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Schrittmacher des „Internet to go“

Immer und überall online sein - ein unaufhaltsamer Trend. Parallel dazu steigt die Zahl mobiler Websites und Apps. Eine spannende Aufgabe für Entwickler. In seiner Firma gilt Bastian Stein als "App-Maniac". Eine Bezeichnung, gegen die er sich nicht wehrt, weil sie zutrifft. Mehr als 3 000 Applikationen, also Anwendungsprogramme für mobile Telefone und Computer, hat der 37-Jährige genutzt. "Ich bin seit jeher technikaffin, und die Entwicklung der digitalen Welt verfolge ich leidenschaftlich", begründet er seinen großen Appetit auf Apps. Was ein bisschen untertrieben ist: Stein gestaltet sie nämlich mit.

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Vor zwei Monaten wurde er zum Head of Apps von „Chip“ berufen. Das Computermagazin, bei dem Stein 2006 als technischer Projektmanager begann, später zum Head of Technology aufstieg, hat sich zur multimedialen Marke entwickelt, die auf sämtlichen Kanälen verfügbar ist. Die gedruckte Ausgabe erreicht laut AWA 1,76 Millionen Leser, „Chip Online“ ist mit monatlich 12,5 Unique Users das größte Download- und Kaufberatungsportal für PC, Kommunikation, Home-Entertainment und hinter Bild.de das reichweitenstärkste Webangebot eines deutschen Printtitels.
Hinzu kommen 770 000 regelmäßige Nutzer von „Chip mobil“.

Bastian Stein hat sein Berufsleben mit einer kaufmännischen Lehre bei der Dresdner Bank begonnen und danach als Quereinsteiger Karriere gemacht. Im Onlinebusiness arbeitet er seit 15 Jahren, war unter anderem Vorstand des Softwareentwicklers Codezero und Chefredakteur des Spieleportals Gamezone.de. Stein ist Teil des „Chip“-Führungskreises und hat daher das große Ganze im Blick. Gleichwohl kümmert er sich als Head of Apps mit seinen sieben Mitarbeitern vornehmlich um Softwareprogramme für mobile Geräte. Dass er schon mehrere Tausend Apps selbst getestet hat, hilft im Job. „Man muss sich in die Rolle des Kunden hineinversetzen können. Wissen über User Experience ist sehr wichtig, um Fehler zu vermeiden. Eine App muss einfach und intuitiv zu bedienen sein, zugleich auffallen und aus dem riesigen Angebot hervorstechen“, betont Stein.

Sein Job ist zukunftssicher, denn Experten wie er werden dringend gebraucht. Das bestätigt eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) unter 240 Unternehmen. Bei den gewünschten Qualifikationen werden Kenntnisse im Mobile Marketing am häufigsten genannt (72 Prozent), es folgen Onlinevermarktung, E-Commerce (je 63 Prozent) und Social Media (59 Prozent).

Unternehmen und Medien machen mobil, weil sie einen großen Markt wittern. Zahlen belegen die Zuversicht: Bereits heute nutzen gut 19 Millionen und somit 27 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahre das Internet von unterwegs. Allein in den vergangenen sechs Monaten ist die Zahl um 2,2 Millionen gestiegen. Vor allem für die junge, gebildete Generation wird „Internet to go“ zur Selbstverständlichkeit. Laut AGOF-Studie Mobile Facts 2012-I sind rund zwei Drittel (64 Prozent) der Mobilnutzer zwischen 14 und 39 Jahre alt, 70 Prozent haben mindestens die mittlere Reife, 7,8 Millionen User verfügen über ein monatliches Haushalts-Nettoeinkommen von mehr als 3 000 Euro.

Die Unterwegsnutzung des Internets steigt weiter, der Absatz von Smartphones läuft 2012 auf einen Rekord zu. Die Marktforscher von EITO gehen davon aus, dass knapp 23 Millionen Smartphones und somit 43 Prozent mehr als im Vorjahr verkauft werden. Nach Berechnungen des Branchenverbands Bitkom werden einfache Mobiltelefone ohne Bildschirmsteuerung in zwei Jahren bei einem Marktanteil von etwa zehn Prozent nahezu verschwunden sein.

„Das Smartphone wird zum wichtigsten Begleiter durch die digitale Welt“, ist Stein überzeugt. „Und Tablets werden im privaten Gebrauch den PC ablösen.“ Eine Einschätzung, die Ingo Eichel teilt. Am Beispiel von Sotheby’s veranschaulicht der Business-Development-Manager bei Adobe Systems gerne die Vorteile der digitalen Geräte. Das Kunsthaus hat nämlich eine App entwickelt, die mehr vermag als der gedruckte Auktionskatalog.
„Nutzer können Kunstobjekte nach Wunsch groß zoomen und aus verschiedenen Perspektiven betrachten, kurze Filme anschauen und sogar eigene Notizen auf dem iPad machen“, erzählt Eichel. „Unterm Strich bietet die App mehr Möglichkeiten für weniger Kosten.“ Und dabei „befinden wir uns noch in einer ganz frühen Phase des digitalen Publizierens für mobile Geräte“.

Smartphones, Tablets, internetfähige Fernseher – das zunehmende Gerätespektrum erfordert darauf zugeschnittene Programme. Außerdem gibt es unterschiedliche Betriebssysteme wie iOS, Android, Windows Phone und diverse Vertriebsplattformen (zum Beispiel Apple-Store, Google Play, Amazon App Shop). „Damit muss man sich eingehend befassen und die jeweiligen Spielregeln kennen“, betont Bastian Stein. Allein der Apple-Store zählt bislang 650 000 Apps, 400 Millionen Kunden und 30 Milliarden Downloads. Tempo undWachstum sind enorm.
Wenn Stein innehält, wird ihm das so richtig klar. „Vor drei, vier Jahren gab es Apps, wie wir sie heute kennen, noch gar nicht.“

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in: absatzwirtschaft 10/2012

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