Uni die erste Vorlesung von „heute journal“-Moderator Claus Kleber.

5. Live-Interviews mit Politikern und Promis
Einen ganz besonderer Reiz bietet die App natürlich bei Interviews mit Politikern und Promis. Denn der Einsatz von Periscope ist ein prima Kniff gegen den Autorisierungswahnsinn. Dank des Live-Feeds gilt im Stream tatsächlich noch das gesprochen Wort.

6. Journalisten organisieren Crowd-Interviews
Neben Live-Interviews mit Stars oder Politikern ist es mit Periscope auch möglich, Crowd-Interviews zu führen. Denn dank der Kommentarfunktion kann jeder Zuschauer selbst zum Fragesteller werden. Dieses Einsatzszenario werden wir bestimmt schon bald bei der Bravo oder weiteren Jugend-Marken sehen, die schon heute erfolgreich andere moderne Kommunikations-Apps wie WhatsApp oder Snapchat einsetzen.

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