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Schluss mit dem Verpackungs-Irrsinn: Die App „Replace Plastic“ setzt Unternehmen unter öffentlichen Druck

Jennifer Timrott ist Vorsitzende von „Küste gegen Plastik e.V." und Initiatorin der App „Replace Plastic"

Ärgern Sie sich auch über zu viele Verpackungen in den Supermärkten? Sie wissen aber nicht, wie sie dem Hersteller ihren Unmut mitteilen wollen? Der Verein „Küste-gegen-Plastik" hat eine App entwickelt, die das erledigt. Nach dem Download der Replace Plastic App öffnet sich ein Scanner, über den man den Barcode des Produkts einscannen kann. Ein Gespräch mit der App-Gründerin Jennifer Timrott.

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In Plastik verpackte Bananen, Zucchini oder Gurken, doppelt eingeschweißter Käse: Die Situation im Supermarkt hat schon jeden Konsumenten einmal aufgeregt. Was aber gegen all den Plastik im Einzelhandel tun? Zum Glück erfährt das Thema Plastik und dessen Verzicht immer mehr Aufmerksamkeit zum Beispiel mit Einkaufskonzepten wie „Original Unverpackt”, die alle Lebensmittel ohne Verpackung verkaufen. Nun sorgt eine neue App für Aufruhr in den Supermärkten. Die App „Replace Plastic“ hilft, Unternehmen zu informieren, dass dem Konsumenten Plastikverpackungen stören und fordert sie dazu auf, auf Plastik zu verzichten. Mittels Barcode ermittelt die App in einer Datenbank Produkt und Hersteller und formuliert die Protest-Nachricht entsprechend.

Verpackungswahnsinn in den Supermärkten

„Es sind ja schon sehr viele Menschen besorgt, was Plastik in unserer Umwelt anrichtet, und fühlen sich nicht glücklich mit den ganzen Plastikverpackungen, die sie kaufen müssen. Wenn wir Unternehmen wegen ihrer Verpackungen angeschrieben haben, hieß es oft: die Kunden wollen das so. Wir hatten es aber oft mit Kunden zu tun, die es nicht gut fanden, dass sie so viel Plastik kaufen müssen und die sich mehr Alternativen im Supermarktregal gewünscht hätten“, erzählt Jennifer Timrott. Sie ist Vorsitzende von „Küste gegen Plastik e.V.“ und Initiatorin der App „Replace Plastic“.

Bisher gab es keine Mittel gesammelt gegen den Verpackungswahnsinn in den Supermärkten vorzugehen. Die Idee war also schnell geboren: dieses Feedback muss auch in den Unternehmen ankommen. So will „Küste gegen Plastik“ sichtbar machen, dass sich bereits eine große Menge Kunden Alternativen wünschen. Um Druck aufzubauen, müssen möglichst viele Menschen Produkte einscannen. Auf der Website replaceplastic.de gibt es einen Kampagnen-Monitor, der immer die neuesten Zahlen anzeigt. Aktuell haben die Nutzer der App mehr als 180.000 Produkte eingesendet und „Küste gegen Plastik“ hat über 11.000 E-Mails an Unternehmen versendet. Eine E-Mail wird verschickt, wenn 20 Nutzer das gleiche Produkt eingescannt haben, oder aber, wenn vier Wochen seit dem ersten Scannen vergangen sind.

Welche Marken haben reagiert?

„Die Kosmetikmarke Fairsquared hat zum Beispiel einen Teil des Sortiments auf Mehrweggläser umgestellt, die vom Kunden in den Shop zurückgebracht werden können und dann gereinigt und wieder neu befüllt werden. Sehr beeindruckt hat mich auch der Supplementhersteller Vellvie, der Vitamintabletten im Refill-System anbietet. Das Team hat sich 20 Prozent seiner Arbeitszeit für die Umstellung der Verpackungen reserviert, intensiv recherchiert und alle möglichen Lösungen genau unter die Lupe genommen. Und herausgekommen  ist dabei nicht einfach eine Einwegdose aus einem anderen Material, sondern ein Refill-Konzept, das es in diesem Bereich bisher noch gar nicht gab“, sagt Timrott.  Auch die Firma Waldemar Behn GmbH aus Eckernförde hat als Reaktion auf einen Hinweis von Replace Plastic eine Produktverpackung von Plastik auf Papier umgestellt. So schafft es die App ein Umdenken in der Firma anzuregen und Verbraucher können schnell und unkompliziert den Unmut gleich vor Ort im Supermarkt Ausdruck verleihen: App laden, Barcode scannen, abschicken. Fertig.

Unmut kundtun ist das eine, doch wie kann eine wirkliche Alternative zu Plastik aussehen? „Ich glaube, es wäre am wichtigsten, wegzukommen vom linearen Einweggedanken, hin zu kreislauffähigen Lösungen, bei denen erst gar kein Müll entsteht. Ich glaube nicht daran, dass wir vom Plastik einmal vollkommen wegkommen. Das Ziel muss sein, dass das Material sicher in einem Kreislauf bleibt und idealerweise endlos wiederaufbereitet werden kann, so dass z.B. aus Lebensmittelverpackungen wieder neue Lebensmittelverpackungen werden können. Dazu braucht es noch eine ganze Menge Umdenken“, erläutert Timrott.

Für die Zukunft wünscht sich Timrott mehr Alternativen zu Plastik: „Eine Welt ohne Plastik wird es sicher nicht mehr geben, aber ich wünsche mir eine Zukunft, in der möglichst wenig Müll entsteht und in der überhaupt kein unverrottbarer Müll mehr in der Umwelt und in unseren Meeren landet. Dazu müssen wir konsequent auf kreislauffähige Materialien und geschlossen zirkuläre Materialströme hinarbeiten.“

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Kommentare

  1. Ich unterstütze das sehr, auch beim Einkauf. Leider erleben wir hier in Las Palmas de Gran Canaria, fad wie Senso stehn sehe mögen und wo wir vier bis fünf Monate im Jahr leben, das noch sehr viel in den Supermärkten (Carrefour, Superdino, Spar etc.) in Plastik und noch schlimmer auf Styropor verpackt wird, z.B. Obst und Gemüse.

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